Fragen von Arbeitgebern in Vorstellungsgesprächen

Mit einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch sind Sie Ihrem Ziel zu einem Job schon deutlich näher gerückt. Viele Bewerber gehen jedoch viel zu häufig unvorbereitet in diese Gespräche und machen sich ihre Chancen zunichte. Sie reagieren oftmals sprachlos und überrascht auf die Fragen, die ihnen gestellt werden, sind unsicher oder zu schüchtern. Im Folgenden finden Sie die häufigsten Fragen und Tipps für Antworten, um gewappnet diese Hürde zu überstehen.

Die meisten Vorstellungsgespräche werden in Form von Einzelinterviews geführt, in denen der Bewerber einem oder mehreren Unternehmensvertretern gegenübersitzt. Zunehmend werden Bewerbungsgespräche zumindest in der ersten Runde auch über Skype abgewickelt, um Kosten zu sparen, wenn weite Anfahrtswege erforderlich wären. In kleinen Firmen führt das Gespräch meist der Geschäftsführer, in großen Firmen die Personaler oder Fachvorgesetzten. Nach dem ersten Smalltalk folgt entweder die Vorstellung des Unternehmens und dann die des Bewerbers oder die umgekehrte Reihenfolge. Dann kommt die Frage- und Antwortphase, die das Kernstück bildet, da man hier ein umfassendes Bild des Bewerbers erhalten möchte. Anschließend bekommt der Bewerber die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen.

Wie angenehm oder unangenehm ein Bewerbungsgespräch verläuft, hängt im Wesentlichen vom Interviewer ab.

Ist er professionell und bevorzugt er einen freundlichen Umgangston, ist er schlecht vorbereitet und hektisch und lässt sich ständig stören oder ist er ein Fan von Stress-Interviews, um dem Gegenüber so richtig auf den Zahn zu fühlen?

Sie sollten auf alles vorbereitet sein, auch wenn Sie im Vorstellungsgespräch merken, dass das einzige Ziel des Gesprächs für Sie nur noch sein kann, mit klarem Blick, erhobenem Haupt und mit Würde dem Unternehmen den Rücken zu kehren.

Ganz grundsätzlich unterscheide ich drei verschiedene Arten von Vorstellungsgesprächen: das Bewerbungsgespräch für Berufsanfänger, das Bewerbungsgespräch für untere und mittlere Managementpositionen und Gespräche für die Top-Positionen. Letztere lasse ich hier mal aus, da für solche Stellen ohnehin andere „Bewerbungsprozesse“ ablaufen.

1. Berufsanfänger
Auch wenn die Berufsanfänger mangels Erfahrung vielleicht am nervösesten sind: Die Vorstellungsgespräche hier laufen in der Regel noch am harmlosesten und freundlichsten ab. Nachfolgend finden Sie typische Fragen und die Erklärungen, was dahintersteckt.

a) Schon die Fragen zur Begrüßung haben einen Sinn: Wenn Sie gefragt werden, ob Sie gut hergefunden haben, möchte Ihr Gegenüber eine freundliche und angenehme Gesprächseröffnung und Basis schaffen. Und er möchte einen ersten Eindruck bekommen – sind Sie nervös, verkrampft, gelassen, entspannt und offen? Ausführliche Schilderungen, wie beschwerlich alles war, dass Sie Probleme mit dem Wetter haben oder ähnliches, haben hier nichts zu suchen. Ein Lächeln und ein einfacher Satz „Danke, mithilfe der Wegbeschreibung lief alles wie am Schnürchen“ sind hier genau richtig. In meinem Artikel Don`ts in Bewerbungsgesprächen finden Sie weitere nützliche Hinweise, die helfen, den ersten Eindruck positiv ausfallen zu lassen.

b) Erzählen Sie uns etwas über sich oder schildern Sie uns Ihren Lebenslauf.
Hier möchte der Frager einfach ein paar Lebensdaten hören, wie die Schulzeit war, wie Sie sich engagiert haben – schulisch und außerschulisch. Da er Ihren Lebenslauf kennen sollte und ihn meist auch vor sich liegen hat, geht es hier nicht darum alles wortwörtlich zu wieder holen, sondern er möchte erkennen, ob Ihre Darstellung schlüssig ist und Sie einen Zusammenhang zu der angestrebten Stelle herstellen können. Hier können Sie Begabungen und Stärken hervorheben, die auch zu der ausgeschriebenen Stelle passen.

c) Haben Sie sich noch bei anderen Firmen beworben?
Diese Frage ist zulässig und auch wichtig für ein Unternehmen. Wenn Sie sich nur bei ihm beworben haben, könnte man Ihnen mangelnde Flexibilität und / oder Aktivität unterstellen, wenn Sie 60 Bewerbungen für unterschiedliche Bereiche verschickt haben, könnte man Sie für unstrukturiert und wenig zielgerichtet halten. Besser wäre hier zu sagen, dass Sie sich auch noch bei wenigen anderen Firmen aus der Branche beworben haben, die Ihr Interesse wecken konnten, dass Ihr Gegenüber jedoch nicht unter ferner liefen rangiert, sondern Sie an der Stelle ausgesprochen interessiert sind.

d) Welche besonderen Stärken / Schwächen haben Sie?
Eine beliebte Frage in Vorstellungsgesprächen, daher kann man sich hier gut vorbereiten. Ihre Stärken können Sie hier entsprechend der Position noch einmal zum Ausdruck bringen („ich bin sehr belastbar, auch wenn es mal hektisch zugeht“, „ich bin kommunikativ und kann gut auf andere Menschen zugehen, zum Beispiel auf Kunden oder Interessenten“.
Ihre Schwächen zu nennen, ist dagegen schon etwas tricky. Auch wenn in Bewerbungsratgebern immer mal wieder steht, dass man Ungeduld nennen kann, weil das eine schnelle Auffassungsgabe nahe legt: lassen Sie es! Man kann auch eine gute Auffassungsgabe haben, ohne mit sich oder anderen ungeduldig zu reagieren. Ungeduld ist eine Eigenschaft, die psychologisch tief blicken lässt, und auf die man weder stolz sein, noch mit ihr kokettieren sollte. Aber wer sie hat, sollte dringend daran arbeiten!! Besser wäre zum Beispiel zu sagen. „Ich mag Herausforderungen und muss aufpassen, dass ich mich nicht verzettele. Aber ich kenne das Problem und arbeite daran.“

e) Weshalb haben Sie sich für diese Ausbildung / diesen Beruf entscheiden?
Am besten stehen hier Bewerber da, die sich aus eigenem Antrieb für diesen Beruf entschieden haben und dieses Ziel mit konkreten Vorstellungen und gut vorbereitet angegangen sind. Wenn Sie vorher in einer privaten (!) Berufsberatung gewesen sind, sollten Sie das ruhig erwähnen. Das zeigt, dass Sie für Ihre Weiterbildung und Ihren beruflichen Erfolg auch bereit sind, Zeit und Geld zu investieren.
Lassen Sie hier niemals den Eindruck aufkommen, dass Sie Ihre Berufswahl Dritten oder dem Zufall überlassen haben oder dass es eine Notlösung oder Bequemlichkeit war! Mit Sätzen wie „Da kann ich noch zu Hause wohnen bleiben“, „Mein Vater kannte XY, und das lief dann ganz unkompliziert“ oder „Mit Jura / BWL kann man immer etwas anfangen“ katapultieren Sie sich gleich raus.

f) Warum haben Sie Ausbildung oder Studienfach gewechselt?
Arbeitgeber werten Richtungswechsel oftmals negativ, weil sie Angst haben, dass Sie nicht wissen, was Sie wollen und Ihnen dadurch das nötige Engagement fehlt. Erklären Sie glaubhaft und plausibel, warum Ihre frühere Wahl nicht passte und dass Sie sich nach ausführlichem Coachen und intensiver Beschäftigung mit sich selbst und der Materie sicher sind, dass es jetzt passt. Nicht entschuldigen, bloß nicht rechtfertigen! Sie dürfen auch einwerfen, dass sich Ihr Gegenüber bei jemandem, der keinen Wechsel oder Abbruch hatte, ja auch nicht sicher sein kann. Derjenige hat vielleicht lieblos etwas durchgezogen, weil er sich sein Scheitern nicht eingestehen mochte. Bleiben Sie freundlich, wertschätzend und selbstbewusst.

g) Wie sieht es aus mit Ihren Sprachkenntnissen / Computerkenntnissen?
Ich bin kein Freund davon, sein Licht unter den Scheffel zu stellen, aber zu sehr übertreiben sollte man nicht, sonst muss man z.B. damit rechnen, dass man das Interview plötzlich in englischer Sprache weiterführen muss, nur weil man sagt, dass es fließend ist, während man aber nur gutes Schulenglisch beherrscht. Wichtig ist, dass Sie in jedem Fall die Bereitschaft zeigen, weiterhin Ihre Kenntnisse auf den gewünschten Stand zu bringen.

Meine Erwartung an Bewerber wäre heute grundsätzlich, unabhängig von Branche oder Position, fließendes Englisch, sehr fortgeschrittene Kenntnisse in Word, Excel und PowerPoint sowie 10-Finger-System blind. Da das bedauerlicherweise in der Schule kaum gelehrt wird, kann ich jedem nur dringend anraten, nach dem Schulabschluss mindestens ein halbes Jahr ins englischsprachige Ausland zu gehen und außerdem die entsprechenden Computerkurse zu belegen!

h) Warum haben Sie sich bei uns beworben? Was reizt Sie an der Stelle?
Der Frager will u.a. wissen, ob Sie sich intensiv genug mit seinem Unternehmen auseinandergesetzt haben und ob Sie auf die ausgeschriebene Position passen. Auszubildende sollten sich zusätzlich darüber im Klaren sein, ob sie es vorläufig bei einer Ausbildung belassen wollen oder ob sie anschließend direkt in ein Studium wechseln möchten. Daher sollte man sich vorher informiert haben, ob das Unternehmen gern die Auszubildenden übernimmt oder nur einen Teil oder gar nicht. Wenn Sie vorher schon wissen, dass Sie nach der Ausbildung ins Studium gehen, sollten Sie sich entweder ein anderes Unternehmen suchen oder es nicht noch äußern, wenn der Arbeitgeber jemanden sucht, der anschließend bleibt. Achten Sie aber auch auf Fairness, insbesondere bei kleinen Unternehmen, die nicht so flexibel reagieren können wie große.

In diesem Artikel von Zeit Campus finden Sie ein Interview mit Marion Schaake mit weiteren nützlichen Tipps.

2. Fragen im unteren und mittleren Management
Diese Fragen können nur Beispiele darstellen, da hier viele unterschiedliche Faktoren zusammenkommen können.

a) Was ist Ihnen wichtiger: Zufriedenheit im Beruf oder berufliches Fortkommen?
Um es gleich vorweg zu sagen: Das ist in meinen Augen eine der dämlichsten Fragen in Bewerbergesprächen überhaupt und es ist unfassbar, wie viele solcher Fragen tatsächlich gestellt werden!
Warum ist sie dämlich? Ganz einfach: Weil sie impliziert, dass man entweder nur Karriere machen oder nur Zufriedenheit haben kann, aber nicht beides, und das ist nun totaler Mumpitz! Diese Frage lässt nur drei Schlüsse zu – entweder sieht auch Ihr Gegenüber nur das entweder/oder statt das sowohl/als auch (das wäre tragisch und lässt klare Rückschlüsse auf seine Persönlichkeit oder sein Unternehmen zu) oder er hat irgendwo gelesen, dass er diese Frage stellen sollte (das lässt dann an seinem Verstand zweifeln) oder er hält Sie als Bewerber für dämlich (dann bleibt die Frage, warum er Sie überhaupt eingeladen hat).
Die einzige richtige Antwort kann hier nur lauten, dass Sie es schätzen, sich weiterzuentwickeln, viel zu lernen und immer besser zu werden, und dass Sie diese beiden Bereiche nicht als Gegensatz empfinden, sondern das sowohl als auch anstreben.

b) Welches sind für Sie die wichtigsten Werte?
Ihr zukünftiger Arbeitgeber möchte an dieser Stelle gern mehr Klarheit darüber, ob Sie zu der angestrebten Stelle auch passen, daher sollten Sie sich vorher genau überlegen, was Sie antworten, denn diese ist individuell. Mit „Durchsetzungsstärke“ und „Konfliktfähigkeit“ können Sie punkten als Führungskraft, mit „Geduld“, „Nachsicht“ und „Einfühlungsvermögen“ als Krankenschwester, umgekehrt wäre das jedoch eine Katastrophe. Überlegen Sie also gut, welche Werte Sie anfügen, die Sie an sich und anderen schätzen. Zuverlässigkeit, Loyalität, Kommunikationsfähigkeit und Leistungsbereitschaft sind jedoch immer gute Antworten.

c) Was macht für Sie gute Teamarbeit aus?
Teamarbeit wird in unserem Arbeitsleben immer wichtiger. Selbst die früher als sonderbar und introvertiert verschrienen Informatiker kommen nicht mehr darum herum – sie müssen gut im Team arbeiten und funktionieren. Setzen Sie sich also mit diesem Thema auseinander und überlegen sich, wie Sie hierzu stehen und was Ihr Gegenüber gern hören möchte. Heterogene Gruppen bringen die besten Ergebnisse hervor und sind am erfolgreichsten. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass man in der Lage sein muss, mit Menschen gut umgehen zu können, die völlig anders ticken als man selbst und die man vielleicht als schwierig bezeichnen würde. Wichtige Schlagworte sind hier Toleranz und Vertrauen, Konfliktfähigkeit und gemeinsame Lösungsfindung, Kommunikationsfähigkeit und ein wertschätzender Umgangston.

d) Was bedeutet für Sie Erfolg?
Auch mit dieser Frage sollten Sie sich vorher selbst intensiv auseinander gesetzt haben. Egal, wie Sie das für sich definieren – Ihr Vorgesetzter wird Ihre Antwort in Bezug auf die ausgeschriebene Position sehen. Also überlegen Sie, wie Ihre eigene Vorstellung zur ausgeschriebenen Stelle passt. Wenn Sie sich als Psychotherapeut bewerben und Erfolg für Sie bedeutet, Ergebnisse zu sehen, werden Sie in diesem Berufsfeld nicht sehr glücklich werden, da der Erfolg zu sehr von der Bereitschaft des anderen abhängt, sich zu bewegen. Für eine Bewerbung zum Projektmanager wäre diese Antwort jedoch schlüssig und auch wünschenswert.

e) Wie wichtig ist Ihnen Geld?
Über dieses Thema und die Verlogenheit hierzu in unserer Gesellschaft könnte ich ein ganzes Buch schreiben. Sie sollten sich Zeit nehmen, ganz für sich selbst und sehr ehrlich über Geld nachzudenken. Geld ist nämlich für viele Menschen ein Motivator, bestimmte Jobs auszuüben oder auch gerade nicht! Geld ist weder gut noch schlecht, es ist die individuelle Bewertung, die wir dem beimessen. Und es ist die Art des Umgangs damit. Wenn Sie antworten, dass Geld Ihnen sehr wichtig ist, kann das Ihrem Gegenüber sauer aufstoßen, weil er befürchtet, dass Sie vor allem an ständig neuen Aufgaben und an Ihrer Karriere interessiert sind und er mit ständigen Gehaltsforderungen konfrontiert wird oder Sie schnell zum nächsten ziehen, der mehr zahlt. Es kann aber auch sehr nachteilig sein, zu antworten, dass Ihnen Geld nicht so wichtig ist, denn daraus könnte man schließen, dass man in Ihnen entweder eine billige Arbeitskraft hat oder aber dass Sie nicht unbedingt engagiert arbeiten.

f) Was war Ihr größter Erfolg bisher?
Vielen Menschen fällt es schwer, über Erfolge und Leistungen zu sprechen, daher sollten Sie auf diese und die nächste Frage bestens vorbereitet sein. Schreiben Sie Ihre Erfolgsstorys auf ein Blatt Papier und überlegen Sie, welche am besten zum Unternehmen passen, in dem Sie sich bewerben. Wählen Sie diejenigen aus, die Sie nicht nur in einem guten Licht erscheinen lassen, sondern in denen Leistungsbereitschaft zu erkennen ist. Sie können das auch an ganz konkreten Zahlen verdeutlichen.

g) Was war Ihr größter Misserfolg?
Zerstören Sie nicht den vorher gewonnen Eindruck, sondern finden Sie ein Beispiel, das das vorher gesagte untermauert in dem Sie von einem sehr ambitionierten Projekt berichten, das dann jedoch nicht zum Erfolg führte aufgrund bestimmter Umständen. Aber auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass Sie die Schuld bei anderen suchen.

Es gibt sicher noch zahlreiche andere Fragen ähnlicher Art, die Ihnen gestellt werden können, das können auch persönliche Fragen sein, daher rate ich dazu, sich mit einem kleinen Schwung Ratgebern zu versorgen, um gut vorbereitet in diese Gespräche zu gehen.

Ich möchte es mir nicht nehmen lassen, an dieser Stelle einige Fragen zu präsentieren, mit denen Sie ebenfalls konfrontiert werden können – bezeichnender Weise seltener von Geschäftsführern, sondern vermehrt von Personalern oder Fachvorgesetzten. Diese Fragen gehören zu den so genannten Stressinterviews, deren Sinnhaftigkeit oder Notwendigkeit ich in aller Deutlichkeit in Frage stelle. Meine Empfehlung an Sie lautet, auf derlei Schwachsinn vorbereitet zu sein, um nicht völlig derangiert und demotiviert aus diesen Gesprächen zu gehen, sich aber ernsthaft die Frage zu stellen, ob Sie in einem derartigen Umfeld arbeiten wollen.

Die Frage, was Sie im nächsten Leben gern wären und warum, ist dabei noch die harmloseste. Suchen Sie sich eine berühmte Person aus, die Sie bewundern und mit der Sie nicht anecken können. Politiker fallen damit raus, Friedensnobelpreisträger unter Umständen auch. Nehmen Sie irgendjemanden Unverfängliches, wie zum Beispiel Schriftsteller, Künstler oder Naturwissenschaftler

Die etwas Versierteren unter Ihnen werden auch schon mal mit der Frage konfrontiert, wie Sie reagieren, wenn Sie von einem Headhunter kontaktiert werden, der Ihnen ein Angebot unterbreitet, das für Sie sehr interessant ist – höhere Position, mehr Verantwortung, mehr Geld… Antworten Sie am besten, dass Sie sich über die Anfrage freuen, aber wissen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt und Sie eine gesunde Skepsis und Bodenständigkeit besitzen.

Immer wieder gern werden Fragen gestellt hinsichtlich Verhalten und Loyalität gegenüber dem Vorgesetzten. Beispiele sind hier:
Sie haben ein gutes Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten und arbeiten gern mit ihm zusammen. Sie stellen aber über einen längeren Zeitraum fest, dass Ihr Vorgesetzter etwas macht, was einen kriminellen Charakter haben könnte. Wie verhalten Sie sich?
Antwort a) „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in so eine Situation komme, aber wenn es der Fall wäre, würde ich mit ihm ein Gespräch suchen und vorsichtig nachfragen, denn ich könnte ja auch etwas völlig missverstehen.“

Antwort b) „Ich war noch nie in einer derartigen Situation. Muss ich damit rechnen, dass ich in diesem Unternehmen hier auf derlei Konflikte stoße?“
Diese Antwort können Sie dann geben, wenn Sie bereits für sich beschlossen haben, dass Sie an diesem Unternehmen nicht mehr interessiert sind. Wer blöd fragt, muss auch mit blöden Antworten rechnen.

Ihr Vorgesetzter bittet Sie in einer wichtigen Entscheidung um konkrete Ideen, stimmt Ihrem Vorschlag in der Vorgehensweise zu und macht dann etwas ganz anderes. Wie verhalten Sie sich?
Das ist im Übrigen tatsächlich keine Seltenheit und genauso unschön wie wenn der Vorgesetzte Vorschläge von Ihnen aufnimmt und als seine eigenen verkauft. Eine vernünftige Antwort wäre hier: „Ihre Entscheidung überrascht mich. Helfen Sie mir doch, den Hintergrund besser zu verstehen.“

Mit folgenden Fragen will man nur Ihre Flexibilität und guten Nerven testen:
„Warum sollten wir uns nicht für Sie entscheiden?“
„Wovon möchten Sie uns überzeugen?“
„Welche Fragen bereiten Ihnen Unwohlsein?“
„Mit welcher Frage haben Sie heute nicht gerechnet?“
Um den Kandidaten dann so richtig ins Schwitzen zu bringen, reagieren Personaler in Mimik und Gestik gern verunsichernd, streuen ein gelangweiltes „interessant…“, ein und garnieren alles gern mit einem längeren Schweigen. Begehen Sie nicht den Fehler, ständig weiter zu quasseln, sondern halten Sie diese Leere auch aus.

Meine Erfahrung ist, dass Geschäftsführer aus dem Mittelstand in der Regel diese Form des Fragestils nicht anwenden; ich vermute, das ist unter ihrem Niveau und unter ihrer Würde. Wer über viel Menschenkenntnis und viel Erfahrung mit Menschen und mit Personal verfügt, der muss sich auf dieses erbärmliche Niveau nicht herablassen. Anders sieht es mit Personalern und mit Fachvorgesetzten aus. Fachvorgesetzte sind, wie der Name schon sagt, diejenigen, die Ihnen fachlich vorgesetzt sind und mit denen Sie ständig zu tun haben.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bevorzuge hier Gespräche auf Augenhöhe mit gegenseitiger Wertschätzung – und zwar unabhängig von Position oder Alter. Das hat mit Anstand und Respekt zu tun. Möchten Sie später mit jemandem zu tun haben, der schon im Bewerbungsgespräch das Bedürfnis hat, Sie in Nöte zu bringen, Sie zu verunsichern und Ihnen im übertragenen Sinn die Hosen runter zu ziehen? Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sieht für mich anders aus. Diese Art der Fragen lassen eher auf einen Menschen schließen mit geringem Selbstwertgefühl, wenig Achtung und einem zweifelhaften Charakter. Sie sollten sich gut überlegen, ob Sie mit einem solchen Vorgesetzten zu tun haben möchten.

Bei den Personalern sieht die Sache insofern anders aus, als dass Sie mit denen später nur selten oder gar nicht zu tun haben. Sie sind lediglich für die Bewerberauswahl zuständig. Daher sollte man meinen, dass Sie besonders geschult sind im Auswahlprozess. Unglücklicherweise ist das jedoch selten der Fall und hier treffen gleich zwei Faktoren aufeinander, die sehr ungünstig sind. Zum einen mangelt es vielen an echter Menschenkenntnis, das gilt insbesondere für die Psychologie-Absolventen, die eine Menge Theorien auswendiggelernt haben, aber selten eine Vielzahl an echten Erfahrungen sammeln konnten. Fehleinschätzungen sind hier vorprogrammiert. Zum anderen wissen das deren Vorgesetzte, was dann dazu führt, dass die Auswahlverfahren von noch mehr und anderen Psychologen oder Coaches standardisiert werden, an die sich die Personaler halten sollen. Dieses Phänomen findet man hauptsächlich in den großen Unternehmen. Das führt nicht selten dazu, dass an starren Konzepten festgehalten wird, damit die Personaler hinterher sagen können, dass Sie ja alles korrekt abgearbeitet haben, wenn Fehlbesetzungen erfolgt sind und man sie dafür nicht zur Verantwortung ziehen kann. Letztlich sind diese Verfahren nur das Eingeständnis der eigenen Inkompetenz.

Die Frage, die Sie sich stellen sollten, lautet: Wie wichtig ist Ihnen genau dieser Job und genau dieses Unternehmen und wollen Sie ein unwürdiges Verfahren dafür in Kauf nehmen?

Meine Tipps an dieser Stelle:
1. Wenn Sie im Bewerbungsgespräch bereits feststellen, dass die ganze Sache ins Unwürdige abrutscht und Sie für sich bereits mit dem Unternehmen abgeschlossen haben, sparen Sie sich und den anderen die Zeit. Packen Sie Ihre Sachen zusammen und verabschieden Sie sich höflich mit den Worten, dass Sie das starke Gefühl haben, dass Sie nicht zueinander passen. Das ist absolut legitim. Auch wenn es Ihr Gegenüber überrascht, das macht nichts.

2. Wenn Sie sich bewerben wollen, machen Sie sich intensive Gedanken darüber, welche Firmen für Sie interessant sind und schalten Sie Ihren Verstand ein. Es kann mega cool klingen, seiner Verwandtschaft oder seinen Freunden zu erzählen, dass man bei einem bayrischen oder schwäbischen Automobilkonzern arbeitet, man sollte sich aber auch klar machen, dass es sich um Aktiengesellschaften handelt, die in erster Linie darauf aus sind, ihre Aktionäre zu befriedigen. Das geht meist auf Kosten der Mitarbeiter. Möglicherweise sind Sie viel besser aufgehoben bei einem „Hidden Champion“ oder einem großen Automobilzulieferer, der stiftungsgebunden ist. Klingt erst mal nicht so sexy, zahlt sich später aber mitunter viel mehr aus.

3. Machen Sie sich klar, dass die demografische Uhr in Ihrem Sinne tickt. Es gibt keinen Grund, sich derartigen Fragen auszusetzen. Sie dürfen gelassen und auch selbstbewusst auftreten. Und die Firmen oder Entscheider, die heute noch meinen, das wäre die richtige Art, die richtigen Mitarbeiter zu finden, werden sich in Zukunft ohnehin umstellen müssen.

Bildnachweis: © Kzenon, Shutterstock.com

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