Mehr Zeit, mehr Geld

Vier Dinge gibt es, von denen man nicht genug haben kann: Gesundheit, Zeit und Geld. Und Liebe. Diese vier Faktoren hängen eng miteinander zusammen, allerdings anders, als sich die Mehrheit das vorstellt. Vermutlich denken Sie wie viele andere auch: „Wenn ich viel arbeite, habe ich mehr Geld, aber weniger Zeit.“ Ist es so? Das Gegenteil ist der Fall, und ich will erklären, warum, wobei die Themen Gesundheit und Liebe in diesem Artikel keine Rolle spielen sollen.

„Wer zu viel arbeitet, hat zu wenig Zeit, Geld zu verdienen!“ Peng! Diesen Satz knallte mir vor etwa 20 Jahren ein sehr guter Freund vor den Kopf, der mit nichts als ein paar Kleidungsstücken nach Deutschland gekommen war, weil in seinem Land die Trostlosigkeit Überhand genommen hatte, und er es schon in wenigen Monaten hier zu viel gebracht hatte.

Das muss man erst mal verdauen, vor allem, wenn man eher protestantisch erzogen wurde, wo es üblich war „hart“ zu arbeiten, um es zu etwas zu bringen. Ich ließ mir seine Philosophie etwas näher erklären und musste zugeben, dass er mit der Aussage den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Ich möchte es mal ganz einfach und drastisch herunterbrechen: mal angenommen, Sie malochen jeden Tag 10 bis 12 Stunden hart für die Firma, in der Sie angestellt sind, dann kommen Sie nach Hause, völlig erschöpft und ausgelaugt, müssen sich dann noch um den Haushalt kümmern, die Kinder haben oder machen Probleme, und wenn alles erledigt wurde, sind Sie körperlich so fertig, dass auch der Geist keine Energie mehr hat, um produktiv zu denken. Es reicht nur noch für das Sofa und irgendeine sinnentleerte Sendung im Fernsehen. Weder bleiben Sie so gesund, noch sind Sie Ihrer Familie damit eine Hilfe oder gar ein Vorbild, noch werden Sie es auf diese Weise jemals zu etwas bringen, das man ein angenehmes Leben nennen könnte!

Und Sie lösen dieses Problem nicht, indem Sie mehr arbeiten!

Die Lösung kann nur sein, dass Sie weniger arbeiten, und diese gewonnen Ressourcen nutzen, um sich darüber Gedanken zu machen, wie Sie mehr Geld verdienen und weniger arbeiten. Entweder, indem Sie sich fit machen im Thema Geldanlagen (was derzeit nicht so viel Sinn macht, da die Zinserträge eine Katastrophe und die Weltwirtschafts- und Krisenlage so verheerend sind, dass Aktien derzeit selbst für Profis eher Harakiri darstellen) oder im Thema Selbstmanagement und / oder Unternehmensgründung.

Ich habe mich nach diesem Satz in den vergangenen 20 Jahren immer wieder mit den Prinzipien des Selbstmanagements und der Unternehmensgründung und -führung beschäftigt und durfte viele wertvolle Erfahrungen sammeln.

Egal, ob Sie noch Schüler sind, Azubi, Student oder schon im Berufsleben stehen, egal ob Sie Angestellter oder Unternehmer sind – es gibt ein paar Prinzipien, und die sind für alle gleich!

Zunächst mal geht es darum, zu definieren, was Sie wollen und warum. Das ist überaus wichtig, denn wenn Sie kein Ziel, keine Perspektive haben, wird es schwer für Sie sein, am Ball zu bleiben und die folgenden Methoden anzuwenden oder durchzuhalten. Nehmen Sie sich also einen großen Zettel und schreiben Sie auf:

  • was Sie gerne haben möchten
  • was Sie gerne sein möchten
  • was Sie gerne tun möchten

Interessanter Weise beschweren sich die meisten Menschen ständig über Umstände, Menschen und Dinge, von denen sie sich irgendwie behindert fühlen, aber ihre konkreten Träume zu benennen, an deren Verwirklichung sie scheinbar gehindert werden, fällt Ihnen richtig schwer. Gehören Sie auch dazu? Dann beantworten Sie sich diese beiden Fragen:

Was würden Sie täglich tun, wenn Sie finanziell absolut frei wären mit Millionen auf dem Konto?

Und auf welche Aktivitäten würden Sie sich jeden Morgen nach dem Aufwachen am meisten freuen?

Lassen Sie sich Zeit für die Beantwortung, unterliegen Sie keiner Begrenzung und schöpfen Sie aus dem Vollen! Wenn Sie das beantwortet haben, dann haben Sie Ihre Ziele, für die es sich lohnt, einiges in Ihrem Leben zu ändern. Und bevor Sie mehr Geld verdienen können, brauchen Sie mehr Zeit!

Was habe ich nicht alles an Zeitmanagement-Büchern gelesen, und nichts davon hat irgendeinen nennenswerten Erfolg gehabt. Es geht eine Zeitlang ein kleines bisschen besser, aber nie nachhaltig! Warum das so ist, hat eine junge, findige Japanerin herausgefunden, die sich mit etwas ganz anderem beschäftigt und die absolute Expertin auf ihrem Gebiet ist: Marie Kondo. Sie ist vermutlich die am meisten bekannte Japanerin gleich nach der Kaiserin und hat sich weltweit einem Namen gemacht zum Thema „Aufräumen“. In ihrem Buch „Magic Cleaning“ beschreibt sie ihren eigenen Aufräum-Fimmel (wäre sie meine Schwester gewesen, ich hätte ihr den Hals umgedreht) und ihre jahrelangen Versuche, so aufzuräumen, dass alles ordentlich aussieht (was ihr nie gelang). Bis sie eines Tages die Erleuchtung hatte: sie trennte sich von allem, was sie nicht liebte. Man muss dieses Buch gelesen haben, um den Sinn und die Argumente zu verstehen, und ich selbst kann nur sagen: Es funktioniert! Man räumt nur ein einziges Mal auf! Und das gründlich! Danach nie wieder und hat dennoch eine perfekte Ordnung.

Es funktioniert vor allem aus einem wichtigen Grund: das Stichwort heißt „Eliminieren“. Vergessen Sie alles über Zeitmanagement, sollten Sie dazu bereits etwas gelesen haben, schmeißen Sie die Bücher weg, wenn Sie welche im Regal stehen haben und kaufen Sie keine zu diesem Thema, weil das rausgeschmissenes Geld ist. Es ist überhaupt keine gute Idee, jeden Tag mehr zu tun und jede verfügbare Minute mit geschäftigen Tätigkeiten verplanen zu wollen. Ich weiß, wovon ich rede.

Es gibt meines Erachtens zwei Gründe, warum Menschen zu beschäftigt sind: Der erste Grund ist, dass sie sich damit wichtig fühlen und ihr niedriges Selbstwertgefühl aufpäppeln wollen. Und der zweite Grund ist, dass sie sich vor den wirklich wichtigen, aber unangenehmen Aufgaben drücken. Wobei der eine den anderen Grund nicht ausschließt. Die Möglichkeiten geschäftig zu sein, sind endlos: Sie können ständig an Ihrem Smartphone herumfummeln, Sie können Ihr Outlook aufräumen, wahlweise Ihren Schreibtisch oder Ihr Zimmer / Büro, Sie können im Büro herum laufen und sich von Kollegen Dokumente geben lassen, die nicht wichtig sind, und so weiter und so fort! Sie werden selbst am besten wissen, mit was Sie Ihren Tag verdaddeln, wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind.

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen aufsteigen wollen, ist es sinnvoll, mit Akten unterm Arm und dem Handy am Ohr herum zu laufen. So bekommen Sie relativ bald eine Gehaltserhöhung und eine Beförderung als fleißiger Mitarbeiter. Blöd nur, dass Sie dann noch mehr arbeiten werden und sich nur schlecht aus dem Büro loseisen können…

Als Unternehmer sollte Ihr Ziel sein, so produktiv zu werden, dass Sie mehr verdienen bei weniger Arbeit, als Angestellter sollte Ihr Ziel sein, so produktiv zu werden, dass Sie Ihre Verhandlungsposition in zwei wichtigen Punkten verbessern können: eine Gehaltserhöhung und eine Vereinbarung, aus dem Homeoffice heraus zu arbeiten. Letzteres ist der wichtigste Punkt, denn solange Sie im Büro „unter Aufsicht“ sind, wird von Ihnen erwartet, dass Sie Ihre gewohnten Bürozeiten absitzen. Wenn Sie in weniger Zeit mehr erreichen als Ihre Kollegen, wird Ihr Chef von Ihnen nur erwarten, dass Sie diese Leistung auch in 40 Stunden in der Woche erbringen. Eine Spirale ohne Ende, die es unbedingt gilt, zu verhindern! Sie müssen sich also aus den Zwängen der festen Arbeitszeit im Büro befreien.

Wie können Sie nun mit weniger Arbeit mehr erreichen als zuvor (Unternehmer) und / oder als Ihre Kollegen (Angestellter)?

Verstehen Sie als erstes den Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz! Effektivität bedeutet, die Dinge zu tun, die uns näher an unsere Ziele heranbringen. Effizienz bedeutet, eine gegebene Aufgabe, ob sie nun wichtig oder unwichtig ist, so ökonomisch wie möglich zu bewältigen. Sie sollten aber nur Aufgaben erledigen, die effektiv sind!

Etwas Unwichtiges wird auch dadurch, dass man es gut erledigt, nicht zu etwas Wichtigem. Die Tatsache, dass eine Aufgabe viel Zeit in Anspruch nimmt, macht sie nicht wichtig.

Denken Sie bei allem, was Sie tun, an das „Pareto-Gesetz“. Pareto war Ingenieur, Soziologe und Ökonom und lebte bis 1923. Sein Gesetz lässt sich kurz zusammenfassen:

20 Prozent des Inputs sorgen für 80 Prozent des gesamten Outputs. Alternativ: 80 Prozent der Konsequenzen folgen aus 20 Prozent der Ursache, 80 Prozent der Unternehmensgewinne werden mit 20 Prozent der Produkte erwirtschaftet, und so weiter.

Sie können also so weiter machen wie bisher und irgendwann mit einem Burn-out oder Herzinfarkt zusammenbrechen oder Sie stellen Ihre Tätigkeiten und Tagesabläufe auf einen Prüfstand. Überprüfen Sie Ihre Kunden und trennen Sie sich von denen, die Ihnen viel Arbeit machen und wenig bringen. Überprüfen Sie Ihr Marketing / Werbung und kristallisieren Sie die Maßnahmen heraus, die Ihnen wirklich etwas bringen, diese können Sie dann intensivieren, den Rest lassen Sie bleiben. Fragen Sie sich immer: Was bringt mir das? Und seien Sie ehrlich zu sich selbst! Ich habe einige Jahre in einer Unternehmensberatung gearbeitet und hatte dort einen Vorgesetzten, der, wann immer jemand eine Idee hatte oder was machen wollte, fragte: „Was bringt uns das effektiv?“ Alles, was nicht effektiv war, hat er auseinander gepflückt. Das hat mich stark geprägt und war eine gute Schulung für meine spätere Selbständigkeit.

Geschäftigkeit ist eine Faulheit – die Faulheit des Denkens und wahllosen Handelns.

Konzentrieren Sie sich auf die wenigen wichtigen Geschäftspartner und Arbeitsgebiete und ignorieren Sie getrost den Rest! Unternehmer und Angestellte gehen zu verschwenderisch mit Ihrer Zeit um, weil sie ihre Aufgaben in ihrer Acht-Stunden-Kultur erledigen. Ebenso wichtig für Sie wie das Pareto-Gesetz ist auch das Parkinsonsche Gesetz, das besagt, dass sich die (scheinbare) Wichtigkeit und Komplexität einer Aufgabe in genau dem Maß ausdehnen, wie Zeit für die Erledigung zur Verfügung stehen. Wenn Sie für Ihre Seminar-Arbeit vier Wochen zur Verfügung haben, werden Sie auch so lange an dieser arbeiten, viel zu viel unwichtiges Zeug recherchieren, und Sie kommen im schlimmsten Fall nicht auf den Kern. Wenn Sie nur vier Tage zur Verfügung haben, werden Sie anders an die Aufgabe herangehen und möglicherweise eine spektakuläre Arbeit abgeben.

Reduzieren Sie also Ihre Aufgabe auf das Wesentliche, um Ihre Arbeitszeit zu verkürzen (Pareto-Regel) und verkürzen Sie Ihre Arbeitszeit, um die Aufgabe auf das Wesentliche zu beschränken (Parkinsonsche Gesetz).

Und stellen Sie sich jeden Tag mindestens zweimal die Frage: Bin ich gerade produktiv oder nur aktiv?

Und: Erfinde ich Aufgaben, um wichtigen Dingen aus dem Weg zu gehen?

Nehmen Sie dafür ein Post-it, geben Sie eine Terminerinnerung bei Outlook ein oder stellen Sie auf dem Smartphone den Wecker.

Ich kann gar nicht sagen, wie vielen Leute ich in meinem Leben begegnet bin, die stolz darauf waren, Multi-Tasking-fähig zu sein. Ich war und bin es auch, habe es mir aber zunehmend abgewöhnt. Wer richtig priorisiert, braucht kein Multi-Tasking, und wenn Sie mehrere Aufgaben gleichzeitig machen, werden Sie sich zwar produktiv fühlen, aber in Wirklichkeit weniger erreichen! Wie ich oben bereits erwähnte, ist einer der Gründe für Geschäftigkeit, sich wichtig zu fühlen. Es kommt aber für Ihren Arbeitgeber und die anstehenden Verhandlungen nicht darauf an, ob Sie sich wichtig fühlen, sondern wie effektiv und produktiv Sie arbeiten. Das gilt natürlich auch für Unternehmer.

Sie sollten daher höchstens zwei wichtige Ziele am Tag haben. Nicht mehr! Erledigen Sie diese nacheinander von Anfang bis Ende – und zwar ohne Ablenkung. Geteilte Aufmerksamkeit führt zu mehr Unterbrechungen, Konzentrationsaussetzern, schlechteren Ergebnissen und damit zu Unzufriedenheit. Versuchen Sie gar nicht, zu diskutieren, dass das bei Ihnen garantiert anders ist, dass Sie ein toller Hecht sind, der alles auf einmal kann und dennoch produktiv ist. Vergessens Sie das und streichen Sie Multi-Tasking! Es gibt mittlerweile genug wissenschaftliche Studien, die Ihnen das Gegenteil belegen.

Nun ist die Gretchenfrage, wie Sie sich Ablenkungen vom Hals schaffen. Eine der größten Ablenkungen in dieser Zeit ist die Medienflut, die auf uns einstürmt. Das Smartphone brummt und vibriert bei manchen Menschen im 5-Minuten-Takt, Sie werden von unzähligen E-Mails bestürmt, das Telefon klingelt, und dann steht auch immer mal wieder ein Kollege bei Ihnen in der Tür. Hierfür gibt es den Begriff der „selektiven Ignoranz“. Den müssen Sie kultivieren!

Es ist von größter Wichtigkeit, alle Informationen und Unterbrechungen, die irrelevant oder unwichtig sind und mit denen Sie nichts anfangen können zu ignorieren oder umzuleiten. Die meisten Informationen fallen unter alle drei Kategorien. Bedenken Sie bitte, dass eine SMS von jemandem aus Ihrem engsten Umfeld, der Ihnen mitteilt, dass er Beziehungsprobleme hat und es ihm ganz schlecht geht, für Sie und Ihre Arbeit unwichtig sind. Um diese Dinge kann man sich später kümmern.

Das bedeutet im Klartext:

  1. Kaufen Sie keine Zeitungen und schauen Sie keine Nachrichten mehr. Das kostet Sie unnötig Zeit, Sie ballern sich nur voll mit negativen Schlagzeilen und sind deswegen auch nicht viel informierter. Wenn wirklich Katastrophen passieren, werden Sie das ohnehin erfahren. Es reicht völlig aus, die Schlagzeilen in den Zeitungsautomaten zu lesen.
  2. Erhöhen Sie Ihre Lesegeschwindigkeit! Es gibt unzählige Seminare, Literatur und Software zum Thema Speedreading, mit der Sie Ihre Lesegeschwindigkeit optimieren können.
  3. Beginnen Sie sofort mit einer einwöchigen Medien-Fastenkur! Weder wird die Welt untergehen noch werden Sie Katastrophen in Ihrem persönlichen Leben erleiden, wenn Sie nicht mehr am Informationstropf hängen. Am leichtesten befreien Sie sich von ihrer Medienabhängigkeit mit der „Pflaster-Methode“. Lösen Sie sich schnell und mit einem Ruck davon. Gehen Sie auf Entzug.
    Ab jetzt gelten für die nächsten fünf Tage:
    – keine Zeitungen, Zeitschriften, Hörbücher oder Radiosendungen mit informativen Inhalt
    – keine Nachrichtenseiten im Internet
    – kein Fernsehen (bis auf eine Stunde am Abend, wenn Sie möchten, zur Unterhaltung
    – keine Bücher
    – kein Surfen im Internet, es sei denn, es ist für eine Aufgabe, die an diesem Tag erledigt werden muss, unbedingt notwendig. Wenn Sie Angst haben, dass Sie etwas verpassen könnten, arbeiten Sie mit einem Mental-Coach an Ihren Ängsten und fragen Sie Ihre Kollegen bei der Mittagspause „Irgendetwas los auf der Welt? Ich bin noch nicht dazu gekommen, mir eine Zeitung zu kaufen.“ Wenn Sie feststellen, dass die Antwort Ihr Handeln überhaupt nicht beeinflusst, hören Sie auf damit, zu fragen und bleiben Sie bei Ihrer Medien-Diät.

Sie werden feststellen, dass Sie dadurch unfassbar viel Zeit gewonnen haben, die Sie anderweitig nutzen können. Wie wäre es, wenn Sie stattdessen mit Ihrem Partner intensive Gespräche führen, mit Ihren Kindern spielen oder sich mit Freunden treffen?

Gewöhnen Sie sich an, sich selbst zu fragen: „Ist diese Information definitiv und unmittelbar wichtig für mich? Werde ich sie verwenden?“ Es reicht nicht, Informationen für etwas zu verwenden; es muss sofort geschehen und es muss wichtig sein. Wenn Sie eines der beiden Kriterien verneinen, dann brauchen Sie diese Information nicht.

  1. Sehr viele Menschen haben einen Sprachfehler: Sie können nicht „Nein“ sagen! In meinem Jura-Studium war ich noch Laissez-faire, später nach einigen Jahren im Arbeitsleben bin ich mein Wirtschaftsstudium anders angegangen. Wenn meine Note nicht mindestens eine sehr gute Zwei war, ging ich mit einem Haufen vorbereiteter Fragen zu dem Dozenten und löcherte ihn so lange, bis alle meine Fragen beantwortet waren. Das konnte zwei Stunden dauern. Mit dieser Strategie verfolgte ich zwei Ziele: ich erfuhr zum Einen, wie er bewertete und welche Vorlieben und Abneigungen er hatte und außerdem konnte ich so sicher sein, dass er mir nur aus ganz wichtigem Grund eine schlechte Note geben würde. Denn er wusste, dass ich andernfalls wieder vor seiner Tür stehen würde, um ihm zwei bis drei Stunden seiner Zeit zu nehmen. Lernen Sie unbequem zu sein! Es ist an der Uni wie im richtigen Leben: Wer den Ruf hat, durchsetzungsstark zu sein, wird bevorzugt behandelt und muss nicht jedes Mal drum kämpfen. Die meisten Leute drängen Ihnen irgendwelchen Müll auf; es gibt aber Tricks, wie Sie sich dagegen erfolgreich zur Wehr setzen können und die es für andere sehr unangenehm machen Sie zu nerven. Setzen Sie sich gegen Informationsbelästigung zur Wehr! Sagen Sie „Nein“. Jede Unterbrechung hindert uns daran, eine entscheidende Aufgabe konzentriert und zügig abzuarbeiten. Dabei gibt es drei Gruppen von Störern: Zeitverschwender, Zeitfresser und versäumtes Empowerment. Zeitverschwender sind Dinge, die man folgenlos ignorieren kann. Die am weitesten verbreiteten sind Meetings, Diskussionen, Telefonanrufe und E-Mails, die unwichtig sind. Zeitfresser sind Aufgaben oder Anfragen, die erledigt werden müssen und denen wir uns aus Routine regelmäßig widmen: Mails lesen und beantworten, Telefonate und Rückrufe erledigen, Kundendienst, Besorgungen, Botengänge und vieles mehr. Versäumtes Empowerment sind Fälle, in denen sich jemand immer erst eine Erlaubnis einholen muss, bevor er eine Kleinigkeit veranlassen kann. Was tun?
  2. Zeitverschwender lassen sich am leichtesten abwenden und eliminieren. Entweder werden sie abgeblockt oder wenn das nicht geht, wird umgehend gehandelt, aber man setzt sich mit ihnen nicht umständlich auseinander. Die häufigste Unterbrechung sind das Konsumieren und Produzieren von Mails.

    Hier können Sie viel erreichen, wenn Sie zwei Dinge berücksichtigen. Erstens: Schalten Sie den Signalton für ankommende Mails aus und deaktivieren Sie das automatische Senden und Empfangen von Mails, das ihnen unmittelbar Mails in den Posteingang spült, sobald jemand diese abgeschickt hat. Zweitens: Ihr mittelfristiges Ziel sollte sein, maximal zwei Mal die Woche Ihre Mails zu bearbeiten. Beginnen Sie damit langsam, indem Sie zunächst das Bearbeiten der Mails auf maximal zwei Mal pro Tag reduzieren. Einmal vor der Mittagspause und einmal um 16 Uhr. Das hat enorme Auswirkungen auf Ihre Arbeit und die Zeit. Erledigen Sie Ihre wichtigsten Aufgaben Morgens als erstes bis spätestens 11 Uhr, damit Sie keine Ausreden haben bezüglich anderer Arbeiten. Verfassen Sie eine Autoreply-Mail, die Ihre Kollegen, Ihren Chef, Lieferanten oder Kunden darüber freundlich informiert, dass Sie nicht mehr ständig erreichbar sind und dazu zwingt, effektiver mit Ihnen zu kommunizieren. Hinterlassen Sie in der Autoreply-Mail eine Mobilnummer für wirklich wichtige und dringende Angelegenheiten. Fragen Sie nicht danach, sondern tun Sie es einfach! Bitten Sie um Verzeihung, aber nicht um Erlaubnis! Wenn Sie sich nicht trauen, sprechen Sie Ihren unmittelbaren Vorgesetzten darauf an und schlagen Sie vor, diese Methode drei Tage auszuprobieren, und wenn es gut läuft, dann auszudehnen. Führen Sie einfach dringende Projektaufgaben oder ständige Unterbrechungen mit der Folge der Ineffektivität als Grund an. Ziel sollte bald sein, Mails auf einmal täglich zu begrenzen. Wenn Ihre Kollegen / Kunden / Lieferanten wissen, dass Sie nur einmal reagieren, so werden auch diese effektiver arbeiten. Ähnlich sollten Sie mit Ihrem Telefon verfahren.

    Benutzen Sie zwei Apparate – einen Festnetzanschluss im Büro, an dem nur der Anrufbeantworter angeht mit der Nachricht, dass Sie in dringenden Notfällen unter Ihrer Mobilnummer erreichbar sind, und eben dieses Mobiltelefon.
    Wenn das Mobiltelefon klingelt, sollte es also dringend sein, und der Grund des Anrufes sollte im Vordergrund stehen. Andernfalls sollten Sie dem Anrufer nicht erlauben, Ihre Zeit in Anspruch zu nehmen. Nennen Sie Ihren Namen, wenn Sie den Anruf annehmen, und teilen Sie dem Anrufer mit, dass Sie in einer wichtigen Sache stecken und fragen Sie, was Sie für ihn tun können. Lassen Sie den anderen nicht abschweifen, Wohlbefinden und Wetter sind hier unwichtig. Wenn der andere weitschweifig erzählt oder aber das Gespräch auf später verschieben will, machen Sie ihm klar, dass Sie auch später für längere Gespräche keine Zeit haben und nageln Sie ihn fest. Er soll zur Sache kommen und nach zwei, drei Minuten ist das Telefonat erledigt. Die allermeisten Dinge sind nicht dringend. Bringen Sie Ihre Kollegen / Mitarbeiter dazu die Kommunikationswege in dieser Reihenfolge zu benutzen: E-Mails, Telefon, Meeting. Womit wir beim zweitgrößten Zeitfresser wären: den Meetings.

    Ich habe in unterschiedlichen Firmen in den vergangenen Jahrzehnten an Meetings teilgenommen und kann nur sagen: 95 Prozent aller Meetings sind überflüssig. Als Youngster schmeicheln sie dem Ego, man fühlt sich wichtig und hat das Gefühl, dazu zu gehören. Stimmt! Sie gehören zu den Tausenden von Deppen, die ihre Zeit in Meetings vergeuden statt Ergebnisse zu produzieren.
    Gewöhnen Sie sich Meetings auf jeden Fall ab, in denen ein Problem erst definiert werden muss. Das muss alles vorher geklärt sein. Will jemand Sie in eine Telefonkonferenz oder ein Meeting einladen, lassen Sie sich rechtzeitig vorher eine Agenda schicken mit den Themen und Fragen, die geklärt werden müssen, und lassen Sie keinen Zweifel aufkommen, dass Sie die Agenda haben wollen. Wenn diese dann da ist, können Sie alle Fragen und Punkte auch per Mail klären.
    Wenn Sie das Meeting auf keinen Fall verhindern können, erfinden Sie einen wichtigen Termin und sorgen Sie dafür, dass Ihr Teil am Anfang abgehandelt wird. Sie haben nur 20 Minuten Zeit, in dieser Zeit muss das wichtigste besprochen sein, dann machen Sie sich vom Acker. Wenn Sie vorher gehen, stellen Sie sicher, dass Sie anschließend über die Ergebnisse informiert werden. Wenn Ihr Vorgesetzter Sie unbedingt bei einem Meeting dabei haben will, bleiben Sie hartnäckig, aber seien Sie diplomatisch. Teilen Sie ihm mit, dass Sie gern zu dem Meeting gehen würden, Sie aber ein paar wichtige Dinge haben, die Sie dringend erledigen müssen. Sie würden dieses eine Meeting gern aussetzen, denn Sie wären mit ihren Gedanken ohnehin woanders und versprechen Sie ihm, dass Sie sich hinterher beim Kollegen XY genau erkundigen werden. Und dann stellen Sie sicher, dass Sie in dieser Zeit mehr erreichen als die Teilnehmer aus den Meetings!
  3. Zeitfresser sind wiederkehrende Aufgaben, und es lohnt sich, diese zu sammeln. Sammeln Sie ähnliche Aufgaben und erledigen Sie diese gemeinsam zu einem bestimmten Zeitpunkt. Machen Sie nicht den Fehler, härter zu arbeiten, wenn die Lösung darin besteht, schlauer zu arbeiten. Echte Probleme treten nur selten auf!
  4. Fehlendes Empowerment bedeutet, dass jemand nicht in der Lage ist, eine Aufgabe auszuführen, ohne vorher die Erlaubnis einzuholen. Die eigenen Arbeitsschritte werden also stark kontrolliert. Das ist ungünstig und zwar für beide Seiten, weil es unnötig Zeit kostet. Menschen sind oftmals schlauer, als Sie als Unternehmer denken. Geben Sie Ihnen also eine Chance, sich zu beweisen. Dabei dürfen auch Fehler entstehen, solange die Fehler nicht teurer sind als der Wert der Zeit, die Sie sparen mit dem Delegieren.
    Wenn Sie Angestellter sind und Ihre Arbeit dadurch behindert wird, dass Sie alle Entscheidungen ständig abklären müssen, dann vereinbaren Sie ein Gesprächstermin mit Ihrem Chef und erklären Sie ihm, dass Sie produktiver sein werden und ihn weniger oft bei seiner Arbeit unterbrechen möchten. Schlagen Sie ihm eine einwöchige Testphase vor und schließen Sie mit dem Satz: „Hört sich das für Sie vernünftig an?“ Auch Ihr Chef will nicht unvernünftig dastehen, und in den meisten Fällen wird er sich darauf einlassen. Kontrollieren Sie mit ihm die Ergebnisse und bauen Sie Ihre Kompetenzen aus.
  5. Und üben Sie sich immer wieder im „Nein“-Sagen!
    Die meisten Menschen können schlecht „Nein“ sagen, weil Sie Angst vor Ablehnung haben und fürchten, sich unbeliebt zu machen. Wenn das auf Sie zutrifft, dann arbeiten Sie auch an Ihrer Persönlichkeit und stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl. Wer nur nett zu Ihnen ist, weil Sie immer „Ja“ sagen, auf den können Sie auch gern verzichten.

Verinnerlichen Sie, dass Sie keineswegs wichtig sind, wenn bei Ihnen dauernd das Telefon klingelt und die Mails nur so reinrauschen. Menschen, die wirklich wichtig sind, machen sich rar, und sie handeln so, wie ich es oben beschrieben habe! Wenn Sie also permanent am Smartphone hängen und Mails checken, ist das eher ein Zeichen für Selbstdarstellung in Kombination mit Missmanagement. Lassen Sie diesen Satz mal wirken!

Wenn Sie diese Punkte alle berücksichtigen, werden Sie schlagartig sehr viel mehr Zeit haben, die Sie anderweitig nutzen können. Als Angestellter empfehle ich Ihnen dringend, die Zeit teilweise zu nutzen, um effektiver und produktiver zu sein als Ihre Kollegen. Damit wird es schwieriger für das Unternehmen, Sie raus zuschmeißen. Warum sollte Ihre Firma das tun? Nun, wie ich schon anfangs erwähnte, geht es nicht darum, dass Sie weiter wie ein Geistesgestörter ackern! Sie sollen sich lediglich von Ihren Kollegen abheben, indem Sie produktiver sind und bessere Zahlen haben, und dann vor allem versuchen, Ihren Chef davon zu überzeugen, dass Sie im Homeoffice noch effektiver sein werden als in der Firma! Damit entziehen Sie sich der Kontrolle und Sie sind auf dem besten Weg, ein sehr befriedigendes Leben zu haben mit mehr Zeit!

Vieles von der Arbeit, die anfällt, egal ob privat oder beruflich, lässt sich auch wunderbar outsourcen. Denken Sie wirtschaftlich! Es ist nicht wirtschaftlich, bei einem Stundenlohn von umgerechnet 30 Euro die eigene Wohnung selber zu putzen, wenn das eine Reinigungskraft für die Hälfte macht. Sie glauben gar nicht, was man alles delegieren kann! Telefonate, Mails, Briefe, Recherchearbeit, Artikel, Interviews, Konzertkarten, Überweisungen und vieles mehr. Wenn Sie wollen, können Sie auch noch die Streitereien mit Ihrem Partner delegieren. Das ist kein Scherz!

Was fangen Sie nun mit Ihrer freigeschaufelten Zeit an? Ganz einfach: Entweder genießen Sie diese Zeit in vollen Zügen und tun dann das, worauf Sie schon immer Lust hatten oder gehen verstärkt Ihrem Hobby nach, Sie können Reisen, andere Sprachen lernen… Vermutlich fallen Ihnen genug Dinge ein, die Sie gern machen.

Oder aber Sie nutzen die Zeit, um nebenbei ein Unternehmen aufzubauen. Das macht absolut Sinn, aber achten sie darauf, dass es sich dabei um eine Unternehmensform handelt, in der Sie das Meiste outsourcen können, damit Sie all die Dinge tun können, die Sie mögen und nicht wieder in ein Hamsterrad kommen. Ich selbst habe nach den oben genannten Grundsätzen weitgehend gehandelt, aber was ich nicht kann, ist meine Beratung outzusourcen. Ich muss anwesend sein, und die Beratung mit dem anschließenden Abschlussgespräch nimmt einen Großteil meiner Zeit ein. Damit habe ich nicht die Möglichkeit, meinen Job in nur wenigen Stunden in der Woche zu erledigen. Machen Sie es also besser als ich! Was mich tröstet bei der Angelegenheit ist die Tatsache, dass ich meine Arbeit sehr liebe und meine Berufung lebe.

Wenn Sie diese Tipps umsetzen, werden Sie erfolgreich sein! Und Sie werden mehr Geld verdienen bei weniger Arbeit!

Bildnachweis: © Ilaszlo – shutterstock.com

 

 

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