Ausbildung zum Bestatter

Auf der Liste der allgemein beliebtesten Ausbildungsberufe steht der Bestatter sicher nicht ganz oben. Und weil wir das Thema Tod gerne verdrängen, haben auch die wenigsten Schulabgänger die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft auf dem Zettel. Daher heute mein Plädoyer für diesen ungewöhnlichen Beruf, der auch hier im Blog bei den 25 interessantesten Ausbildungsberufen zu finden ist.

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wurde ein Großteil der bei einem Todesfall anfallenden Aufgaben – beispielsweise Waschen und Einsargen, Transport des Sarges zum Grab – von Familienmitgliedern der Verstorbenen selbstständig übernommen. Nachdem jedoch im Rahmen gesundheitspolitischer Maßnahmen strengere hygienische und zivilrechtliche Vorschriften erlassen worden waren, konnten Privatpersonen die jeweiligen Regelungen nicht mehr einhalten. Damit begann die Zeit der gewerbsmäßigen Bestattungsinstitute.

Als Vorläufer des Berufsstandes werden oft Schreiner und Fuhrleute genannt: Die Sargtischler einerseits, die zunächst die Särge in Einzelfertigung und von Hand herstellten, und die Fuhrunternehmer andererseits, die den Transport der Verstorbenen zum Friedhof übernahmen. Diese entwickelten sich zunächst zu so genannten Nebenerwerbsbestattern, die außer dem Transport der Verstorbenen auch die amtlichen Formalitäten und die Organisation der Bestattung einschließlich der Trauerfeier übernahmen. Ab etwa 1870 entstanden – zunächst in den Städten – die ersten eigenständigen, privaten Bestattungsunternehmen.

Den anerkannten Ausbildungsberuf Bestattungsfachkraft gibt es seit August 2003.

Der Bundesverband des Deutschen Bestattungsgewerbes hatte für eine bundesweit einheitliche Ausbildung geworben, die schließlich in Form einer auf fünf Jahre befristeten Erprobungsverordnung erlassen wurde. Zum 01.08.2007 wurde dieser anerkannte Ausbildungsberuf in der Verordnung über die Berufsausbildung zur Bestattungsfachkraft ohne tief greifende inhaltliche Änderungen unbefristet in Kraft gesetzt.

Im Mittelpunkt des Berufsbildes steht dabei das kundenorientierte Dienstleistungsangebot.

Die berufliche Weiterbildung zum Bestatter, die in der Regel nach mehrjähriger Berufstätigkeit im Bestattungsgewerbe oder einer abgeschlossenen Berufsausbildung als Bürokaufmann oder Tischler und entsprechender einschlägiger Berufspraxis aufgenommen werden kann, bleibt weiterhin bestehen.
Worum geht es konkret? Bestattungsfachkräfte organisieren Beisetzungen, Bestattungen und Trauerfeiern. Sie kümmern sich um alle anfallenden Formalitäten, beraten und betreuen Angehörige und sorgen für einen würdevollen Abschied von Verstorbenen.

Kunden, die Einzelheiten für ihre eigene Bestattung zu Lebzeiten planen möchten, stehen sie als vertrauenswürdige Ansprechpartner zur Verfügung und schließen mit ihnen im Büro ggf. sogenannte Bestattungsvorsorgeverträge ab. Solche Verträge regeln vorab alle Details für eine Bestattung. Dazu gehört auch ein detaillierter Kostenvoranschlag. In ihm sind neben den Leistungen des Bestattungsunternehmens z.B. auch Grab- bzw. Friedhofsgebühren oder die Kosten für Grabmal und -pflege enthalten. Auch über die treuhänderische Anlage von Vorsorgegeldern oder Sterbegeldversicherungen informieren sie die Kunden.

Des Weiteren sind auch Rechnungen für Krankenkassen oder Versicherungen zu erstellen, Inventuren durchzuführen und alle Geschäftsvorgänge korrekt am Bildschirm zu erledigen. Nicht zuletzt erarbeiten Bestattungsfachkräfte Marketingstrategien für das Unternehmen. Dazu gehört auch, Umfang und Qualität aller rund um eine Bestattung anfallenden Leistungen garantieren zu können.

Bestattungsfachkräfte sind stets erreichbar und betreuen im Trauerfall die Hinterbliebenen. Ist der Tod in der Wohnung eingetreten, benachrichtigen sie zunächst einen Arzt, der den Tod feststellt und bescheinigt. Sie organisieren die Überführung des Verstorbenen und besprechen mit den Angehörigen die Einzelheiten der Bestattung. So klären Bestatter die weitere Behandlung des Verstorbenen, die Art der Bestattung, die Ausstattung von Sarg oder Urne und Einzelheiten der Trauerfeier.

Bestattungsfachkräfte nehmen sich der Hinterbliebenen stets einfühlsam an. Sie verfügen über einschlägige psychologische Kenntnisse und können angemessene Trauergespräche führen.

Nachdem mit den Hinterbliebenen alle Details besprochen wurden, organisieren Bestattungsfachkräfte die Bestattung und die Trauerfeier. Sie sorgen für die Überführung von Verstorbenen in die Aufbahrungshalle und nehmen den Hinterbliebenen alle Formalitäten bzw. Behördengänge ab. Der Sterbefall wird z.B. dem Standes-, Friedhofs- und Gesundheitsamt sowie ggf. der Kirche oder Glaubensgemeinschaft des Verstorbenen gemeldet. Auch Versicherungsleistungen sind ggf. einzufordern. Zudem beantragen Bestattungsfachkräfte den Erbschein und lassen das Testament eröffnen. Mitunter kündigen sie die Wohnung des Verstorbenen und bestellen z.B. Gas und Wasser sowie Telefon und Zeitung ab.

Für eine Erdbestattung richten sie den Sarg her, den sie auch selbst gestalten, wenn sie über Fertigkeiten im Bereich der Holz- bzw. Metallbearbeitung verfügen. Ggf. beauftragen sie damit Künstler. Sie helfen bei der Festlegung des Grabes und organisieren Sargträger. Ist eine Feuerbestattung geplant, führen sie die Urnenbeisetzung durch. Das Angebot erstreckt sich nicht mehr nur auf klassische Friedhöfe, sondern Urnenbeisetzungen finden auf Wunsch z.B. auch in Ruhewäldern am Fuß von Bäumen statt.

Außerdem konzipieren Bestattungsfachkräfte Todesanzeigen, Trauerbriefe, Nachrufe, Sterbebilder und Danksagungen. Für die Trauerfeier schlagen sie einen Grabredner vor oder verfassen und halten die Trauerrede auch selbst, wenn die Bestattung z.B. ohne Geistliche stattfindet. Zudem beraten sie die Hinterbliebenen bei der Auswahl der Musik. Sarggebinde, Kränze oder Handsträuße bestellen sie gemäß den Wünschen der Kunden, dekorieren den Raum für die Trauerfeierlichkeiten und platzieren Kondolenzbücher.

Die Verstorbenen werden im Bestattungsinstitut gewaschen, ggf. geschminkt und nach der hygienischen Versorgung eingekleidet. Mitunter wünschen sich die Angehörigen auch eine offene Aufbahrung. Dann – ebenso wie bei der Überführung in andere Länder – veranlassen die Bestattungsfachkräfte auch die weitergehende thanatopraktische Versorgung, die konservierende Maßnahmen wie z.B. das Einbalsamieren der Verstorbenen umfasst. Auch nach der Bestattung einer verstorbenen Person enden die Aufgaben von Bestattungsfachkräften noch nicht unbedingt.

Das Berufsbild wandelt sich und Bestattungsfachkräfte verstehen sich heute zunehmend auch als Seelsorger.

So empfehlen sie z.B. den Hinterbliebenen auf Trauerarbeit spezialisierte Psychologen oder einschlägige Selbsthilfegruppen. Zudem setzen sie auf eigene Ideen zur individuellen Trauerbewältigung, die sie den Kunden als Service anbieten. Es besteht z.B. für Trauernde die Möglichkeit, überraschend Verstorbenen nachträglich Abschiedsbriefe zu schreiben, die dann im Bestattungsinstitut in feierlichem Rahmen gesegnet und anschließend eingeäschert werden. Hinterbliebenen wird so zusätzliche Hilfe bei der Verarbeitung eines Todesfalls geboten.

Wer eine duale Ausbildung zur Bestattungsfachkraft absolviert, lernt überwiegend im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Ausbildungsbetriebe sind Bestattungsunternehmen und Friedhofsverwaltungen (meist öffentlicher Dienst). Für diese sind die Auszubildenden in Büro- und Empfangsräumen, Werkräumen, Krematorien und auf Friedhöfen tätig. Unter Anleitung ihres Ausbilders und erfahrener Kollegen müssen sie von Anfang an kräftig mitarbeiten: Sie beraten und betreuen Hinterbliebene, regeln behördliche Formalitäten und erstellen Rechnungen. Bei Arbeiten am Grab müssen sich die Auszubildenden an Regen, Kälte oder sommerliche Hitze gewöhnen. Das Versorgen Verstorbener und die Begegnung mit den Hinterbliebenen verlangen von ihnen ein hohes Maß an psychischer Stabilität.

Die Auszubildenden erhalten von den ausbildenden Betrieben eine monatliche Ausbildungsvergütung, deren Höhe sich in der Regel nach Empfehlungen von Verbänden oder Innungen richtet. Bei der Ausbildung zur Bestattungsfachkraft gilt aktuell folgende Vergütung:
1. Ausbildungsjahr: 400 Euro
2. Ausbildungsjahr: 450 Euro
3. Ausbildungsjahr: 500 Euro
Die Auszubildenden im öffentlichen Dienst können monatlich z.B. folgende Ausbildungsvergütungen erhalten:
1. Ausbildungsjahr: 793Euro
2. Ausbildungsjahr: 843 Euro
3. Ausbildungsjahr: 889 Euro

Das Einkommen nach Abschluss der Ausbildung richtet sich bei Beschäftigten von Bund und Kommunen nach der Eingruppierung in die Entgeltgruppen und Stufen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD). Viele Einrichtungen und Arbeitgeber lehnen ihre Vergütungen an die Vereinbarungen im öffentlichen Dienst an. So haben diese Tarifverträge auch in der privaten Wirtschaft einen maßgeblichen Einfluss auf den Verdienst. Einkommen werden aber auch unabhängig von Tarifverträgen vereinbart.

Die Zuordnung zu den tariflichen Vergütungsgruppen hängt beispielsweise davon ab, welche Ausbildung vorliegt, ob Weiterbildungen absolviert wurden, wie komplex die Aufgaben sind, wie groß die Verantwortung ist und welche beruflichen Erfahrungen vorliegen. Auch regionale und branchenspezifische Faktoren spielen eine Rolle bei der Einkommenshöhe. Die hier genannten beispielhaften Grundvergütungen sollen der Orientierung dienen und einen Eindruck von der Bandbreite der Einkommen vermitteln. Bei einer Eingruppierung in die Entgeltgruppe 5, Stufe 3 bis Stufe 6, erhalten Beschäftigte bei den Kommunen ein Monatsbruttoentgelt in höhe von 2.330 bis 2.580 Euro. Die Gehälter in der privaten Wirtschaft gestalten sich ähnlich.

Bestattungsfachkräfte können sich im Laufe ihrer Tätigkeit auf Einsatzgebiete wie Marketing oder Kundenberatung spezialisieren.

Naheliegend ist es zudem, die Prüfung zum Geprüften Bestatter (eigenständige, 11monatige Teilzeitfortbildung, die einen höheren Abschluss als die Bestattungsfachkraft darstellt. Die Voraussetzung beträgt 5 Jahre Berufspraxis) abzulegen. Eine weitere Möglichkeit ist die Weiterbildung zum Bestattermeister. Sie wird durch bundeseinheitliche Verordnungen des Bundesministeriums für Wirtschaft verbindlich geregelt. Sie ergänzt die Verordnung zum Ausbildungsberuf Bestattungsfachkraft und bietet für alle Absolventen der dreijährigen Ausbildung eine weitere Qualifikationsperspektive auf Meisterebene.
Auf Leitungs- und Spezialfunktionen, z.B. auf der mittleren Führungsebene, bereiten auch andere Weiterbildungen vor, wie beispielsweise der Bestattungsfachwirt. Der Bestattungsfachwirt ist eine durch Industrie- und Handelskammern geregelte berufliche Weiterbildung nach dem Berufsbildungsgesetz.
Bestattungsfachkräfte mit Hochschulzugangsberechtigung können studieren und beispielsweise einen Bachelorabschluss im Studienfach Dienstleistungs- und Servicemanagement erwerben. Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung ein Studium möglich. Wer sich selbstständig machen möchte, kann z.B. ein eigenes Bestattungsunternehmen gründen.

Fazit: Die Versorgung des Verstorbenen, Terminierung von Trauerfeierlichkeiten, die Beratung bei der Musikauswahl und das Schreiben von Reden, psychologische Betreuung der Hinterbliebenen und Hilfe bei organisatorischen und rechtlichen Angelegenheiten – es ist wohl kein Ausbildungsberuf und kein späteres Berufsleben ist so vielseitig, abwechslungsreich, kreativ und erfüllend, wie bei Bestattern – sofern man keine Berührungsängste mit dem Tod hat.

Quellen:
Bundesagentur für Arbeit
Bundesverband Deutscher Bestatter
Wikipedia

Bildnachweis: © Kzenon – fotolia.com

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