Traumberuf Pilot

Traumberuf PilotArbeiten über den Wolken, dort wo immer die Sonne scheint – Die Ausbildung zum Piloten hat auch heute noch wenig von ihrem Reiz verloren. Ich habe mit Andreas Mohrs gesprochen, der Pilot bei einer großen deutschen Airline ist.

M.S. Andi, Du hast den Traumberuf, den sich viele junge Männer wünschen. Wie war dein Werdegang?

A.M. Es ist tatsächlich für mich mein Traumberuf. Pilot bei dieser Airline zu sein, bedeutet, in einem Unternehmen zu arbeiten, das ein hohes Wertesystem hat, welches wohl auf der Welt in der Airlinebranche einzigartig ist. Für mich war es nicht selbstverständlich, in solch einem Unternehmen arbeiten zu dürfen. Ich komme ursprünglich aus einer strukturschwachen Gegend, in der die Berufswahl sehr eingeschränkt war. Trotzdem hatte ich seit meinem 16. Lebensjahr den Wunsch, Pilot zu werden. Nachdem ich eine Lehre als Maschinenschlosser absolvierte hatte, entschloss ich mich, noch einmal die Schulbank zu drücken, um meine mittlere Reife nachzuholen. Die Ausbildung zum Piloten wurde zu dieser Zeit von einer ehemals kostenlosen Ausbildung auf eine kostenpflichtige Ausbildung umgestellt. Da meine Eltern die finanziellen Mittel nicht hatten, ich aber meinen Berufswunsch nicht aufgeben wollte, bewarb ich mich bei der Luftwaffe. Nach den Eignungsuntersuchungen wurde ich im Oktober 1992 dort eingestellt und zum Transportflugzeugführer ausgebildet.

Mein Berufswunsch, Pilot zu werden, war so stark, dass der ganze militärische Teil der Ausbildung von mir akzeptiert wurde und ich mir als 20-jähriger über die weiteren Auswirkungen keine Gedanken machte. Nach Abschluss meiner fliegerischen Ausbildung, die in Kanada und in Bremen stattfand, schloss sich eine Offiziersausbildung an. Nach acht Jahren Luftwaffe und mehreren Einsätzen in den Krisenregionen dieser Welt beendete ich meinen Dienst dort und wechselte zu einer Tochtergesellschaft meiner jetzigen Airline. Nachdem ich dort einige Flugstunden gesammelt hatte, bot man mir einen Wechsel zur Cargo Tochtergesellschaft an. Dort hatte ich die Möglichkeit, auf einem anspruchsvollen Flugzeug (MD11) ca. 5.000 Stunden Flugerfahrung rund um die Welt zu erfliegen. Nach sieben Jahren wechselte ich im Jahr 2009 zur Konzernmuttergesellschaft, um einen Airbus A340 zu fliegen. Sowohl fliegerisch als auch wegen des Standorts München bisher einer meiner schönsten Jobs. Ich fliege im gesamten Interkontinental Streckennetz aus München ein modernes Flugzeug, das viel Spaß macht. Und in die Stadt München habe ich mich verliebt.

Was sind/waren die Herausforderungen in diesem Beruf? Was liebst Du, und was macht es anstrengend?

Die Ausbildung war eine Herausforderung. Insbesondere der Lernstoff, den man innerhalb kürzester Zeit verinnerlichen musste. Neben der Theorie wurde parallel praktisch geflogen, also galt es zusätzlich auch dies zu lernen. Fliegen ist aber nicht nur Lernen, sondern es lebt auch vom fliegerischen Gefühl. Dies wird einem an der Flugschule vermittelt. Lernen hört im Beruf des Piloten aber nie auf. So werden insbesondere bei uns jedes Jahr vier Simulator-Trainingseinheiten absolviert. Ebenfalls werden jedes Jahr mehrere schriftliche und praktische Prüfungen abgelegt. Zusätzlich hat jeder Pilot natürlich den Anspruch, auch auf dem neuesten Stand zu sein. So kommen noch einige Stunden Selbststudium zu vielen Themen (Streckenrechte, Navigation, neue Flugplätze, neue Vorschriften, Luftrecht usw.) dazu. Die Welt ist in einem stetigen Wandel, und als Pilot ist man von vielen Dingen oft betroffen.

Es gibt wohl kaum einen Job, bei dem man innerhalb von ein paar Minuten eine Entscheidung fällen muss, die bis zu 480 Menschen sofort betrifft. Ob es nun der medizinische Notfall eines Passagiers über Afrika ist, ein technisches Problem am Flugzeug oder ein Wetterumschwung unterwegs oder auch am Ziel. Unsere Passagiere erwarten zu Recht, dass wir eine sichere Entscheidung treffen. Natürlich geht es im zweiten Schritt auch um Wirtschaftlichkeit. Für all dies ist der Pilot letztendlich verantwortlich. Unterwegs trägt man auch für die Besatzung die Verantwortung. Auch hier spielen oft Sicherheitsaspekte eine Rolle, beispielsweise ob man überhaupt das Hotel verlassen sollte.

Insgesamt gibt es aber sehr viele tolle Momente. Das ist es auch, was ich ganz besonders an meinem Beruf liebe. Nach einem anstrengenden Flug in die weite Welt mit der Crew in New York essen zu gehen oder in Shanghai zu tanzen. Es gibt so viele tolle Erlebnisse, die manche Flüge unvergessen machen.

Aber der Beruf bringt auch viele anstrengende Dinge mit sich. Neben dem ständigen Lernen sind die Flüge oft entgegen der eigenen inneren Uhr. Der persönliche Schlafrhythmus lässt einen manchmal an die Grenzen des Machbaren kommen. Ein 12-stündiger Flug aus Shanghai kann trotz dreier Piloten sehr anstrengend sein. So gilt es doch auch nach 12 Stunden Flugzeit (zzgl. zwei Std. Vorbereitung und einer Std. Busfahrt vom Hotel) und oftmals über 16 Std. seit dem letzten Schlaf, ein Flugzeug mit mehr als 270 Tonnen Landegewicht und 340 Menschen an Bord sicher auf einer Asphaltpiste zu landen, die kaum breiter als das Fahrwerk ist. Leider sind diese Landungen nicht immer bei Sonnenschein, sondern auch bei Schnee, Eis, Wind und vielen anderen Einflüssen.

Wie kam es dazu, dass Du noch ein anderes Unternehmen gegründet hast, was nun wirklich gar nichts mit Deinem Beruf zu tun hat?

Die Anstrengungen meines Pilotenjobs steigen mit zunehmendem Alter. So wird das Lernen nicht einfacher und das zeitgerechte Schlafen immer wichtiger. Auch beginnt man, sich Sorgen um eine mögliche Fluguntauglichkeit zu machen. Um eine Alternative zu haben, falls eine Fluguntauglichkeit eintreten könnte, habe ich mir oft Gedanken darüber gemacht, was passiert wenn… Vor vielen Jahren habe ich meine Leidenschaft für gute Schokolade entwickelt. Auf der ganzen Welt konnte ich kosten, wie unterschiedlich der Geschmack doch ist – aber die Liebe zur Schokolade ist in allen Kulturen gleich.

Einem befreundeten Chocolatier aus New York habe ich oft aus der ganzen Welt Schokolade mitgebracht, um immer neue Rezepte und Produkte zu testen. Schnell entwickelte sich die Idee, daraus eine eigene Marke zu entwickeln. CHOCION war geboren und hat schnell Fahrt aufgenommen. Für mich galt ein ähnlicher Anspruch, wie ich ihn auch in der Fliegerei entwickelt habe: Perfektion und Leidenschaft. CHOCION ist für mich der perfekte Ausgleich, um neben meiner technischen Fliegerwelt auch meine Kreativität auszuleben. Dabei sind für mich das Wichtigste Erlebnis und Leidenschaft, genau wie beim Fliegen.

Würdest Du alles noch einmal so machen? Oder was würdest Du heute anders angehen?

Mit den Rahmenbedingungen, die mir zur Verfügung standen, würde ich es wahrscheinlich noch einmal so angehen. Allerdings würde ich versuchen, meine Ausbildung direkt bei einer Airline zu machen und nicht den Weg über die Bundeswehr wählen. Mittlerweile gibt es auch sehr gute Ausbildungsdarlehen, die dies ermöglichen.

Was rätst Du jungen Leuten, die Pilot werden wollen, und welches Rüstzeug brauchen sie dafür?

Der Beruf des Piloten ist nach wie vor sehr attraktiv. Der Bedarf in der Welt wird als sehr hoch eingeschätzt. Von über 10.000 Bewerbern jährlich in Deutschland werden allerdings am Ende nur einige wenige angenommen. Man sollte offen für Neues sein, eine liberale Lebenseinstellung und eine gute Bildung in allen Bereichen haben. Es nützt nichts, ein Mathegenie zu sein und dafür in anderen Bereichen wenige Kenntnisse zu haben. Ebenfalls muss man bereit sein, auf viele alltägliche Dinge zu verzichten, unter anderem oft auf die sozialen Kontakte. Die private Planung von Besuchen bei der Familie oder zu Festen gehört zu den alltäglichen Herausforderungen, da der Dienstplan auch das private Leben prägt – oft kann man nicht teilnehmen.

Aufgrund der sich immer schneller verändernden Welt, sollte man auch nicht allzu sehr an einen festen Standort gebunden sein. Denn wenn man heute in München, Frankfurt oder Hamburg wohnt, kann das in Zukunft auch Dubai, Istanbul oder Shanghai bedeuten. Der globale Wandel spielt hier eine große Rolle. Wer allerdings bereit ist, diese Risiken auf sich zu nehmen, den erwartet eine Fliegerwelt, die auch heute noch von Abenteuer, Sehnsucht und der großen weiten Welt geprägt ist. Es lohnt sich.

Bildnachweis: © canaryluc – fotolia.com

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