Sprechen wir über Geld – Versicherungen

Wenn Kinder das Haus verlassen, ändert sich einiges: emotional, weil Eltern plötzlich wieder auf sich selbst zurückgeworfen werden, aber auch finanziell. Dazu braucht es nicht einmal die private Hochschule, die monatlich eine Menge Geld verschlingt. Mieten, Lernmittel und auch Versicherungen können ebenfalls den Geldbeutel stark belasten. Unklar ist vielen, welche Versicherungen notwendig sind und welche überflüssig. Gerade zu Beginn des Studiums haben die jungen Studierenden oft anderes im Kopf und gehen davon aus, dass sich die Eltern kümmern – doch die kennen sich meist selbst nicht aus. Schon gar nicht mit studentischen Besonderheiten. Was also brauchen Studierende wirklich?

Unterversichert zu sein, ist genauso schlecht wie überversichert, denn da fehlt das Geld an anderer Stelle. Ich habe die wichtigsten Versicherungen für Sie „auf den Prüfstand gestellt“:

1. Private Haftpflichtversicherung
Aus meiner Sicht ist die private Haftpflichtversicherung die wichtigste Versicherung überhaupt – und zwar für jedermann, dabei sind rund ein Drittel aller Deutschen nicht entsprechend versichert. Es ist ein Wunder, dass das bis heute keine Pflichtversicherung ist!

Bei der privaten Haftpflichtversicherung werden Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die man Dritten zufügt, von der Versicherung übernommen. Das können Brandflecken im Parkett sein, die bei einer Fete in der Studentenbude entstanden sind, ein Wasserschaden, der schon ein größeres Ausmaß annehmen kann oder auch ein Unfall, bei dem ein Dritter schwer verletzt wird, was in die Millionen gehen kann. Ist man dagegen nicht versichert, zahlt man ein Leben lang und wird seines Lebens nicht mehr froh. Hunde benötigen übrigens eine eigene Haftpflichtversicherung!

In der Regel gilt die Police der Eltern auch für die Kinder bis zum Ende der ersten Ausbildung (das gilt auch für Zivil-, Wehr- und Bundesfreiwilligendienst), sofern die Eltern überhaupt versichert sind. War ein Studierender vor seinem Studium allerdings zeitweilig berufstätig, muss er sich grundsätzlich selbst versichern.

Die Police sollte Schäden von mindestens 3 Millionen Euro abdecken, und eine gute Familien-Police, in der alle abgesichert sind, kostet in der Regel um die 100 Euro im Jahr. Man sollte unbedingt darauf achten, dass eine Forderungsausfalldeckung enthalten ist, falls derjenige, der ihnen einen Schaden zufügt, nicht versichert ist oder nicht zahlen kann!

2. Krankenversicherung
Die Krankenversicherung ist dagegen eine Pflichtversicherung. Wenn mindestens ein Elternteil in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, zahlt diese auch weiterhin für die Kinder bis zum Ende des 25. Lebensjahres. Wehr-, Zivil- oder Bundesfreiwilligendienst verlängern die Familienversicherung um die Dienstzeit. Hat ein Student seinen 25. Geburtstag bereits hinter sich und / oder verdient er mehr als 400 Euro in einem Minijob kann er sich aber nicht mehr beitragsfrei mitversichern.

Eine eigene Krankenversicherung brauchen Studenten aber auch, wenn ein Elternteil privat versichert ist und sein Einkommen regelmäßig höher ist als das des gesetzlich versicherten Elternteils, oder wenn beide Elternteile privat versichert sind oder auch wenn der Ehepartner privat versichert ist. In der Regel bieten die Kassen günstige Studententarife an.

Falls sich ein Student für ein oder mehrere Semester im Ausland befindet, kann die Familienversicherung ebenfalls enden, da ein Wohnsitz in Deutschland Voraussetzung ist.

3. Auslandsreise-Krankenversicherung
Krankheitskosten bei Reisen in fremde Länder werden oftmals von den Krankenkassen übernommen, zumindest gilt das für private Versicherer. Anders sieht das aber bei langen Aufenthalten aus, insbesondere beim Studieren im Ausland oder während der Praktika. Maximal zahlt die Krankenversicherung die Behandlung vor Ort, übernimmt aber nicht die Kosten für einen Rücktransport. Befindet man sich nicht in einem EU-Land oder in einem Land, mit dem Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat, kann das richtig teuer werden. So zum Beispiel, wenn man die hohen Kosten in den USA aus eigener Tasche zahlen muss.

Die Preisunterschiede für eine Auslandsreise-Krankenversicherung sind enorm und es lohnt sich ein sehr kritischer Vergleich. Für Reisen zwischen 90 und 365 Tagen liegen die Preise für einen weltweiten Schutz zwischen 45 und 3600 Euro, je nach Reise, Ziel und Alter. Je länger der Aufenthalt im Ausland, desto teurer die Versicherung. Auf jeden Fall sollte man sich für eine Versicherung ohne Selbstbehalt entscheiden, da dieser für jede Krankheit erneut fällig wird.

4. Private Unfallversicherung
Studenten sind während der Zeit, die sie in der Uni verbringen und auf dem Weg hin und zurück automatisch über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Das gleiche gilt auch für Azubis und alle Arbeitnehmer. Für die übrige (Frei-)Zeit gibt es keinerlei Absicherung.

Aber: die Leistungen, die man hier erhält, sind erbärmlich und decken nicht einmal annähernd alle Kosten bzw. die Problematiken bei Arbeitsunfähigkeit oder Invalidität. Eine private Unfallversicherung ist aus meiner Sicht ein absolutes MUSS! Das gilt umso mehr für Freizeit- und Spitzensportler oder Motorradfahrer.

Das besondere an der privaten Unfallversicherung ist, dass sie unabhängig davon zahlt, ob andere Versicherungen ebenfalls leisten. Auch hier gibt es große Unterschiede. In der Regel werden Einmal-Zahlungen ausgeschüttet, und wer beispielsweise liest, dass er in bestimmten Fällen 300.000 Euro ausgezahlt bekommt, mag das als viel empfinden. Tatsächlich ist das viel zu wenig, denn zum einen kommen bei einem Unfall, der zur Invalidität führt, erhebliche Kosten auf einen selbst zu: Angefangen von einem guten Rollstuhl (und keinem billigen Kassen-Modell) über den Umbau am Haus zum rollstuhlgerechten Wohnen oder ähnlichem. Da sind 300.000 Euro sehr schnell aufgebraucht. Und zum anderen kommt dann auch noch der Verdienstausfall für die kommenden Jahre hinzu, denn man muss ja von irgendetwas leben. Dann fließt aber kein Geld mehr von den Versicherungsträgern…

Daher sollte man sich eine Gesellschaft suchen, die sowohl Einmalzahlungen leistet als auch monatliche Renten bis zum Lebensende. Sehr hervorgetan hat sich hier die Continentale mit einem exzellenten und auch noch günstigen Versicherungsschutz.

5. Hausratversicherung
Hierüber kann man sich streiten, ich empfehle sie dennoch. Sie sichert persönliches Eigentum wie Möbel, Kleidung und Schmuck ab und zahlt bei Brand, Diebstahl, Blitzeinschlag, Sturm- oder Leitungswasserschäden.

Wenn Eltern eine Police besitzen, sind Studenten, die ihren Hauptwohnsitz noch bei ihren Eltern haben, ohnehin mitversichert, allerdings sollte man den Wohnortwechsel der Versicherung mitteilen! Normalerweise haben Studenten nicht so viele Wertgegenstände, dass sich so eine Versicherung lohnen könnte. Aber im Zeitalter von Smartphones, Laptops, I-Pads und teuren Fahrrädern oder auch Kameraausrüstungen macht es eben doch Sinn. Allerdings müssen die Kaufbelege alle gesammelt werden, man sollte darauf achten, dass der Neupreis ersetzt wird und man nicht unterversichert ist!

6. Fahrradversicherung
Die Fahrradversicherung macht schon weniger Sinn. Diese lohnt sich nur, wenn Sie ein sehr teures Rad besitzen, das über Nacht draußen steht. Es gibt viele Hausratversicherungen, bei denen das Rad mitversichert ist, sofern es nachts im Haus steht. Fahrradversicherungen sind teuer, da etwa eine halbe Million Fahrräder jährlich in Deutschland gestohlen werden, aber nicht mal 10 Prozent der Diebstähle aufgeklärt werden. Für ein Fahrrad im Wert von 1000 Euro schlägt eine Versicherung schon mal mit 100 bis 160 Euro jährlich zu Buche.

7. Berufsunfähigkeitsversicherung
Um die Begriffsverwirrung gleich aufzulösen: es gibt eine Berufsunfähigkeit und eine Erwerbsunfähigkeit.
Berufsunfähig ist, wer dauerhaft durch andauernde Einschränkung wie z.B. Krankheit, körperliche Verletzung, Allergien oder Kräfteverfall seinen eigenen Beruf nicht mehr ausüben kann.
Erwerbsunfähig ist, wer nicht mehr fähig ist, durch Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeit geht es hier also nicht darum, seinen erlernten und ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben zu können, sondern gar nicht mehr arbeiten, also keinerlei Arbeit mehr verrichten zu können. Im letzteren Fall würden die Rentenkassen aufkommen. Dass die Feststellung der Erwerbsunfähigkeit problematisch ist, liegt auf der Hand. Die Rentenkassen haben ohnehin kein Geld und werden alles tun, um eine Erwerbsunfähigkeit nicht anzuerkennen. Auch wer im Rollstuhl sitzt, kann rein theoretisch als Pförtner arbeiten. Ob man nun eine Anstellung findet oder nicht…

Aus diesem Grund haben sich die Versicherungen die sogenannte Berufsunfähigkeitsversicherung einfallen lassen, die genau davor schützen soll. Allerdings sind die Einstiegshürden ein Problem. Lange Zeit war es als Student gar nicht möglich, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, sondern lediglich eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Allerdings kann man häufig diese Versicherung am Ende des Studiums umwandeln. Mittlerweile gibt es mehr und mehr Anbieter, die den künftigen Gutverdienern den vollen Schutz bereits zu Beginn des Studiums ermöglichen wollen.
Je früher man sich absichert, desto niedriger sind die monatlichen Beiträge. Allerdings sind die Gesundheitsfragen happig, und je jünger und gesünder man ist, umso leichter bekommt man einen Vertrag. Immer mehr junge Leute werden beispielsweise nicht mehr versichert, weil sie irgendwann mal eine psychotherapeutische Behandlung hatten!

Auch wenn sich das Ganze zunächst sinnvoll oder sogar verlockend anhört, finanziell abgesichert zu sein, wenn man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann aufgrund von starken Bandscheibenschäden, Allergien oder Burn-out: Wer seinen Lebensstandard halten will, zahlt als Arbeitnehmer monatlich immens hohe Beiträge. Hier gilt es vorausschauend zu handeln: Viele Versicherungsvertreter kassieren hier hohe Provisionen und sind stark an Abschlüssen interessiert. Sehr hervorgetan im negativen Sinne haben sich hier die sogenannten Strukturvertriebe wie z.B. MLP, deren Hauptklientel die Akademiker sind und die in Scharen über den Campus laufen und den Studenten Versicherungen und Altersvorsorgen aufschwatzen. Dazu wird dann die monatliche BU-Rente runter dividiert auf 1.500 oder 2.000 Euro, damit die monatlichen Kosten für die Versicherung nicht gleich abschrecken und stattdessen dem Kunden noch irgendein Wischi-Waschi erzählt, dass er dann ja auch noch hier und dort was an Geldern dazu bekommt. Vergessen Sie das alles und gehen Sie mit klarem Kopf an diese Geschichte heran: Für ein würdevolles (!!) Leben, in dem Sie nicht jeden Euro dreimal umdrehen müssen, brauchen Sie derzeit als Arbeitnehmer ein Monatseinkommen von 3.500 Euro, wenn Sie in München oder anderen teuren Großstädten leben. Müssen Sie auch noch die Familie ernähren, kommen noch mal schnell ein bis zweitausend Euro hinzu. Einen 37-jährigen Nichtraucher mit akademischen Beruf kostet eine BU-Rente von 3.500 Euro locker zwischen 200 und 400 Euro monatlich, ein gleichaltriger Raucher mit einem Beruf mit körperlich normaler Anstrengung ist zwischen 400 und 1.000 Euro monatlich dabei. Dann muss auch noch berücksichtigt werden, dass 3.500 Euro heute in 20 Jahren viel weniger wert sind…Unter dem hier hinterlegten Link kann man sich schnell individuell ausrechnen lassen, wie hoch die Beiträge sind und welche Versicherungen gut bewertet sind.

Ich stehe der Berufsunfähigkeitsversicherung eher kritisch gegenüber. Wer in Berufen mit etwas höherer körperlicher Anstrengung arbeitet, verdient oftmals nicht genug, um auch noch eine derartige Versicherung zu bezahlen, die für diese Berufsgruppen zudem überdurchschnittlich teuer sind.

Für Akademiker sind diese Versicherungen günstiger, aber hier stellt sich mir die Frage, ob man sich nicht lieber das Geld spart und stattdessen einen Beruf ausübt, der einem vor allem viel Freude bereitet und das ersparte Geld nicht lieber in seine Gesundheit steckt durch gesunde ökologische Nahrungsmittel und eine bewusste und achtsame Lebensweise. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Menschen sich gern versichern, weil sie damit einen großen Teil der Verantwortung in andere Hände geben können und viel weniger achtsam mit sich und ihrer Umwelt umgehen. Darüber sollte man auch mal in Ruhe nachdenken!

Bildnachweis: © Silvano Rebai – Fotolia.com

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Avatar

    Guten Tag,

    vielen Dank für diesen Beitrag.

    In vielen Fällen wird eine Berufsunfähigkeitsversicherung deutlich unterschätzt. Es wird immer davon ausgegangen, dass die Police zu teuer ist. Doch das muss nicht immer sein. Laut https://www.bu-vergleichsberichte.de/zusatzversicherung/ ist es bei dieser Form der Absicherung von großer Bedeutung, wenn der Versicherungsnehmer so früh wie möglich einen Vertrag unterschreiben. Die Versicherer gehen davon aus, dass man als junger Mensch keine nennenswerten Krankheiten hat. Das wirkt sich auf die Police aus. Je älter der Interessent wird, desto höher auch das Risiko zu erkranken.

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    • Marion Schaake

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Es ist richtig, dass in jungen Jahren der Beitrag günstig ist. Die Beiträge erhöhen sich jedoch im Laufe der Zeit, zumal die Leistung mit den Berufsjahren erhöht werden muss. Hinzu kommt, dass viele Anträge schon von jungen Leuten von den Versicherungen abgelehnt werden aufgrund von psychotherapeutischen Behandlungen, die bereits im Jugendalter beginnen oder begonnen haben. So lehnt die Allianz genau aus diesem Grunde etwa 80 % der Anträge von Kindern aus Arztfamilien ab…

      Wenn man sich unbedingt gegen schwere Krankheiten absichern will, kann eine Dread Disease Versicherung die Alternative sei. Hier ist mehr Flexibilität drin, die Beiträge sind oftmals günstiger und die Laufzeiten kürzer. Hier können auch Ältere noch eine Versicherung abschließen (aber um die geht es ja nicht in unserem Blog).

      Herzliche Grüße
      Marion Schaake

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