Problemfach Mathe

Mathe_shutterstock_110888627_alexander RathsNur ein kleiner Prozentsatz meiner Kunden hat oder hatte mit Mathe in der Schule keine Probleme, rund 80 Prozent meiner Kunden tun sich jedoch damit mehr oder weniger schwer. Und etwa 10 Prozent unter ihnen habe eine regelrechte Mathe-Blockade. Hier geht fast gar nichts mehr. Diese Zahlen spiegeln vermutlich nicht nur meine Klientel wieder – Mathe scheint das Problemfach schlechthin zu sein. Wie kommt das?

Wenn ich an meine eigene Mathe-Karriere zurück denke, dann weiß ich noch, dass ich in der Grundschule Mathe sehr gern mochte und sicher zu den Besten gehörte. Das änderte sich auf dem Gymnasium erst in der Mittelstufe. Hier bekam ich ein Mathelehrer-Ehepaar, die beide didaktische Nieten waren und mir durch ihre Art des Unterrichts völlig die Freude nahmen. Schnell hatte ich den Anschluss verpasst, dann sackte ich ab. Interessant war, dass man mir in meinem Umfeld weitgehend Verständnis entgegenbrachte (Lösungen hatte allerdings keiner zur Hand) und ich in der Beliebtheit meiner Freundinnen stieg. Ein Phänomen, das heutige Studien übrigens bestätigen.

Wenn man auf einer Party mit seinen schlechten Leistungen in Mathe kokettiert, zeigen viele Verständnis und schmunzeln.

In einer digitalisierten Welt, in der Wirtschaftswachstum und Mathekompetenz eng verknüpft sind, ist das jedoch überhaupt nicht witzig, noch dazu in einem Land, dessen wirtschaftlicher Erfolg wesentlich von der Industrie abhängt. Das Münchner ifo-Institut hat vor einiger Zeit noch einmal bestätigt: Wo gut gerechnet wird, brummt auch die Wirtschaft. Eigentlich müsste es daher an deutschen Schulen von Mathe-Künstlern nur so wimmeln. Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass wir nach allen PISA-Studien in Mathe nur Durchschnitt sind -auch wenn wir langsam aufgeholt haben – aber immer noch weit hinter der Schweiz, Finnland und den asiatischen Ländern zurück liegen.

Die asiatischen Lehr- und Lernmethoden nach Deutschland zu importieren, ist sicher nicht wünschenswert, aber welche Lösungsansätze haben wir in unserer Gesellschaft, in den Schulen und in den Familien?

Einer meiner ältesten Freunde war auf unserem Gymnasium das Mathe- und Physikgenie schlechthin. Wenn er 14 Punkte auf dem Zeugnis hatte, war er schon beleidigt. Um sich sein kärgliches Taschengeld aufzubessern, gab er Mathenachhilfe. Sein Erfolg war nicht nur ein dickeres Portemonnaie, sondern auch der Sprung seiner „Schüler“ auf zwei Noten besser. Von 5 auf 3 und von 4 auf 2 waren bei ihm der Standard. Und er kommentierte seine Erfolge mit den Worten: „Es gibt keine schlechten Mathe-Schüler; es gibt nur schlechte Mathe-Lehrer.“ Die mangelnden Kenntnisse und die schlechte Ausbildung und Didaktik unserer Mathelehrer sind meines Erachtens einer der Hauptgründe.

Viele Grundschullehrer interessieren sich eher für kreative Fächer, Sachunterricht oder Deutsch, müssen jedoch Mathe mitunterrichten. Das Studium lässt hingegen nicht einmal annähernd ausreichend Zeit, den zukünftigen Grundschullehrern eine kindgerechte Didaktik zu vermitteln. Die Standards in der Ausbildung sind bei weitem nicht ausreichend, auch wenn von den Verantwortlichen gern das Gegenteil behauptet wird. An den Hauptschulen sieht es nicht viel besser aus. Während hier Lehrer gleich fünf bis sechs Fächer unterrichten, sind es in Südkorea und Singapur beispielsweise nur ein Fach. Damit kann eine viel größere Kompetenz in Mathematik-Unterricht aufgebaut werden als es in Deutschland der Fall ist. An den Gymnasien wurde nach der Einführung des G8 der Matheunterricht auch noch gekürzt, und durch die langen Unterrichtszeiten bleibt den Schülern nicht mehr ausreichend Zeit zum Lernen. Da ist dann Mut zur Lücke angesagt…

Hinzu kommt, dass es in Mathe nur eine einzige richtige Lösung gibt. Man kann hier nicht schlau argumentieren wie in anderen Fächern oder durch mündliche Mitarbeit Noten retten. Es gibt nur richtig oder falsch. Und als ob das für viele Schüler nicht schon schwer genug ist, reicht den Lehrern nicht einmal die richtige Lösung. Sie wollen auch den richten LösungsWEG.

So, wie Mathe hierzulande gelehrt wird, wird die Kreativität der Schüler einfach ausgebremst.

Damit sind wir auch schon beim nächsten Problem. Durch den mangelnden Einsatz an Kreativität verkümmert das Fach zum reinen Auswendiglernen, was dazu führt, dass für Klausuren gebüffelt wird, dass man glaubt, den Stoff zu können, aber dann bei Prüfungsaufgaben versagt und das Auswendiggelernte nicht auf neue Aufgaben abstrahieren kann. Dabei geht es in der Mathematik nicht ums Auswendiglernen, sondern um ein tiefes Verständnis mathematischer Probleme, um das Verstehen von Auffälligkeiten und Zusammenhängen.

Dass sich in Deutschland etwas ganz grundlegend wird ändern müssen, liegt auf der Hand, aber wir alle können nicht warten, dass die Politiker und das Kultusministerium, die für einen Großteil der Probleme verantwortlich sind, diese schnell wieder beseitigen. Jeder Einzelne wird die Verantwortung für sich selbst tragen müssen, in dem er auf konstruktive Art und Weise versucht, die Probleme im Kleinen zu lösen.

Was also können Sie ganz praktisch für Ihr Kind oder auch für sich  selbst tun?

Zunächst mal geht es darum, festzustellen, ob eine Dyskalkulie vorliegt. Die Dyskalkulie ist eine Teilleistungsstörung, in der das mathematische Denken nicht altersgemäß entwickelt ist und betrifft etwa 5 Prozent der Kinder. Ihnen mangelt es an einer intuitiven Vorstellung von der Bedeutung von Zahlen und Mengen, so dass bereits die Grundrechenarten schwer fallen. Eltern können das recht schnell feststellen, da ihren Kindern meist das Rechnen mit Zahlen über 20 Probleme bereitet. Bis dahin lernen die Kinder die Ergebnisse meist auswendig. Was hier hilft, ist erklären und üben. Bei mangelnder Förderung in den ersten Schuljahren wachsen die Matheprobleme, dadurch werden die kleinen Schüler unsicher, das Selbstbewusstsein sinkt, sie vernachlässigen das Rechnen und verlieren Lust und Anschluss.

In den späteren Jahren hilft nur üben, üben, üben. Am besten nimmt man Nachhilfeunterricht bei einem exzellenten Didaktiker, nicht selten muss Stoff aus den Vorjahren noch gelernt werden, um Wissenslücken zu schließen. Wer eine etwas höhere Eigeninitiative mitbringt, kann gut mittels YouTube lernen. Wer hier die Themen eingibt, die er lernen möchte, bekommt meist mehrere Erklärungsversionen angeboten, so dass die Chance, eine zu finden, die einem persönlich liegt, relativ groß ist. Ebenso sind die Seiten unterricht.de oder echteinfach.tv dazu gut geeignet.

In meiner Berufsberatung sind mir auch immer wieder junge Menschen begegnet, die eine regelrechte Matheblockade hatten.

Der Mensch ist bekanntlich ein Meister von Vermeidungsstrategien – mit weitreichenden Folgen: Die jungen Menschen verließen vorzeitig das Gymnasium (meist kamen noch Probleme in Latein oder Physik hinzu, womit das Damoklesschwert der Versetzung immer wieder über ihnen schwebte) und wechselten auf die Realschule. Oder sie gingen auf die Wirtschaftsschule, weil dort keine Mathematik gelehrt wird, mit dem Ergebnis, dass ihnen von vornherein alle Grundlagen fehlen.

Ihre Blockade führt dann dazu, dass Sie bewusst oder unbewusst in meiner Beratung falsche Punktzahlen errechnen (dabei brauchen sie jeweils nur Einsen und Zweien zusammen zählen) und mit dem falschen Ergebnis auch noch kokettieren. Ich kann verstehen, dass man sich mit höherer Mathematik unendlich schwer tun kann und habe volles Verständnis für die einzelnen Schwächen, die jeder Mensch hat, was ich jedoch nicht billige, sind Ausweichmanöver, Vermeidungsstrategien oder Verweigerung. Diese Art von Blockade lässt sich nämlich auch auf relativ leichte Art lösen ebenso wie Prüfungsangst. In der Nähe von München gibt es zwei Coaches, ( www.isgt.de sowie www.praxis-jeb.de ) die sich u.a. auf Prüfungsangst spezialisiert haben, und meinen Kunden die Möglichkeit bieten, ihre Blockaden ein für alle Mal zu lösen. Eine wirksame Alternative zur Matheblockade (oder Blockaden in anderen Fächern) ist auch die Hypnosetherapie, die bereits nach einer Sitzung Wirkung zeigt. Hier gibt es in München ebenfalls eine spezielle Praxis, die damit hinreichend Erfahrung hat.

Es gibt Erfolgsgeschichten!

Die Geschichte von Franziska beispielsweise könnte so auch für andere stehen. Vor einigen Jahren kam sie zu mir in die Beratung. Nach Bestehen der Mittleren Reife mit sehr mittelmäßigen Noten aufgrund ihrer Prüfungsangst und Matheschwäche hatte sie die FOS Sozialer Zweig besucht, um dort das Fachabi zu absolvieren, aber die Prüfung in der 12. Klasse nicht bestanden und völlig demotiviert aufgehört. Danach begann sie eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin, die sie ebenfalls nicht bestanden hatte. Um einen generellen Abstand zu gewinnen, ging sie dann für ein Jahr als Au Pair in die USA und kam mit neuer Motivation zurück und zu mir in die Beratung.

Sie war fest entschlossen, keinen Tag länger in der Schule zu bleiben. Ich nahm sie ernst mit ihren Problemen und wir arbeiteten einen ganzen Tag lang sehr gut und vertrauensvoll zusammen. Das Ergebnis meiner Arbeit war eindeutig: Die Studiengänge Soziale Arbeit oder Erziehungswissenschaften passten perfekt, aber mit Realschulabschluss blieb das ein ungelebter Traum. Im Abschlussgespräch stellte ich ihr dann ihre Möglichkeiten vor. Es gab zwar auch noch die Alternative für Sie, eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen, aber hier bliebe sie deutlich unter ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten zurück.

Ich ermunterte Franziska, sich einen Ruck zu geben und ihre Matheblockade aufzulösen, um dann voller Zuversicht und Selbstvertrauen ihr Abitur zu machen. Dann hörte ich sehr lange nichts mehr von ihr – bis zu einem Anruf im Sommer 2013. Sie wollte sich persönlich bei mir bedanken, dass ich so hartnäckig war und sie ins Coaching geschickt hatte. Franziska hatte ihre Matheblockade erfolgreich überwunden und sich zwar bangen Herzens, aber doch etwas hoffnungsvoll entschieden, auf ein Gymnasium zu wechseln und ihr Abitur zu machen. Mit viel Ausdauer und der Hilfe ihres Bruders hat sie ihre zahlreichen Lücken schließen können und den Stoff für die Oberstufe und fürs Abitur gelernt. Im Mai 2013 hat sie ihr Abitur mit der Note 2,5 geschafft und ihren Traumstudienplatz an ihrer Wunschuni im Sommer bekommen. Was das für einen Schub für ihr Selbstbewusstsein und ihre innere Stärke gegeben hat, muss ich an dieser Stelle wohl nicht weiter ausführen!

Bildnachweis: © Alexander Raths – Shutterstock.com

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