Die unbekannte Ausbildung – Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste

Die unbekannte Ausbildung - Fachangestellter für Medien- und InformationsdiensteDiesen Ausbildungsberuf gibt es seit 1998, aber kaum jemand weiß, was sich hinter diesem recht komplizierten Namen verbirgt. Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, kurz FAMI, beschaffen Informationen, erschließen sie systematisch und bereiten diese anwendergerecht auf. FAMIs beschäftigen sich dabei mit Printmedien wie Büchern und Zeitschriften, elektronischen Medien wie CD-ROMs und Videos und virtuellen Medien wie dem Internet.

Der Ausbildungsberuf gliedert sich in fünf unterschiedliche Fachrichtungen:
• Archiv
• Bibliothek
• Bildagentur
• Information und Dokumentation
• Medizinische Dokumentation

Die Spezialisierung erfolgt erst im letzten Jahr der insgesamt dreijährigen Ausbildung. Allerdings müssen die angehenden FAMIs sich schon bei der Bewerbung überlegen, welcher der Schwerpunkte für sie in Frage kommt, da die Arbeitgeber in aller Regel immer nur auf einen der Schwerpunkte hin ausbilden. Erforderlich für die Ausbildung ist meist mindestens ein guter Realschulabschluss. Viele Firmen sehen gern auch die Fachhochschulreife oder das Abitur.

Während der Ausbildung lernen alle angehen Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste:

• wie man in Datenbanken und -netzen recherchiert
• wie man Medien, Informationen und Daten beschafft und erwirbt, erfasst und erschließt
• wie Medienbestände und sonstige Informationsträger gesichert werden
• wie man Informations- und Kommunikationssysteme einsetzt
• wie man Kunden und Benutzer informiert, berät und betreut
• wie man an der Öffentlichkeitsarbeit und am Marketing mitwirkt

Hinzu kommen spezielle, auf den Ausbildungsschwerpunkt bezogene, Inhalte.

Fachrichtung Archiv:
• Schriftgut und andere Informationsträger sichten, bewerten und übernehmen
• Schriftgut und andere Informationsträger ordnen und verzeichnen
• technische Bearbeitung und Aufbewahrung von Archivgut bei Ausstellungen und Veranstaltungen mitwirken
• Findehilfsmittel gestalten
• Schriftkunde anwenden
• Ausleihe durchführen und überwachen

Arbeitsplätze finden sie unter anderem in der öffentlichen Verwaltung, in Museen und Unternehmen der Filmwirtschaft. Daneben sind sie an Hochschulen oder bei Verbänden und Organisationen tätig. Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten bieten Firmen der Medien- und Informationsbranche, wie etwa Archive von Verlagen, Rundfunkveranstaltern oder Korrespondenz- und Nachrichtenbüros.

Fachrichtung Bibliothek:
• bibliografische Informationsmittel für die Erwerbung von Medien nutzen
• Medien nach Regeln der formalen Erfassung bearbeiten und bei der inhaltlichen Erschließung mitwirken
• Medien bibliothekstechnisch ausstatten sowieBestände ordnen und verwalten
• Ausleihen, Rücknahmen, Mahnungen und Vorbestellungen von Medien bearbeiten
• Lieferungen und Rechnungen kontrollieren und bearbeiten
• Informationen und Medien für Kunden mittels elektronischer und konventioneller Liefersysteme beschaffen

Arbeitsplätze finden sie in Stadt- und Behördenbibliotheken, in der öffentlichen Verwaltung, an Hochschulen oder in Museen. Geeignete Tätigkeitsfelder gibt es auch in Werks- und Betriebsbibliotheken größerer Firmen sowie in Kirchenbibliotheken. Darüber hinaus können sie in Verlagen beschäftigt sein.

Fachrichtung Bildagentur:
• Bilder beschaffen, erschließen, archivieren und vermitteln
• Bildinhalte identifizieren und katalogisieren
• Bildinformationen nutzen, pflegen und verwalten
• Bildarchivierungsmethoden anwenden
• bei der Erstellung von Bildkatalogen und Werbemitteln sowie bei der Akquisition von Kunden mitwirken
• was bei der technischen Bearbeitung und Aufbewahrung von Bildern zu beachten ist
• Aufträge entgegennehmen und bearbeiten
• Bildangebote zusammenstellen
• Nutzungsrechte vereinbaren und Kalkulationsschemata für Honorare anwenden
• Leihfristen überwachen
• Rechnungen und Mahnungen bearbeiten

Arbeitsplätze finden sie in den unterschiedlichsten Bildarchiven, die z.B. von öffentlichen Trägern, Bildagenturen oder größeren Industrie- und Handelsunternehmen unterhalten werden. Darüber hinaus können sie bei Rundfunkveranstaltern oder Verlagen, an Hochschulen, Museen oder Korrespondenz- und Nachrichtenbüros beschäftigt sein. Auch Datenbankanbieter und Datenverarbeitungsdienste bieten geeignete Tätigkeitsfelder.

Fachrichtung Information und Dokumentation:
• Informationsquellen für die Beschaffung von Medien, Daten und Fakten nutzen
• Medien nach den Regeln der formalen Erfassung bearbeiten
• bei der inhaltlichen Erschließung mitwirken
• Dateien und Datenbanken verwalten und pflegen
• Daten und Fakten strukturieren und erfassen
• Kundenanfragen bearbeiten und in Datenbanken und Datennetzen recherchieren
• Informationen und Medien für Kunden mittels elektronischer und konventioneller Liefersysteme beschaffen
• Informationen aufbereiten und Informationsdienste zusammenstellen
• bei Schulungen und Veranstaltungen mitwirken
• bei der Akquisition von Kunden mitwirken

Arbeitsplätze finden sie unter anderem bei Informationsdienstleistern, Info-Brokern, Fachinformationszentren sowie in Informations- und Dokumentationsstellen der Privatwirtschaft bzw. des öffentlichen Dienstes. Hochschulen, Marketing-Agenturen und Marktforschungsinstitute eröffnen ebenso geeignete Tätigkeitsfelder. Darüber hinaus können sie für Datenbankanbieter und Datenverarbeitungsdienste tätig werden.

Fachrichtung medizinische Dokumentation:
• medizinische Informationen nach betrieblichen Vorgaben sammeln und erfassen
• Erfassungsschemata, Erhebungsbögen und Datenbankstrukturen entwerfen
• medizinische Fachsprache anwenden
• medizinische Daten inhaltlich erschließen
• medizinische Datenbestände zusammenführen, verwalten und pflegen
• medizinische Informationen betriebsbezogen verschlüsseln
• Medien und Daten sichten, bewerten und für die Weiterverarbeitung vorbereiten
• Suchstrategien umsetzen und Hilfsmittel zum Auffinden von Informationen technisch gestalten
• am Aufbau von medizinischen Datenbanken mitwirken
• medizinische Informationen recherchieren, aufbereiten und präsentieren
• statistische Auswertungen erstellen

Sie sind in medizinischen Dokumentationsstellen von Krankenhäusern und Hochschulkliniken, in Forschungseinrichtungen von pharmazeutischen Unternehmen, an (medizinischen) Hochschulen und bei Informationsdienstleistern für medizinische Information und Dokumentation tätig. Darüber hinaus finden sie bei Softwareanbietern auf dem Gebiet der Anwenderberatung, bei Verlagen für medizinische Fachzeitschriften und bei Interessenvertretungen, z.B. kassenärztlichen Vereinigungen, Beschäftigungsmöglichkeiten.

Während der Ausbildung verdienen die angehenden FAMIs im ersten Lehrjahr etwa 672 Euro, im zweiten 721 und im dritten etwa 767 Euro. Nach der Ausbildung werden Fachangestellte, die im öffentlichen Dienst angestellt sind, in aller Regel nach dem entsprechenden Tarif bezahlt. Dieser liegt bei ca. 2.100 bis 2.400 Euro als Einstiegsgehalt. Gehaltserhöhungen richten sich nach Dauer der Beschäftigung. In der Industrie liegt das Gehalt dann eher bei ca. 2.400 bis 2.800 Euro.

Die Weiterbildungsmöglichkeiten oder Spezialisierungen sind in diesem Beruf äußerst vielfältig. So kann man beispielsweise den Fachwirt für Medien und Informationsdienste machen oder bei Hochschulzugangsberechtigung verschiedene Bachelor-Studiengänge absolvieren. Die konkrete Wahl hängt vom Ausbildungsschwerpunkt und vor allem von den persönlichen Neigungen ab. Entscheidend ist, dass die Absolventen dieser Berufsausbildung gelernt haben, systematisch zu recherchieren, Informationen zu sammeln und diese dann gezielt aufzubereiten.

Quellen:
Bundesagentur für Arbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung
Fami-portal.de
Stadt Hamburg
Stadt München

Bildnachweis: © andreiorlov – Fotolia.com

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