Studienkosten: 11 Tipps zur Finanzierung

Auch wenn in Deutschland keine amerikanischen Sitten herrschen, wo schnell mal 100.000 US-Dollar für ein Studium berappt werden müssen, so kann auch hier ein Studium teuer werden. Daher haben wir Tipps, wie Sie sich Ihr Studium finanzieren können. Doch über welche Kosten sprechen wir hier eigentlich?  

Es gibt allgemeine Kosten und Studiengebühren.
Zu den allgemeinen Kosten zählen Versicherungen sowie die Lebenshaltungskosten wie Miete, Lebensmittel, Lernmittel und Fahrtkosten. Die Studiengebühren wurden mittlerweile in allen Bundesländern abgeschafft, dennoch gibt es die Semesterbeiträge, die jede Hochschule individuell festlegt sowie die Kosten für private Hochschulen und Universitäten, die Kosten für Akademien und für Abendschulen.

1. Allgemeine Kosten
Über Versicherungen haben wir bereits in einem anderen Artikel gesprochen; vieles lässt sich über die Eltern günstig regeln. Der dickste Brocken ist in diesem Bereich sicher die Wohnungsmiete. Wer ganz günstig wohnen will, zieht in ein Studentenwohnheim. Dort kostet ein Zimmer im Schnitt um die 240 Euro. Allerdings passen Studentenwohnheime nicht für jeden Typus Mensch und diesen Schritt sollte man sich gut überlegen. Etwas angenehmer und komfortabler sind Wohngemeinschaften, die mit 280 Euro im Durchschnitt etwas teurer sind. Wer eine eigene kleine Wohnung haben möchte, zahlt in Deutschland durchschnittlich (!) über 375 Euro. Je größer die Stadt, desto teurer die Mieten. So muss man in München nicht selten locker um die 500 Euro Miete für ein winziges Ein-Zimmer-Apartment zahlen.

Fahrtkosten sind auch nicht zu unterschätzen, denn irgendwie muss man ja zur Uni kommen. Wer nah dran wohnt und zu Fuß oder mit dem Radl zur Uni fahren kann, zahlt mehr Miete, alle anderen brauchen Transportmöglichkeiten. Das eigene Auto ist sicher die teuerste Variante, aber auch öffentliche Verkehrsmittel verschlingen schnell mal rund 80 Euro im Monat, sofern die Kosten hierfür nicht bereits als Semesterticket im Semesterbeitrag enthalten sind.

Lernmittel können heutzutage richtig ins Kontor schlagen. Üblicherweise haben die Hochschulen Bibliotheken, aber seit diese auf Sparkurs sind, müssen sich viele Studenten wichtige Bücher selbst kaufen. Wer hier sparen will, ist zum Kopieren verdammt, was erstens nur in einem begrenzten Rahmen erlaubt (Stichwort: Urheberrecht), zweitens auch teuer und drittens zeitintensiv ist. Zusätzlich benötigt man zwingend Computer und/oder Tablet-PC, die mittlerweile zur Standardausrüstung eines jeden Studenten gehören. Im Schnitt ist man mit monatlichen Kosten von etwa 40 Euro dabei, wobei die tatsächlichen Kosten sehr individuell sind und viel höher ausfallen können.

Und dann muss man sich noch ernähren, benötigt ab und an Kleidung und vielleicht auch mal ein Medikament. Und Freizeit, Kultur und Sport sind auch nicht zu vernachlässigen. Wen die genauen durchschnittlichen Kosten interessieren, der kann das in der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks nachlesen.

2. Studiengebühren
Auch wenn die allgemeinen Studiengebühren, die vor einiger Zeit eingeführt wurden, mittlerweile wieder überall abgeschafft worden sind, so gibt es doch seit jeher die Semesterbeiträge, die zwischen 28 Euro in Thüringen bis 250 Euro in Berlin und Brandenburg betragen und von den Hochschulen individuell festgelegt werden. Aber aufgepasst: Für Langzeitstudierende kann es richtig teuer werden, ebenso für ein Zweit- oder Aufbaustudium!

Je nach individueller Ausrichtung kommen also mal schnell zwischen 650 und 1.000 Euro monatlich an Kosten für einen Studierenden zusammen.

Wer jetzt das Pech hat, ein eher mittelmäßiges Abitur absolviert zu haben und/oder dass die Standard-Studiengänge nicht zu ihm passen, weil er zum Beispiel Marketing studieren möchte, dem bleiben nur die privaten Hochschulen, die monatliche Gebühren zwischen etwa 400 und 850 Euro verlangen, wobei die Mehrheit bei etwa 650 Euro liegt.

Wie lässt sich all das finanzieren?

Zunächst mal gibt es Jugendliche, die das Glück haben, aus einem Elternhaus zu stammen, das in der Lage ist, diese Kosten locker zu tragen, auch gewillt sind, das zu tun, weil das die richtige Investition in ihre Kinder ist und denen immer schon klar war, dass Kinder teuer sind. Die Faustformel: pro Kind ein Haus, die zu meiner Zeit galt, hat auch heute nicht an Gültigkeit verloren.

Dennoch gibt es immer wieder Kinder, die ein schlechtes Gewissen haben, dass sie soviel Geld kosten oder die sich Ihren Eltern „verpflichtet“ fühlen und einen erhöhten Leistungsdruck empfinden.

Mein Tipp 1:
Machen Sie sich klar, dass Ihre Eltern einmal alt werden und im schlimmsten Fall betreut werden müssen – wie und wo auch immer. Diese Fälle nehmen dramatisch zu und verschlingen einen Haufen Geld, die Sie dann wiederum aus Ihrem Einkommen stemmen müssen oder aus dem Vermögen der Eltern bestritten werden, das Ihnen dann nicht mehr zur Verfügung steht.

Mein Tipp 2:
Wenn dieser Gedanke Ihr schlechtes Gewissen immer noch nicht beruhigt, dann treffen Sie doch mit Ihren Eltern eine Darlehensvereinbarung und zahlen nach erfolgreichem Einstieg ins Berufsleben die Kosten zurück – aber bitte nach Abzug der Kosten, die Ihre Eltern ohnehin verpflichtet wären, für Sie aufzubringen.

Mein Tipp 3:
Sie können sich Ihr Studium von der KfW-Bank finanzieren lassen. Völlig unabhängig von Ihrem eigenen Einkommen oder vom Einkommen der Eltern fördert die KfW-Bank über den Studienkredit Studenten bis maximal 650 Euro im Monat. Das kostet Sie eine Dreiviertelstunde am PC und den Weg zu einer der Partnerbanken, meist sind das die Sparkassen vor Ort, die setzen nur noch ihre Unterschrift darunter und dann fließt das Geld. Einzige Bedingung: Sie benötigen eine Matrikel-Nummer, müssen also bereits an einer Hochschule eingeschrieben sein.

Alternativ kann man auch die Studiendarlehen einiger Banken und Sparkassen nutzen; allerdings muss man hier sehr auf die Bedingungen und Konditionen achten! Das ist einen eigenen Artikel wert!

Mein Tipp 4:
Sie suchen sich einen Nebenjob! Beliebt sind hier die Kassierertätigkeiten bei Tengelmann und Co, der Werkstudentenjob, oder Sie arbeiten im Gastronomiebereich, der überaus beliebt ist, weil durch die Zahlung der Trinkgelder der Verdienst deutlich höher ist als woanders.
Aber Achtung: es gibt Studiengänge und Hochschulen, die einen Studentenjob kaum zulassen, weil das Arbeits- und Lernpensum sehr hoch ist. So überstehen beispielsweise die Studenten der Munich Business School in der Regel nicht die ersten beiden Semester, wenn Sie noch irgendwo jobben! Das muss in den Überlegungen auch immer eine Rolle spielen.

Mein Tipp 5:
Stipendien! Wer ein Super-Abi im Einser-Bereich hat, tut sich sehr leicht, aber auch andere Studenten haben Chancen. Wir haben in Deutschland über 2.200 Stiftungen, die nur darauf warten Geld und/oder Kontakte weiterzugeben, und nur ein kleiner Bruchteil davon unterstützt „Hochbegabte“. So gibt es z.B. Parteinahe Stiftungen, konfessionelle oder wirtschaftsnahe Stiftungen und viele andere.
Auch dieses Thema ist so umfangreich, dass es einen eigenen Artikel wert ist.

Welche Möglichkeiten gibt es nun für Studienwillige, deren Eltern das Studium finanziell nicht unterstützen können?

Meine Tipps 3-5 kommen natürlich auch hier zum Zuge.

Tipp 6:
Zusätzlich gibt es für diese Fälle das BAföG, das eine staatliche Geldleistung ist, die zu zwei Dritteln vom Bund und zu einem Drittel von den Ländern finanziert wird. Seit 1990 zahlt der Staat kein Volldarlehen mehr, sondern gewährt eine Hälfte als Zuschuss und die andere als zinsloses Darlehen. Der Höchstsatz beträgt derzeit 670 Euro und wird 2016 um 7 Prozent erhöht auf 735 Euro.

Tipp 7:
Nach Vergünstigungen für Studenten Ausschau halten! Der Studentenausweis ist Gold wert und kann zu erheblichen Kosteneinsparungen beitragen im Copyshop, bei Friseuren, in Schwimmbädern, Kinos und, und, und. In den Unternehmen geht der Trend mehr und mehr dahin, den eigenen Mitarbeitern Vergünstigungen in verschiedenen Bereichen anzubieten. Das wird oftmals über spezielle Portale wie Benify geregelt, die sich um Kooperationspartner bemühen. So ist es dann möglich, zu günstigeren Tarifen Mitgliedschaften in Fitness-Studios abzuschließen oder günstige Produkte zu kaufen. Diese Möglichkeiten können dann die Mitarbeiter auch an ihre studierenden Kinder weiter geben.

Tipp 8:
Auch an eine Selbstständigkeit ist zu denken. Wenn man z.B. ein Computer-Freak ist, sich gern mit dieser Materie beschäftigt und Spaß daran hat, anderen Menschen bei ihren Problemchen zu helfen, kann man auch ohne großen Aufwand und ohne viel Geldeinsatz ein Gewerbe anmelden. Wer weiß, was sich daraus alles entwickeln kann?! Und es muss ja nicht nur der PC-Spezialist sein. Es gibt Hunderte Möglichkeiten, mit einer Selbständigkeit sein Studium zu finanzieren. Man muss nur mal darüber nachdenken, was einem Spaß macht und was man gut kann. Das kann der Startschuss für eine spätere Selbständigkeit sein, und wenn nicht, wird jeder Personaler Ihren Mut, Ihre Kreativität und Ihre Erfahrungen schätzen!

Tipp 9:
Sparen! Damit meine ich jetzt nicht, dass Sie jeden Monat 50 Euro für Ihre Altersvorsorge beiseite tun, obwohl das ganz sicher eine gute Idee ist, aber wenn das Geld vorne und hinten nicht reicht, geht es ums Überleben im Jetzt.
Die beiden Posten, bei denen Sie am meisten Geld sparen können, sind Lebensmittel und Miete. So können Sie beim großen Posten Miete unter Umständen ganz drum herum kommen, welche zu bezahlen. Es gibt nämlich immer mehr ältere Menschen, die relativ komfortabel in ihren Häusern leben, aber sich um Haus und Garten aus Altersgründen nicht mehr richtig kümmern können. Nicht jeder hat das Geld, dafür Fachkräfte zu bezahlen, aber viele haben durchaus ein Zimmer frei. Und so lassen sich auf einfache Art und Weise zwei Bedürfnisse gleichzeitig befriedigen.

Auch bei den Lebensmitteln gibt es Möglichkeiten. Erst einmal ist selber kochen immer günstiger und auch noch gesünder. Wenn Sie für sich allein nicht kochen wollen, dann kochen Sie doch nach Absprache für Ihre WG-Mitbewohner oder andere Kommilitonen mit und lassen sich deren Anteil bezahlen. So lebt es sich günstiger und gemeinsam essen ist auch noch lustiger als allein. Das Argument „Ich kann nicht kochen“ lasse ich nicht gelten. Wer lesen kann, kann auch kochen! Er ist allenfalls zu faul! Es gibt fantastische Kochbücher mit Gerichten für den schmalen Geldbeutel. Und wer meint, kein Händchen dafür zu haben, der lässt sich einen schönen Kochkurs schenken!

Wie kommen Sie nun günstig an Lebensmittel? Sprechen Sie mal mit den Supermärkten. Die müssen fast ein Drittel ihrer Lebensmittel wegschmeißen (hat sich die EU so ausgedacht…), obwohl dies Lebensmittel noch vollkommen in Ordnung sind. Es gibt an sich Vorschriften (natürlich auch von der EU), dass sie das nicht dürfen, aber viele halten sich Gott sei Dank nicht daran. Und wenn die großen Märkte Schwierigkeiten machen, sprechen Sie mal mit kleineren Bioläden. Die sind oft flexibler und denken auch ethisch moralisch und ökologisch korrekter.

Tipp 10:
Ein duales Studium ist auch noch eine Möglichkeit, aber ich bin kein Freund dieser Art von Studium. Wer dennoch bereit ist, all die Nachteile in Kauf zu nehmen, dem bleibt das natürlich unbenommen. Allerdings hat hier der Abiturient mit einem mittelmäßigen Abitur kaum eine Chance.

Tipp 11:
Erst eine Ausbildung, dann das Studium! Das ist eine großartige Möglichkeit für Menschen, die unmotivierte Dozenten und das Herumsitzen auf unbequemen Bestuhlungen ohnehin satt und Erfolgserlebnisse haben wollen. Die sind in einer Ausbildung hervorragend aufgehoben, zumal es immer mehr Betriebe gibt, die am liebsten Abiturienten einstellen und darüber klagen, kaum noch gute Leute zu bekommen. Nach der Ausbildung gibt es dann die Möglichkeit, gleich zu studieren (eventuell kann man im Betrieb weiter jobben) oder aber man studiert berufsbegleitend. Die Möglichkeiten sind hier vielfältig!

Sie sehen also: Wo eine Wille ist, ist auch ein Weg. Und wer nicht will, der findet Ausreden !

Bildnachweis: ©PathDog – Shutterstock.com

 

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Avatar

    Eine sehr schöne Übersicht dazu, wie man sich sein Studium finanzieren kann und vielleicht auch sollte, denn nicht jeder hat die Möglichkeit auf seine Eltern zurückzugreifen, die vielleicht das nötige Geld haben.

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