FAQ zum BWL-Studium

FAQ zum BWL-StudiumNach meinen Berufsberatungen haben meine Kunden manchmal noch Fragen zu den von mir vorgeschlagenen Studiengängen, Hochschulen oder anderen Details. Ich möchte meine Antworten in Zukunft (anonymisiert) hier im Blog veröffentlichen, da sie für viele meiner Leser interessant sind. Den Anfang macht heute das Thema „BWL-Studium“.

1. Frage: Wäre es nicht sinnvoll, mit einem allgemeinen Bachelor-Studiengang BWL zu beginnen und sich erst im Master Richtung Marketing o.ä. zu spezialisieren?
Marion Schaake: Wenn Sie ausdrücklich ins Marketing wollen, dann studieren Sie Marketing! BWL ist nur dann ein super Studium, wenn Sie später sehr (!) zahlenlastig arbeiten wollen, sonst lassen Sie davon die Finger. Hören Sie bitte nicht auf Ihr Umfeld aus meiner Generation, denn die Zeiten haben sich geändert! Und wenn Sie wirklich stark zahlenlastig arbeiten möchten, dann können Sie noch überlegen, ob Sie nicht besser gleich Finance studieren. Meine ausführliche Einschätzung zu BWL finden Sie hier im Blog unter Irrtümer in der Studienwahl.

2. Frage: Welche Unis sind die Besten im Ranking für BWL?
Aktuell sind die besten staatlichen Universitäten (in alphabetischer Reihenfolge, ohne Wertung) die RWTH Aachen, die KU Eichstätt-Ingolstadt, die Europa-Universität Frankfurt/Oder und die Uni Mannheim. Bei den privaten Universitäten sind Oestrich-Winkel, die Frankfurt School of Management, die WHU Vallendar und die Uni Witten-Herdecke top bewertet. Aber: Empfehlen kann ich diese Unis allesamt trotzdem nur sehr eingeschränkt. Die Antwort darauf gehört zur nächsten Frage.

3. Frage: Mich interessiert, ob die Firmen noch einen Unterschied zwischen Universitäts- und FH-Absolventen machen. Ich finde vor allem das Angebot in Pforzheim sehr ansprechend, da es um einiges praxis-orientierter ist als an einer Universität – aber ich bin jetzt etwas verunsichert, was die Wertigkeit angeht.
Marion Schaake: Bei BWL machen die Unis weniger Sinn, und Sie sind viel besser an den FHs aufgehoben. Das wird auch von den Personalern mehr geschätzt. Die Firmen sehen sowohl in der Wirtschaft als auch bei technischen Studiengängen lieber Absolventen von der Fachhochschule, weil die anderen meist aufgrund des wenig praxis-orientierten Studiums zu nichts zu gebrauchen sind, während FHler sich sofort gut einsetzen lassen.

Ausnahme: Unternehmensberatungen. Wenn Sie also sicher wissen, dass Sie in eine der größeren Unternehmensberatungen wollen, müssen Sie an einer Uni studieren. Dann verkaufen Sie aber auch über Jahre Ihre Seele, haben eine 80 Stunden-Woche, keine Zeit für sich selbst, für Familie und Freunde. Kann man machen, muss man aber auch wirklich wollen.

Die Fachhochschule in Pforzheim hat einen super Ruf! Die Stadt ist für einen Münchner unsexy, die Leute auch, aber die Studierenden kommen von überall her. Das macht es erträglich, zumal man nur vier Semester dort ist. International Marketing dort ist der Hammer! Macht einer meiner Kunden (nur einer hat es dorthin geschafft, weil es in der Regel ein Abi mit Einser-Schnitt braucht). Er ist jetzt für ein Jahr in Indonesien und betreibt einen Blog mit seinen Erfahrungen.

4. Frage: Können Sie mir außerdem noch ein paar Informationen zum Thema Logistik und Ökotrophologie geben, da mein Opa diese Bereiche angesprochen und für mich vorgeschlagen hatte.
Marion Schaake: Die Aufgabe von Logistikern ist es, Produktionsabläufe zu analysieren und zu optimieren, um diese dann im Unternehmen zu implementieren. Sie halten sich also viel in Produktionshallen auf, müssen unter anderem auch programmieren können (das wird immer mehr gefordert) und sich in den Produktionshallen mit den Arbeitern und Meistern herumschlagen, denen Sie Veränderungen „verkaufen“ müssen, die diese oft nicht wollen.

Ökotrophologie – tja… Die Frage ist hier vor allem: Wohin soll das für Sie führen? Das ist in erster Linie ein Chemiestudium mit biologischen Inhalten. Wenn Sie dieses Studium einigermaßen gut überstehen wollen, benötigen Sie vor allem ein großes Interesse und viele Kenntnisse sowie Begabung für Chemie… Wenn Sie anschließend Geld verdienen wollen, kommen Sie um eine Arbeit in der Industrie nicht herum. Dort stehen Sie dann bei Nestlé und Konsorten im Labor und entwickeln aus Chemie Käse, der keiner ist, aber so aussieht und so schmecken soll und der dann auf neue Pizzas kommt. Es geht in diesem Fach um die Verarbeitung von Lebensmitteln! Nicht um den gesundheitsbewussten und ethisch-moralischen Umgang. Ich finde diesen Arbeitsbereich in höchstem Maße bedenklich. Aber jeder wie er meint…

Sollte der Hintergedanke der sein, später Ernährungsberatungen oder ähnliches zu machen, so ist der Arbeitsmarkt sehr schlecht und wird sich meiner Meinung nach nicht bessern – auch wenn sogenannte Experten diesem Bereich immer mal wieder eine Zukunft vorhersagen. Das sehe ich überhaupt nicht, und die Gründe sind ganz einfach: Jobs in den Krankenkassen gibt es nur wenige, und die reißen sich diejenigen unter den Nagel, die schon sehr lange in diesem Bereich arbeiten. Alle anderen müssen zusehen, wo sie unterkommen und machen sich meistens selbständig.

Hier beginnt ein generelles Problem in unserer Gesellschaft. Was glauben Sie, wie viele Menschen es gibt, die Ihnen Geld dafür bezahlen, dass Sie denen sagen, sie sollen mehr Gemüse essen?! Die allererste Frage bei diesen Leuten ist nämlich: Zahlt das die Kasse? Nein, natürlich zahlt die das nicht, und schon ist den meisten ihre Gesundheit relativ egal… Also muss man die abgreifen, die das Geld haben und auch dafür ausgeben. Die sind aber schon recht gut informiert.

Und jetzt kommt das nächste Problem: Im Studiengang Ökotrophologie lernen Sie nicht, was gesund ist und was nicht. Dafür gibt es nämlich die Diätetiker (Ausbildungsberuf und mittlerweile auch Studiengang). Außerdem gibt es keine allgemeingültigen Regeln dafür, was gesund ist und was nicht, denn die Menschen bringen individuell unterschiedliche Faktoren mit, die zur Bekömmlichkeit von Essen führen. Hier sind dann eher verschiedene Ärztegruppen und Heilpraktiker die passenden Ansprechpartner oder das Trial and Error-System, bei dem man selbst herumprobiert. Ein schwieriges Berufs-Feld, das einen gut verdienenden Ehemann erfordert…

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