Stipendiensuche – die Nadel im Heuhaufen

2,7 Millionen Studierende sind im Jahr 2015 an den deutschen Hochschulen eingeschrieben und die meisten von ihnen machen sich Gedanken darüber, wie sie ihr Studium finanzieren sollen. Interessanterweise kommen viele nicht auf die naheliegende Idee, sich für ein Stipendium zu bewerben. Warum ist das so?

Stipendien sind nur für Hochbegabte! Es gibt nur wenige Stiftungen! Es dauert lange, sich für ein Stipendium zu bewerben! Viele bewerben sich, daher sind die Chancen schlecht! So, oder so ähnlich klingen die Aussagen der Schüler und deren Eltern, wenn wir auf die Möglichkeit von Stipendien aufmerksam machen. Tatsächlich sind alle Aussagen gar nicht richtig. Zeit, mit alten Glaubenssätzen aufzuräumen.

Fakt ist: Es gibt nur wenige Stipendien für Hochbegabte, die meisten richten sich an ganz andere Personenkreise, denn wir haben in Deutschland über 2.100 Förderprogramme.

Allerdings werden die meisten nicht genutzt, weil potenzielle Kandidaten von den Spezialangeboten gar nichts wissen oder weil sie dort anfragen, wo sie die geringsten Chancen haben. Die wenig bekannten Stiftungen haben eines gemeinsam: es gibt kein professionelles Marketing und nur einen kleinen Kreis von Studierenden mit passendem Profil. Bei vielen kleinen Stiftungen hat der Geldgeber ein bestimmtes Ziel, was er fördern möchte, z.B. Angehörige einer Minderheit oder einen bestimmten Lebensweg.

Die Chance auf eine Förderung beträgt statistisch betrachtet 41 Prozent (Institut für Demoskopie – Allensbach) und könnte viel höher ausfallen, wenn sich nicht die meisten Bewerber auf die 12 großen Stiftungen stürzen würden! Mehr als 90 Prozent der Bewerber bewerben sich bei einem Prozent der Möglichkeiten… Dabei ist ein Stipendium immer auch ein Geschenk – im Gegensatz zum BAföG muss es nämlich nicht zurückgezahlt werden.

Allerdings muss man sich im Klaren darüber sein, dass viele Stiftungen nicht ohne einen Hintergedanken Gelder vergeben. Es sollten vor einer Bewerbung hinreichend Überlegungen getätigt werden, mit welchen Inhalten und Werten man selbst konform geht, da von Seiten der Geldgeber erwartet wird, dass sich die Bewerber auch damit identifizieren. Das gilt vor allem für die konfessionellen Stiftungen und in einem ganz besonderen Maße für die parteinahen Stiftungen.

Insbesondere bei den CDU-/CSU-nahen Stiftungen sollten die Bewerber schon vorher „stramm“ auf Linie sein – zum einen, um überhaupt Chancen zu haben, zum anderen aber auch, weil man sich klar machen muss, dass hier Menschen unterstützt werden, von denen man später auch erwartet, dass sie vorbehaltlos die Interessen der jeweiligen Partei vertreten – im Übrigen auch in der journalistischen Tätigkeit!

Die Stiftungen habe ich untergliedert in Hochbegabtenförderung, parteinahe Stiftungen, wirtschaftsnahe Stiftungen, konfessionelle Stiftungen und Sonstige. Insbesondere die kleinen Stiftungen unter Sonstiges verdienen einen Blick, weil hier die Chancen sehr groß sind, ein Stipendium zu erhalten.

So gibt es unter den Stiftungen zahlreiche für Menschen mit Migrationshintergrund, für ausländische Studierende, für Bedürftige und Arbeiterkinder, Stipendien für den 2. Bildungsweg, für Weiterbildungen, Stipendien nach Regionen und Bundesländern oder für besondere Personen-Gruppen wie Eisenbahnerkinder, die Weimarer Stipendien, Reisestipendien für Indologen, für Mannheimer Waisen, für Künstler, für Querdenker, studierende Mütter u.v.m.

Das Angebot ist nicht nur vielseitig, sondern auch unüberschaubar, weswegen sich auch nur wenige Menschen mit diesem Thema beschäftigen und auskennen, da man sehr viel Zeit und Mühe aufwenden muss, um überhaupt einen Durchblick zu bekommen. Immerhin gibt es einige Datenbanken, die ganz brauchbar sind.

Meine persönliche Meinung zu den Stipendien ist: Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und herauszuarbeiten, ob man für Stiftungen in Frage kommt. Das gilt ganz besonders für den Personenkreis, der sich ehrenamtlich engagiert – wobei auch immer.

Interessant sind die Stiftungen vor allem für potenzielle BAföG-Empfänger, da die Stipendien nicht zurückgezahlt werden müssen, das BAföG aber schon!

Und auch wer aus einem wohlhabenden Elternhaus stammt, hat erhebliche Vorteile, nicht nur durch die zusätzliche finanzielle Förderung. Stipendiat zu sein ist immer noch etwas Besonderes, es öffnet Türen und ermöglicht vor allem Kontakte, die man sonst nicht bekommen würde.

Den Lesern unseres Blogs stellen wir gern unsere Recherche-Ergebnisse mit allen wesentlichen Stiftungen, deren Leistungen und Bedingungen sowie eine Liste der Datenbanken zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich hierzu telefonisch an unser Sekretariat unter der Rufnummer 089 – 458 353 40 und hinterlassen Sie Ihren Namen, die Anschrift, Telefonnummer für eventuelle Rückfragen sowie Ihre Mail-Adresse. Dann senden wir Ihnen ein ausführliches PDF im Umfang von etwa 24 Seiten zu.

Bildnachweis: © Robert Kneschke – Fotolia

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