Referate halten – vom Schweißausbruch zur Freude

Nur wenige Schüler haben echte Freude daran, sich vor ihre Klasse zu stellen und Referate zu halten. Ihnen macht es nichts aus, mehr oder minder gut vorbereitet zu referieren oder gar zu entertainen. Manch einer hat sogar richtig Spaß daran. Die allermeisten aber halten Referate nicht gern, sind mehr oder weniger aufgeregt oder sogar panisch. Was hilft? 

Wenn Sie nicht gerade auf den untersten Hierarchieebenen oder in der Stadtverwaltung versauern wollen, werden Sie im Berufsleben nicht darum herum kommen, vor anderen etwas zu präsentieren. Was in der Schule bereits verlangt wird und geübt werden sollte, geht im Studium weiter und endet nicht beim Einstieg ins Arbeitsleben. Vermeidungsstrategien helfen langfristig sowieso nie, und hier schon gar nicht. Und je weniger wir etwas mögen, umso öfter kommt es in unser Leben.

In den Schulen anderer Länder wird diesem Problem begegnet, indem die Schüler ständig Referate halten müssen; nicht nur zwei- oder dreimal im Jahr, sondern wöchentlich. Das übt ungemein, und der Erfolg bei den Schülern gibt den Schulen Recht. Man muss Referieren oder Präsentieren nicht lieben, aber man sollte es souverän und selbstbewusst „über die Bühne bringen“. Nur: Wie schafft man das?

Was können Sie ganz praktisch für sich selbst tun?

Zunächst einmal stellt sich die Frage, warum Sie so sehr aufgeregt sind, Schweißausbrüche, kalte, feuchte oder zittrige Hände und vielleicht auch einen roten Kopf bekommen? Warum verhaspeln Sie sich, reden viel zu schnell, bekommen weiche Knie und vielleicht auch einen Blackout? Weil Sie Angst haben! Angst, sich zu verhaspeln, Angst sich zu blamieren, Angst, ausgelacht oder vom Lehrer gedemütigt zu werden (und das können die richtig gut!). Und: Warum haben Andere keine Angst, sich zu blamieren oder ausgelacht zu werden?
Die Antwort ist relativ einfach: Entweder, es ist einem egal, etwas falsch zu machen oder man ist sich einfach sicher, dass es gut wird – und dann wird es das auch.

Gute Vorträge oder Präsentationen stehen daher auf drei Säulen

1. Was diese Klassenkameraden oder Kommilitonen von Ihnen unterscheidet, ist das Selbstbewusstsein.
Und genau das muss bei Ihnen besser werden! Je selbstsicherer Sie werden, umso leichter fällt es Ihnen, vor anderen zu sprechen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber dadurch wird diese Säule nicht nebensächlicher! Die Stärkung des Selbstbewusstseins und das Wachstum des eigenen Selbstwertgefühles „passieren nicht einfach so“ im Laufe der Zeit, sondern sind ein ganz aktiver Prozess.

Es gibt zwar viele Schlaumeier, die mir hier gern widersprechen, weil sie meinen, wenn man fachlich gut wird, kommt auch das nötige Selbstbewusstsein hinzu, aber lassen Sie es sich gesagt sein: Echtes Selbstwertgefühl kommt niemals aus dem TUN, sondern immer aus dem SEIN! Wer sich sein Selbstbewusstsein aus seinen täglichen Arbeitserfolgen zieht, wird schmerzlich auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen, wenn es beruflich nicht mehr läuft, weil das Unternehmen den Bach heruntergegangen ist oder weil Entlassungen anstehen, von denen man selbst betroffen ist. In so einer Situation zeigt sich, wer in sich ruht, oder wer in hektischen Aktionismus und in miese Laune verfällt. Und zum Äußersten muss es nicht einmal kommen: Es reicht schon, Karriere machen zu wollen, aber dann bekommen immer andere die Beförderung und man selbst schaut in die Röhre…

Selbstbewusstsein ist nie etwas, was von allein entsteht. Die Wurzeln werden in unseren Kinderjahren von unserem Umfeld gelegt, aber später müssen wir selber dafür sorgen, dass es weiter wächst.

Bis wir jedoch so weit sind, müssen wir noch viele Referate und Präsentationen halten und benötigen daher eine viel schnellere Hilfe – unsere zweite Säule:

2. Wir müssen üben!
Da uns unsere Schulen zu wenige Möglichkeiten bieten, müssen wir hier über unseren Tellerrand hinausschauen, denn in der Regel finden wir für jedes Problem eine Lösung und die lautet Redeclubs! In fast allen größeren deutschen Städten gibt es die Toastmaster oder auch andere Redeclubs wie die Hanseredner in Hamburg oder die Münchner Brainstormers. In vielen Redeclubs wird Deutsch gesprochen, in manchen auch Englisch, sodass man auch in einer anderen Sprache mehr Sicherheit gewinnt. Man kann sich das Ganze zunächst einfach anschauen, um in Ruhe zu sehen, wie diese Abende ablaufen. Hier werden sowohl vorbereitete Reden als auch Stegreif-Reden gehalten.

Bei einer Stegreif-Rede ist man unvorbereitet und muss nach Nennung eines Stichwortes mit bis zu 30 Sekunden Bedenkzeit (oder auch ganz ohne) eine ein- bis zweiminütige Rede halten. Anschließend gibt es immer wohlwollendes, wertschätzendes(!) und konstruktives Feedback. Das übt, und man wird sehr schnell besser und sicherer in den Reden und Vorträgen. Hier lernt man auch die 3. Säule kennen:

3. Wir müssen Reden oder Vorträge halten, die unsere Zuhörer mitnehmen und interessieren.
Eine gute Rede hat eine klare Botschaft, sie ist gut strukturiert und besitzt eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss. Der Redner spricht darüber hinaus prägnant und deutlich. Richtig gut wird es dann, wenn der Redner nicht nur steif da steht, sondern die „Bühne“ und damit auch den Raum für sich nutzt. Es gibt keine Ähms und möglichst wenig Füllwörter, stattdessen eine gelungene Betonung. Wer eine PowerPoint-Präsentation halten muss, sollte sich auf maximal 9 Folien beschränken, auf denen nur ein paar prägnante Stichworte stehen. Der Rest wird frei referiert – und niemals von der Folie ablesen! Das ist der Tod einer jeden Präsentation…

Last but not least: Wenn Sie zu den Unsicheren beim Vortragen gehören, sollten Sie entweder eine Person anschauen, von der Sie wissen, dass diese wohlwollend Ihren Blick erwidert, oder aber Sie sollten niemanden direkt ansehen, sondern mehr „durch die Gruppe hindurch“ oder etwas über sie hinweg. Dann entgeht Ihnen eher, wenn jemand unaufmerksam ist oder Faxen macht, und Sie kommen nicht so leicht aus dem Konzept.

Sie finden in Ihrer Stadt keinen Redeclub, oder zumindest keinen deutschsprachigen? Kein Problem! Dann gründen Sie einen! Und wer mehr als 20 Mitglieder hat, kann sogar als offizieller Toastmaster-Club anerkannt werden.

Und nun viel Freude beim Reden üben und „gute-Noten-einsammeln“!

Bildnachweis: © Monkey Business Images – Shutterstock.com

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