Fachkraft für Veranstaltungstechnik – Ausbildung mit Lizenz zum Feiern

Konzerte, Empfänge, Firmenevents, und sie sind immer mittendrin: die Fachkräfte für Veranstaltungstechnik. Ob Mischpulte, Scheinwerfer, Mikrofone und Verstärker oder auch Podeste, Gerüste, Traversen und Messe- oder Szenenaufbauten: Sie planen und betreuen den technischen Ablauf einer Veranstaltung und legen auch selbst mit Hand an. Ein spannender Ausbildungsberuf, den wir Ihnen näher vorstellen möchten.

Man sollte schon Spaß an Veranstaltungen aller Art haben, aber Party als Beruf ist Veranstaltungstechnik nicht. Da die eingesetzte Technik sehr teuer ist und fast immer Zeitdruck besteht, ist ein routinierter, zuverlässiger und effizienter Umgang mit den benötigten Geräten unabdingbar. Gegen Ende der Ausbildung legen die Fachkräfte sich auf einen Schwerpunkt fest: „Aufbau und Durchführung“ oder „Aufbau und Organisation“. Wir haben beide Schwerpunkte der Einfachheit halber in den direkten Vergleich gesetzt – ein Großteil der Erläuterungen betrifft aber ohnehin beide Schwerpunkte gleichermaßen.

Im Schwerpunkt Aufbau und Durchführung wählen Fachkräfte für Veranstaltungstechnik die benötigte Ausrüstung aus. Sie kennen sich auch mit neuen technischen Entwicklungen aus, sodass sie für jede Umgebung das optimale Sound- und Beleuchtungskonzept erstellen können. Sie holen erforderliche Genehmigungen ein und kümmern sich darum, dass die Sicherheitsvorschriften und andere gesetzliche Bestimmungen eingehalten werden: Sind genügend sanitäre Einrichtungen vorhanden? Wie können die An- und Abfahrtswege für Feuerwehr und Rettungsdienste freigehalten werden?

Wenn alles geplant und die Ausrüstung organisiert ist, fahren sie zum Veranstaltungsort. Sie errichten die Bühne, verlegen Kabel, montieren Scheinwerfer, platzieren Verstärker und Bühnendekorationen, schließen Kommunikationsanlagen an, bereiten Spezialeffekte vor und stellen Absperrungen und Gerüste auf. Dabei brauchen sie nicht nur technisches Geschick, sondern auch einen Sinn für Ästhetik.

Während der Veranstaltung selbst sind die Fachleute für Veranstaltungstechnik vor Ort und sorgen für den reibungslosen Ablauf – deshalb arbeiten sie oft noch spät abends und am Wochenende. Oft geht es dabei hektisch zu, deswegen müssen sie auch einen kühlen Kopf bewahren, wenn plötzlich der Ton ausfällt oder ein Scheinwerfer defekt ist. Nach einer Veranstaltung bauen sie die Einrichtungen wieder ab und lagern sie bis zum nächsten Einsatz. Wenn sie Tourneen von Künstlern begleiten, gehören auch Nachtschichten dazu, wenn die Bühnentechnik am folgenden Tag an einem anderen Ort eingesetzt werden soll.

Im Schwerpunkt Aufbau und Organisation konzipieren Fachkräfte für Veranstaltungstechnik vor allem Messestände oder Ausstellungsräume. Dabei entwerfen sie einen Aufbauplan: Soll ein Stand von allen Seiten zugänglich sein oder nur von einer? Werden Kundentheken gewünscht oder lieber ein Innenraum für Gespräche? Wie sind die Lichtverhältnisse? Soll ein Stand öfter benutzt werden? Wenn sie ein Konzept erstellt haben, bestellen sie das Baumaterial und die technische Ausrüstung. Vor Ort koordinieren sie das Zusammenspiel der beteiligten Handwerker und der Speditionsfachkräfte. Am Ende bauen die Fachkräfte für Veranstaltungstechnik die technische Einrichtung auf, richten z.B. Beleuchtungs- und Projektionsgeräte ein und übergeben den Stand abschließend dem Kunden.

Ausbildung
Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Voraussetzung ist mindestens der Hauptschulabschuss, besser die mittlere Reife. Im dritten Ausbildungsjahr erfolgt eine Vertiefung in einem der Schwerpunkte Aufbau und Durchführung oder Aufbau und Organisation.

Während der Ausbildung lernen die angehenden Fachkräfte für Veranstaltungstechnik unter anderem:

  • Veranstaltungsstätten sowie Rohkonstruktionen und Bauten auf Sicherheit zu überprüfen
  • Computer einzurichten, insbesondere Software zusammenzustellen, zu konfigurieren sowie Bedienoberflächen einzurichten
  • Leitern, Hebezeuge und Arbeitsgerüste, aber auch Mischpulte, Lichttechnik etc. auszuwählen und einzusetzen
  • Kamerastandpunkte festzulegen, bildtechnische Geräte aufzubauen, anzuschließen, in Betrieb zu nehmen und abzubauen
  • Preise, Leistungen und Konditionen zu vergleichen und Urheber-, Nutzungs- und Persönlichkeitsrechte sowie Regelungen zum Datenschutz zu beachten

Im Schwerpunkt „Aufbau und Durchführung“ lernen sie im dritten Lehrjahr zusätzlich u.a.:

  • Soundchecks durchzuführen
  • Bild- und Tonmitschnitte anzufertigen
  • Spezialeffekte, insbesondere Feuer-, Rauch- oder Nebeleffekte, auszuwählen und einzusetzen
  • Havariekonzepte zu planen und abzustimmen
  • Manuskripte, Exposés und Regievorgaben zur technischen und gestalterischen Umsetzung auszuwerten
  • Projektionen als szenisches Mittel einzusetzen

Im Schwerpunkt „Aufbau und Organisation“ lernen sie im dritten Lehrjahr u.a.:

  • Projektziele festzulegen und die technische und gestalterische Umsetzung mit den Beteiligten abzustimmen
  • die zum Projektumfang gehörenden Leistungen zu koordinieren, zu überwachen, zu prüfen und abzunehmen
  • die Präsentationsbeschallung auszuwählen und zu gestalten
  • den Bedarf an Transport-, Lager- und Umschlagleistungen zu ermitteln
  • Aufbauten an Kunden zu übergeben und Abnahmeprotokolle anzufertigen

Verdienst
Bei dieser Tätigkeit kann die tarifliche Bruttovergütung zwischen ca. 2.300 und 2.750 Euro im Monat betragen. Der Verdienst hängt unter anderem von Erfahrung, persönlicher Qualifikation sowie von der Größe des Arbeitgebers und eventueller Tarifbindung ab.

Entsprechend sind auch die Ausbildungsvergütungen recht unterschiedlich:

1. Ausbildungsjahr: ca. 510 – 620 Euro
2. Ausbildungsjahr: ca. 600 – 670 Euro
3. Ausbildungsjahr: ca. 680 – 710 Euro

Weiterbildungsmöglichkeiten
Die klassische Weiterbildung ist in der Regel der Erwerb des Meistertitels. Empfohlen wird, nach der Ausbildung mindestens drei Jahre Berufserfahrung zu sammeln, bevor man sich zum Meister weiterbildet.

Auch ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule bietet eine gute Möglichkeit, um sich weiter zu qualifizieren. Dieses ist vor allem an Fachhochschulen auch ohne Abitur oder Fachhochschulreife möglich. Stattdessen werden dann der Meister und einschlägige Berufserfahrung gefordert. Das Studium an der Technischen FH Berlin im Fachbereich Theater- und Veranstaltungstechnik ist eine Option. Aber auch Maschinenbau, Elektrotechnik oder verwandte Studiengänge sowie Betriebswirtschaft sind eine Alternative.

Ansonsten müssen sich Fachkräfte für Veranstaltungstechnik grundsätzlich über die technischen Entwicklungen und Möglichkeiten auf dem Laufenden halten und ggf. auch Schulungen und Weiterbildungen besuchen, um immer auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Quellen:
Bundesagentur für Arbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung
Bayerischer Rundfunk
Industrie- und Handelskammer München / Oberbayern

Bildnachweis: © Petr Jilek – Shutterstock.com

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