Kreativität und Konstruktion – Der technische Produktdesigner

Wer gestaltet eigentlich Rasenmäher? Wer entwirft Fahrzeuge und Fertigungsanlagen? Wie erhalten Kaffeemaschinen, Möbel, Uhren oder Taschen ihre Form? Überall, wo etwas entworfen, konstruiert und gestaltet werden muss, unterstützen Technische Produktdesigner Ingenieure bei der Arbeit. Einer unserer 25 interessantesten Ausbildungsberufe

Sie entwerfen, konstruieren und gestalten Bauteile und Baugruppen, aber auch Gebrauchsgegenstände mit 3-D-CAD-Programmen. Technische Produktdesigner arbeiten in Entwicklungs- und Konstruktionsabteilungen von Industrieunternehmen aller Art: in Betrieben des Maschinen- und Anlagenbaus, des Fahrzeugbaus, bei Herstellern von feinmechanischen und optischen Erzeugnissen, Möbeln, Elektromaschinen oder Computer-Hardware. Auch in Ateliers für Produkt- und Industriedesign sind sie beschäftigt.

Tätigkeit

Die Tätigkeit besteht im Wesentlichen aus den Aufgabenbereichen Konstruieren, Kalkulieren, Simulieren, Modifizieren und Produzieren. Moderne Computerprogramme bieten unterschiedliche Möglichkeiten zur Konstruktion. Mit 3D-CAD-Systemen kann man Produkte dreidimensional darstellen, so dass man sie in der Simulation von allen Seiten betrachten kann. Bis ein Prototyp hergestellt werden kann, ist viel zu tun. Technische Produktdesigner erstellen am Bildschirm die nötigen Skizzen, Entwürfe und Konstruktionsunterlagen. Dabei arbeiten sie mit Ingenieuren zusammen, besprechen sich aber auch mit den Auftraggebern, zeigen ihnen Entwürfe und präsentieren ihre Ergebnisse.

Es ist u. a. auch viel Rechenarbeit zu leisten, um ein Computermodell zu erstellen. Technische Produktdesigner berechnen mit Hilfe des Computers Längen und Flächen, Volumen und Masse, den Schwerpunkt des Produkts, die Reibung oder das Drehmoment. Sie tragen dazu bei, dass die von ihnen entworfenen Produkte wirtschaftlich in der Herstellung sind. Sie kennen die Eigenschaften der verschiedenen Werkstoffe und wissen, welches Material für welches Bauteil geeignet ist. Die Fertigungsverfahren werden ebenfalls schon beim Entwurf mit eingeplant – je einfacher und kostengünstiger die Teile zu produzieren sind, umso besser.

Ist eine erste Version des Konstruktionsdatensatzes fertig, bauen sie die Bauteile und Baugruppen digital zusammen und überprüfen sie statisch und dynamisch. Funktioniert die Maschine wie geplant? Treten unerwartete Effekte auf? Passen alle Teile zusammen? Kann das Bauteil den Belastungen der Praxis standhalten? Technische Produktdesigner kennen sich mit Trigonometrie, Mechanik und Wärmelehre aus. Mit der Konstruktion am Computer ist ihre Arbeit aber noch nicht getan.

Sie begleiten den gesamten Prozess der Produktentwicklung bis zum Versuchsbereich, betreuen Prototypen und Serien und managen ganze Produkte.

Schließlich erstellen sie technische Dokumentationen. Darin sind alle Informationen enthalten, die gebraucht werden, sobald das Produkt produziert werden soll. Die Konstruktionsdaten können nun unmittelbar in den Fertigungsprozess eingehen.

Ausbildung

Die Ausbildung erfolgt in der Industrie und wird in den Fachrichtungen Produktgestaltung und -konstruktion sowie Maschinen- und Anlagenkonstruktion angeboten. Die Spezialisierung erfolgt in der Regel im vierten Ausbildungsjahr. Eine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung ist nicht vorgeschrieben. Die Betriebe stellen zu etwa gleichen Teilen angehende Technische Produktdesigner mit einem mittleren Bildungsabschluss und mit Hochschulreife ein. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und kann bei entsprechender Leistung in Absprache mit dem Betrieb verkürzt und in Ausnahmefällen auch verlängert werden, wenn dies erforderlich ist. Während der Ausbildung lernen die angehenden Technischen Produktdesigner unter anderem:

• Welche fach- und betriebsspezifischen Softwareprogramme es gibt und wie man damit arbeitet

• Wie man technische Unterlagen erstellt, geometrische Grundkonstruktionen von Bauteilen ausführt und dabei die verschiedenen Ansichten, Schnitte und Bemaßungen darstellt

• Welche rechtlichen, betrieblichen und technischen Vorschriften bei der Arbeit zu beachten sind, was man über den Datenschutz wissen muss

• Wie man zur Qualitätssicherung im Betrieb beiträgt

• Wie man Entwurfszeichnungen, Teil-, Gruppen- und Gesamtzeichnungen anfertigt und Stücklisten für die Produktion erstellt

• Wie Designvorgaben nach technischen, funktionalen und ästhetischen Gesichtspunkten umgesetzt werden und welche Visualisierungstechniken man dabei anwenden kann

• Welche Werkstoffe und Montageverfahren infrage kommen, damit die Einzelteile und Baugruppen wirtschaftlich und umweltverträglich produziert werden können und den Belastungen standhalten

• Wie man die entworfenen Bauteile und Baugruppen durch digitale Simulation prüft

• Was beim Erstellen von Dokumentationen und Präsentationsunterlagen zu beachten ist

• Wie man seine Arbeit mit vor- und nachgelagerten Betriebsbereichen abstimmt, die Arbeitsergebnisse zusammenführt und anhand der Vorgaben bewertet und kontrolliert

• Wie man Aufträge und Arbeiten mit den Kunden abstimmt

• Was man über Prozess- und Projektmanagement wissen muss und wie man Kostenrechnung und Prozesskalkulation durchführt

Verdienst

Bei dieser Tätigkeit kann die das tarifliche Bruttomonatsgehalt zwischen rund 2.700 und 3.000 Euro betragen. Als Selbständiger gibt es keine Grenzen nach oben und unten. Während der Ausbildung werden in etwa folgende Vergütungen gezahlt:

1. Ausbildungsjahr: 858 bis 878 Euro
2. Ausbildungsjahr: 910 bis 926 Euro
3. Ausbildungsjahr: 964 bis 992 Euro
4. Ausbildungsjahr: 1.013 bis 1.047 Euro

Weiterbildungsmöglichkeiten

Mit dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung ist die berufliche Bildung für Technische Produktdesigner noch nicht beendet: Technische Entwicklungen im EDV- und CAD-Bereich, in den Werkstoffen und Fertigungsverfahren sowie sich wandelnde Ansprüche der Kunden erfordern eine ständige Weiterbildungsbereitschaft. Um sich beruflich auf dem Laufenden zu halten und den Anforderungen des Arbeitsalltags gerecht zu werden, können Technische Produktdesigner Seminare und Kurse zu Themen wie CAD-3D-Konstruktion, CAD-Grafik, Produktdesign oder Normung belegen.

Um sich beruflich weiterzuentwickeln, können Technische Produktdesigner beispielsweise eine Weiterbildung zum Konstrukteur, zum Gestalter für Produktdesign oder zum Techniker für Maschinentechnik absolvieren. Diese Ausbildung ist aber auch eine super Grundlage für ein Industriedesign-Studium.

Quellen:
Bundesagentur für Arbeit
Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Tarifauswertung – Tarifvertragliche Ausbildungsvergütungen – Stand: Januar 2009
WSI-Tarifhandbuch 2008
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Bildnachweis: © chika_milan – Fotolia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.