Meditation

MeditationUnsere Gesellschaft, vor allem auch die jungen Leute, werden immer bewusster und offener, es hat sich schon herum gesprochen, dass Yoga eine sinnvolle Maßnahme sein könnte, aber bei dem Thema Meditation wird man dann doch immer wieder ungläubig angeschaut. Zeit, mit alten Vorstellungen und Klischees gründlich aufzuräumen.

Immer noch halten viele Menschen die Meditation für eine religiöse Praxis von Menschen aus dem Himalaya oder von Esoterikern. Schnell werden Meditierende in Schubladen gesteckt und als weltfremd abgestempelt. Begrifflichkeiten wie Achtsamkeit, Bewusstheit, Empathie oder auch Gebete, wie sie die buddhistischen Mönche oder der Dalai Lama mit einfließen lassen, scheinen für die meisten Menschen in der westlichen Welt bedauerlicherweise viel zu abstrakt und uninteressant, als dass man auch nur einen Gedanken an Meditation verschwenden würde.

In Wirklichkeit ist die Meditation jedoch eine psychische Technik, die hervorragend geeignet ist, Geist sowie seelische und körperliche Gesundheit zu stärken.

Das Gehirn ist in der Lage, sich zu verändern, ähnlich wie wenn man eine neue Sportart erlernt und dann bestimmte Muskelgruppen angesprochen werden. Gerade zu den medizinischen Effekten gab es in der Vergangenheit zwar viele Studien, aber diese waren gekennzeichnet durch zu wenige Teilnehmerzahlen und durch methodische Mängel. Entsprechend umstritten waren die Ergebnisse. Eine Analyse im Auftrag des US-Gesundheitsministeriums kam sogar 2007 noch zu dem Schluss, dass die vorhandenen Daten keine sicheren Schlussfolgerungen über die Effekte von Meditation erlauben. Welch ein Irrtum!

Eine der bekanntesten Forscherinnen in Deutschland auf diesem Feld ist Tania Singer, die ein Forschungsprojekt im Max-Planck-Institut für kognitive Neurowissenschaften leitet. Durch sie, aber auch durch andere anerkannte Forscher wie Richard Davidson von der University of Wisconsin, Sara Lazar vom Massachusetts General Hospital in Boston oder Professor Sedlmeier von der TU Chemnitz ist mittlerweile eindeutig bewiesen, dass Meditation z. B. den Mandelkern schrumpfen lässt, eine Struktur im Gehirn, die für die Angststeuerung verantwortlich ist, und die graue Hirnsubstanz verstärkt, die z.B. für Mitgefühl zuständig ist. Und Meditation kann noch viel mehr! Aber Meditation ist nicht gleich Meditation.

Die transzendentale Meditation, die von einem indischen Yogi entwickelt und durch die Beatles berühmt wurde, ist in ihrer Wirkungsweise auf das Gehirn nach heutigem Wissenstand zumindest nicht unumstritten, was die Effekte auf das Gehirn angeht. Es gibt noch eine Konzentrationsmeditation, eine Mitgefühlsmeditation und eine Achtsamkeitsmeditation, die heute am besten wissenschaftlich erforscht ist. Ein großes Problem der Meditationsforschung ist, dass die Wissenschaftler nicht überprüfen können, was in den Köpfen der meditierenden Studienteilnehmern vor sich geht. Sie wissen also nicht, ob diese meditieren, tagträumen oder schlafen. Um die Wirksamkeit einer Therapie nachzuweisen, werden die Teilnehmer üblicherweise zwei Gruppen zugelost, eine davon ist die Kontrollgruppe, aber niemand weiß, in welcher Gruppe er ist und was das Ergebnis sein soll. So gelangt man in der Regel zu validierbaren Ergebnissen und belastbaren Aussagen. Beim Meditieren weiß der Proband aber, dass er meditiert! Tania Singer hat sich daher gegen eine Kontrollgruppe entschieden. Stattdessen meditieren beide Gruppen, und während die eine Gruppe drei Monate Achtsamkeitsmeditation praktiziert, lernt die andere, ihr „Herz zu öffnen und Mitgefühl zu entwickeln“. Beide Gruppen erfahren also den gleichen Einfluss, nur der Fokus ist ein anderer. Und die Unterschiede treten deutlich zu Tage. Die Frage ist also nicht mehr, ob die Meditation einen Effekt hat, sondern welche Meditation welchen Effekt hat, wie groß dieser ist und wie lange es dauert, bis sich der einstellt.

Doch im Gegensatz zu der spirituellen Erleuchtungserfahrung, nach der die Buddhisten durch die Meditation streben, geht es in unserer Gesellschaft einfach nur um eine bessere Welt. Unser Leben wird immer lauter, hektischer, es gibt immer mehr Menschen, die uns Energie rauben, die Welt wird komplexer, schneller und es wird immer mehr von uns verlangt. Sehr schnell bleiben da wir selbst, aber auch Geduld, Freundlichkeit, Respekt und Aufmerksamkeit anderen gegenüber auf der Strecke. Daher ist es wichtig, nicht nur ein Musikinstrument zu üben, Sport und Mathematik zu trainieren oder sich Fremdsprachen einzubimsen, sondern es wird immer wichtiger, menschliche Fähigkeiten zu trainieren. Das ist dringend notwendig. Achtsamkeit ist dabei ein Begriff, der immer wieder fällt, mit dem viele nicht wirklich etwas anfangen können.

Bei der Achtsamkeit geht es darum, kontinuierlich unterschiedliche Körperempfindungen, Gedanken oder Gefühle wahrzunehmen, und zwar ohne sie zu bewerten.

Mitunter wird Meditation auch eingebettet in weitere Übungen. Das bekannteste Beispiel hierfür ist MBSR, Mindfulness Based Stress Reduction, zu der es sehr viele Studien gibt. Hierbei werden Meditation im Sitzen und Gehen, kurze Achtsamkeitsübungen, Körperwahrnehmung und Yoga miteinander verbunden. Die Effekte waren eindeutig: Stresssymptome lassen nach, ebenso Ängste, Depressionen, Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden, Migräne und chronische Schmerzen. In einer Metaanalyse von Prof. Sedlmeier fand dieser heraus, dass Meditation deutlich stärker wirkt als Progressive Muskelentspannung (nach Jacobsen), Autogenes Training oder Denktrainings. Zusätzlich hat Meditation deutlich positive Auswirkungen auf Wahrnehmungsfähigkeit, Gedächtnisleistungen und Konzentration, Verbesserung der Aufmerksamkeit, und sie macht Lernen leichter und effektiver. Derzeit beschäftigen sich Forschungsgruppen mit der Frage, ob Meditation die Demenz verhindert. Es gibt Anzeichen dafür; Fakt ist auf jeden Fall, dass Meditation den Abbau kognitiver Fähigkeiten deutlich verlangsamt.

Die Forschung in diesem Bereich schreitet rasant voran, und mittlerweile weiß man sogar, dass es nicht die Gene allein sind, die alles steuern, sondern die Software, also Meditation und Konzentration, dafür verantwortlich ist, dass Gene aktiviert werden und Substanzen im Körper erzeugt werden, die hilfreich sind. Sollten Ihnen die Lehrer im Biounterricht also noch etwas anderes erzählen, dürfen Sie diese getrost darauf aufmerksam machen, dass sie in ihrem Wissensstand nicht mehr up to date sind…

Es hat also jeder selber in der Hand, ob er gestresst oder entspannt durchs Leben geht.

Seit dem Jahre 2002 ist die Forschungstätigkeit in diesem Gebiet sprunghaft angestiegen, vor allem im Bereich MBSR. Dieses Verfahren wird in den USA bei verschiedenen Krankheiten verstärkt eingesetzt, und mittlerweile lassen sich eindeutige Anwendungsbereiche auflisten: Stress, verschiedene Schmerzsyndrome, Diabetes, Herzkrankheiten, Immunschwäche, Fettleibigkeit, Organtransplantationen, Arthritis, Tinnitus, bei Suchtproblemen und Depressionen sowie bei der Rehabilitation nach Hirnverletzungen.

Wen ich nun neugierig machen konnte, und wer Meditation mal ausprobieren möchte, dem empfehle ich als Einstieg das Buch „Meditation für Skeptiker“ von Ulrich Ott, einem Psychologen und Neurowissenschaftler, der nicht nur selber seit langer Zeit meditiert, sondern in diesem Bereich an der Uni Gießen auch ausgiebig forscht. Er löst Mediation aus einem jedweden religiösen Rahmen heraus und beschreibt detailliert, welche Möglichkeiten der Meditation es gibt, worauf man achten sollte und gibt individuelle Tipps. Das Buch ist zusätzlich untermauert mit fundierten Forschungsergebnissen bezüglich der Gehirnveränderungen durch Meditation. Vielen meiner Kunden rate ich zu Meditation.

Eine interessante Beobachtung ist, dass insbesondere diejenigen, die Meditation am nötigsten hätten, Meditation am meisten ablehnen.

Wer es unbedingt braucht sind alle Studenten in lernintensiven und anspruchsvollen Fächern. Schlaflose Nächte, Überarbeitung, Angst und Stress gehören damit der Vergangenheit an. Ich selbst meditiere seit etwa 16 Jahren. Nicht regelmäßig, aber doch mehrfach die Woche und ich bin mittlerweile in der Lage, ohne Aufwand oder Zeitverlust mich überall, wo ich gerade bin, in einen meditativen Zustand zu begeben, ohne dass es anderen auffällt. Man muss sich dafür nicht in den Schneidersitz begeben und OM summen…

 

Bildnachweis: © Stefano Cavoretto – shutterstock.com

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