Berufswunsch: Sport-Journalist

„Ich möchte gern Sport-Moderator werden“ – diesen Satz höre ich zu Beginn meiner Beratungen in den vergangenen Jahren immer häufiger von den jungen Leuten. Was ich auch immer wieder höre, sind die verschiedenen Aussagen, wie man in diesen Bereich kommt. Leider stimmt fast nichts davon, daher gibt es hier meine Tipps und viel Wissenswertes.

Als erstes möchte ich mit einer sprachlichen Ungenauigkeit aufräumen: Sport-Moderator ist die Königdisziplin – und davon gibt es auch nur eine Handvoll in Deutschland. Realistischer ist es, Sport-Reporter bzw. Sport-Journalist werden zu wollen. Aber welchen Weg schlägt man dazu ein?

Die einen behaupten, man muss Journalismus studieren und sich dann auf Sport spezialisieren. Andere sagen, man sollte Sport studieren und danach einen Aufbaukurs an einer Journalistenschule machen und Dritte wiederum behaupten, man muss einfach nur ganz viele Praktika in dem Bereich machen und rutscht dann schon „irgendwie“ rein. Ich bin immer wieder erstaunt, mit welcher Intensität sich Jugendliche im Netz bewegen, aber es augenscheinlich nicht schaffen, sich die wirklich notwendigen Informationen zu holen.

Bei den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten (ARD, ZDF, die Dritten Programme) ist ein Volontariat üblich. Das findet nach mehreren Praktika, die sinnvollerweise bereits während des Studiums absolviert wurden, nach Abschluss des Studiums statt. Die Dauer des Volontariats beträgt in der Regel etwa 18 Monate. Bei dem zuvor absolvierten Studium ist es egal, was man studiert hat, idealerweise jedoch nicht Journalismus, sondern „etwas Anständiges“, bei dem man denken gelernt hat. (Und in diesem Fall sind das tatsächlich mal eher die Unis als die Fachhochschulen). Beliebte Studiengänge, die für den Bereich Journalismus Sinn machen, sind Politikwissenschaften, Kulturwissenschaften oder Sprachen, aber auch andere Universitätsstudiengänge (Wirtschaftswissenschaften) können gute Wegbereiter sein.

Während des Volontariats sollte man dann bei allen erdenklichen Leuten und Entscheidern deutlich machen, dass man gern in den Sportjournalismus möchte und sollte auch versuchen, bei möglichst vielen Einsätzen in den Bereich Sport zu kommen (das muss nicht zwangsläufig die Sportredaktion sein). Sport jedoch ein kleiner Bereich, in den sehr viele wollen! Hochdienen heißt hier das Zauberwort – und hartnäckig bleiben! Bloß nicht locker lassen. Aber auch dann gibt es keine Garantie dafür, dass man wirklich einen Vertrag als freier Mitarbeiter oder womöglich eine Festanstellung bekommt. Und es gibt keinen Königsweg.

Man muss das unbedingt wollen, aber flexibel genug sein, um auch in anderen Redaktionen zu arbeiten.

Angehende Journalisten sollten also niemals ausschließlich Sportjournalist werden wollen, denn das Risiko, es nicht zu schaffen, ist sehr, sehr hoch. Wer nichts anderes vorzuweisen hat und auch nicht in anderen Disziplinen sein journalistisches Talent unter Beweis gestellt hat, der steht womöglich am Ende mit leeren Händen da.

Die Alternative zu einem Volontariat ist noch der „Kaltstart“ als freier Mitarbeiter, was allerdings extrem schwer ist! Die privaten Hörfunk- und Fernsehsender arbeiten fast nur mit Freien, aber diese Jobs sind sehr begehrt und man kommt nur über Praktika hinein. Es ist viel Ackerei, man braucht wahnsinnig viel Einsatz und das allerwichtigste sind, wie bei fast allem im Leben: Kontakte, Kontakte, Kontakte…

Für diesen Job braucht es zudem ein angenehmes Äußeres, Zähigkeit, Durchsetzungswillen, ein hohes Maß an Belastbarkeit, Charme, Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungsfreude und ein großes Interesse an Menschen in Verbindung mit Empathie. Ungeregelte Arbeitszeiten, Überstunden und Schichtdienste sind an der Tagesordnung. Und: Sportjournalismus ist mehr als nur Fußballbundesliga, Reitsport und Reisen.

Mein Tipp: Halten Sie Ihr Ziel, Sportjournalist zu werden, fest im Blick. Aber seien Sie sich nicht zu schade, sich zunächst auf anderen Gebieten Ihre Sporen zu verdienen.

Wer bestimmte Vorstellungen davon hat, was er beruflich mal machen möchte, kann sich übrigens heute auf sehr leichte Art und Weise die notwendigen Informationen holen – über das Internet. Nichts ist leichter, als sich die Biografien von den Menschen zu besorgen, die man gern „beerben“ würde. Schauen wir uns also mal stellvertretend für viele Moderatoren zwei bekannte Namen an:

Gerhard Delling, der 2000 zusammen mit Günter Netzer den Adolf-Grimme-Preis und 2008 den Medienpreis für Sprachkultur erhalten hat, hatte Volkswirtschaftslehre studiert und auch abgeschlossen. Bereits während der Abiturzeit war er freier Mitarbeiter der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung in Rendsburg, später im Studium freier Mitarbeiter des NDR in Kiel. 1984 erfolgte dann die erste Festanstellung als Sportreporter beim NDR. Da hatte er also schon über Jahre Erfahrung gesammelt. Der Mann kann nicht nur reden, der kann auch rechnen.

Kate Abdo von Sky ist ein Paradebeispiel dafür, dass Fremdsprachen – perfekt gesprochen – ein großer Türöffner sind. Nach Ihrem Schulabschluss hat die gebürtige Britin zwei Jahre in Malaga Sprachen studiert und anschließend noch ein Jahr in Großbritannien. Darauf folgte ein Praktikum bei der Deutschen Welle in der Fremdsprachen-Redaktion. Danach war sie Sportnachrichten-Moderatorin und gleichzeitig Produktionsassistentin bei der Deutschen Fußball-Liga. Ihr tolles Aussehen ist dabei natürlich auch nicht schädlich, aber nicht allein ausschlaggebend. Kate ist in der Lage, nicht nur in ihrer Muttersprache zu sprechen, sondern kann in Sekundenschnelle zusätzlich in Deutsch, Spanisch und Französisch hin und her wechseln, was dazu geführt hat, dass sie Anfang des Jahres den Ballon d`Or moderieren durfte.

Bildnachweis: © Marc Pagani Photography – Shutterstock.com

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