Wie komme ich an ein Praktikum?

Diese Frage bewegt viele Schüler und Studenten und es gibt nicht die eine goldene Antwort darauf. Das hängt nämlich von der Art des Praktikums ab.

Es gibt im Wesentlichen drei  Arten von Praktika:

1. Das Schulpraktikum über ein bis zwei Wochen, das in der Regel von Realschulen gefordert wird,
2. Praktika in der Zeit zwischen Schule und Ausbildung oder Studium,
3. Praktika während des Studiums.

Zunächst mal: Egal für welches Praktikum Sie sich bewerben – um eine exzellente schriftliche Bewerbung kommen Sie einfach nicht herum! Selbst wenn Sie Ihren Praktikumsplatz über „Vitamin B“ erhalten, gehört es zum guten Ton, und es ist auch eine Frage des Respektes, sich bei seiner eigenen Präsentation nach außen Mühe zu geben! Schließlich wollen oder müssen Sie sich gut verkaufen.

Und: Nichts geht über persönliche Beziehungen! Darüber kommen Sie auch an Praktikumsplätze, die für andere Menschen schwer erreichbar sind. Netzwerken und persönliches Beziehungsmanagement werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer wichtiger und damit unverzichtbar. Dass Sie selbst keine Beziehungen in die Geschäftswelt haben, ist nachvollziehbar, aber in Ihrem Umfeld (Eltern, Verwandte, deren Freunde) findet sich in den meisten Fällen doch jemand, der jemanden kennt, der jemanden kennt… Da könnten Sie ansetzen. Und ich rate Ihnen dringend: Fangen Sie jetzt mit dem Beziehungsmanagement an! Wem immer noch nicht klar ist, warum das gut sein soll, wer meint, dass er ohne Beziehungen alles schaffen will oder wer nicht weiß, wie er es anfängt, dem empfehle ich das Buch von Harvey Mackay „Suche dir Freunde, bevor du sie brauchst“.

Das Schulpraktikum über ein bis zwei Wochen bekommt man, in dem man sich dafür mit einer schönen Bewerbung bei Firmen vorstellt, die man interessant findet und die man gern „von innen“ kennen lernen möchte oder in dem man die Kontakte von Eltern oder Freunden nutzt. Viele Firmen bieten jedoch Praktika von einer Woche gar nicht an, denn wenn man verantwortungsvoll mit Praktikanten umgehen will, dann erfordern Praktikanten im Unternehmen Betreuung; d.h. andere Arbeitskräfte müssen sich um diese jungen Menschen kümmern. Bis man denen dann irgendetwas erklärt hat, so dass sie selbständig kleinere Aufgaben übernehmen können, sind die fünf Tage schon rum. Hinzu kommt das junge Alter von 14 bis 16 Jahren, das einen tieferen Einblick ins Unternehmen oder in die Arbeit oftmals schwer möglich macht. Fragen Sie vorher telefonisch in der Personalabteilung oder in kleineren Firmen beim Chef nach, ob Sie auch für eine Woche kommen dürfen! Manchmal werden auch Ausnahmen gemacht.

Andererseits muss dieses kurze Pflicht-Praktikum nicht nur eine lästige Angelegenheit für beide Seiten sein, die man möglichst schnell hinter sich bringt. Es birgt auch große Chancen für beide Seiten.

Wenn die jungen Leute eine recht gute Vorstellung von ihrem späteren Berufsleben haben – das ist oftmals bei handwerklichen oder technischen Berufen der Fall – bietet sich für sie die Möglichkeit, sich in den wenigen Tagen gut zu präsentieren, um nach der Schule mit einer guten Bewerbung einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Und für die Unternehmen ist es eine Chance, sich gut darzustellen, um einen potenziell guten Lehrling zu bekommen, der auch später noch im Betrieb bleibt.

Für das Praktikum zwischen Schule und Ausbildung/Studium gibt es, abgesehen von persönlichen Beziehungen, verschiedene Möglichkeiten.

1. Arbeitsagentur:
Auf der Internetseite des Job-Centers können Sie gezielt nach Praktikumsplätzen suchen. Wenn Ihnen die Auswahl zu gering erscheint, suchen Sie dort nach Ausbildungsplätzen. Firmen, die ausbilden, bieten häufig auch die Möglichkeit von Praktika an.

2. IHK
Die Industrie- und Handelskammern haben ebenfalls ein gemeinsames Portal, auf dem Sie interessante Betriebe finden können.

3. Praktikums-Börsen im Internet
Hier gibt es einige Anbieter wie StepStone oder Jobware, wobei in den meisten Fällen allerdings Studenten gesucht werden. Auf Unicum z.B. können auch Abiturienten fündig werden. Man sollte sich aber darauf einstellen, dass diese Praktika über mehrere Monate gehen.

4. Azubi-Tage oder ähnliche große Veranstaltungen oder Messen
Hier bietet sich für Sie die Möglichkeit, direkt Kontakt zum Unternehmen herzustellen und relevante Personen am Messestand mit zahlreichen Fragen zu konfrontieren. Sie sollten das jedoch gut vorbereitet angehen, um im persönlichen Kontakt sowohl optisch als auch inhaltlich einen guten Eindruck zu hinterlassen. Aber Achtung: Die Firmen auf den Jobmessen und Azubi-Tagen sind dort, um auch sich selbst zu präsentieren, was dazu führen kann, dass Ihnen am Stand die tollsten Dinge erzählt werden, die sich hinterher auch als heiße Luft herausstellen können. Und: Nicht immer sind Entscheider am Stand! Oftmals werden auch andere Mitarbeiter dafür abgestellt, die weniger kompetent sind.

Praktika während des Studiums werden komplett unterschätzt. Die Unternehmen brauchen Hochschulabsolventen mit praktischen Erfahrungen, im günstigsten Fall mit solchen, die einen direkten Bezug zu ihrer späteren Arbeit haben. Aber selbst wenn es keinen unmittelbaren Bezug zu später geben sollte, so beweisen absolvierte Praktika Engagement, Leistungswille, Flexibilität und Neugier – also genau die Eigenschaften, die den Unternehmen so wichtig sind. Aus diesem Grund hat die Unternehmensberatung McKinsey mit Bertelsmann, Allianz und Henkel ein spezielles Gap-Year-Programm entwickelt.

Allerdings stellen die großen Unternehmensberatungen nur Absolventen ein, die von der Uni kommen. Praktika sind jedoch von den Unis nur selten vorgesehen. Und nicht jeder will bei McKinsey nach dem Studium unterkommen. Was tun? Ganz einfach: Nehmen Sie sich ein Urlaubssemester, in dem Sie ein spannendes und sinnvolles Praktikum über ein halbes Jahr machen!

Wer an Fachhochschulen studiert, hat es da meist leichter, gehört doch das Praxissemester dort schon fast zum Alltag. Zusätzlich zu den o.g. Möglichkeiten, einen Praktikumsplatz zu ergattern, bieten die Hochschulen oftmals Kooperationen mit Firmen an.

Wenn Sie sich nun fragen, was am sinnvollsten für Sie ist, um auf sich aufmerksam zu machen, dass Sie eine Praktikumsstelle suchen – anrufen, persönlich hingehen, Initiativbewerbungen verschicken oder auf Stellenanzeigen reagieren – kann ich nur sagen: Das kommt drauf an. Es hängt ab von Ihrer Persönlichkeit, von der Firma bei der Sie das Praktikum absolvieren wollen, von den Gepflogenheiten der Branche und davon, ob Sie bereits ein persönliches Beziehungsmanagement aufgebaut haben.

Wenn Sie in Ihrem Wunschunternehmen bereits jemanden kennen, dann können Sie diese Person kontaktieren und nachfragen, was in diesem Unternehmen üblich ist und am ehesten zum Erfolg führt. Hier bekommen Sie direkt die Antwort und können entsprechend handeln.

Wenn Praktika ausgeschrieben sind, würde ich erst anrufen, um zu erfragen, ob diese noch vakant sind. Wenn das der Fall ist, können Sie auch – je nachdem, wie kommunikativ Sie selbst sind und ob Sie auch die passende Person am Telefon haben – diese Situation nutzen, um über das Praktikum noch mehr zu erfahren. Machen Sie sich daher vorher Notizen, was Ihnen an Information wichtig ist. Vielleicht behält man Sie in Erinnerung. Allerdings hilft das weniger in großen Konzernen, da hier ganz unterschiedliche Personen mit dem Thema Praktikanten betraut sind und man sich bei der Vielzahl der Bewerber an Sie nicht mehr wird erinnern können. Bei kleineren Firmen hingegen klappt das meist ganz gut.

Je nach Größe und Branche des Unternehmens kann es auch zum Erfolg führen, mit einer tollen Bewerbung unter dem Arm einfach hinzugehen und zu sagen, dass Sie „hier“ arbeiten wollen.

So viel Mut und Engagement beeindruckt auch den einen oder anderen Firmenchef oder Entscheider. Auf einem Mentorentreffen fragte ich mal zwei meiner Kollegen, die beide beim Bayrischen Rundfunk arbeiten, wie man es schafft, dort eine Praktikumsstelle zu ergattern, wenn man nicht gerade die glänzenden Kontakte hat. Die Antwort war so einfach wie verblüffend: Wer es schafft, am Pförtner vorbeizukommen und in unsere Büros zu gelangen, der weist Qualitäten auf, die für uns interessant sind.

So kann es also auch gehen!

Bildnachweis: © Jeanette Dietl – fotolia.com

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Avatar

    Sehr schöne Tipps! Ich kann euch da nur zustimmen, es kommt immer auf die Art des Praktika an wie eine Bewerbung aussehen sollte, einen „Codex“ gibt es dort nicht wirklich für. An und für sich halte ich Praktika für sehr wichtig. Gerade um kurze Lücken zu überbrücken ist es wichtig, sodass man im Lebenslauf keinen Freilauf hat und so hat man eben auch die Chance sich von vielen anderen Bewerbern abzusetzen 😉

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