Bewerbungsgespräche – Die richtige Kleiderwahl

Was ziehe ich zum Vorstellungsgespräch an? Das ist sicher ein Thema, das vor allem die junge Generation am meisten bewegt, da sie noch keine ausreichende Erfahrung diesbezüglich sammeln konnte. Vor allem, wenn es um den Ausbildungsberuf geht oder um das erste ernstzunehmende Praktikum während des Studiums. In den allermeisten Bewerbungsratgebern finden sich hierzu leider keine ausführlichen Informationen, sondern eher abstraktes allgemeines BlaBla. Daher möchte ich an dieser Stelle ganz konkrete Hinweise geben, und um das Ganze noch plastischer zu machen, greife ich hier einige Branchen exemplarisch heraus.  

Worauf es bei Bewerbungsgesprächen ankommt, habe ich bereits in einem anderen Artikel geschrieben, aber die Kleiderwahl verdient mehr als nur drei Zeilen. Drei Aspekte sind hier wichtig: Das Unternehmen, in dem Sie sich bewerben, die Position und der eigene Wohlfühlcharakter.

Handwerksberufe (z.B. Holz und Metall – Schreiner, Anlagenmechaniker, etc.)
Das sind nicht nur klassische Ausbildungsberufe für Haupt- und Realschüler – auch Abiturienten wählen diese Ausbildungsberufe als gute Grundlage für ihr anschließendes Studium. Anzug und Krawatte bei den Jungs und Kostüm oder Hosenanzug bei den Mädels sind hier bei Bewerbungen eher fehl am Platz. Besser passend sind hier eine gut sitzende Stoffhose, es kann auch mal eine sehr hochwertige Jeans ohne Destroyed-Look sein und ein gut sitzendes, unifarbenes Hemd. Mit „weiß“ macht man nie etwas verkehrt. Ein guter und gut sitzender, eher einfarbiger Pullover kann im Winter auch darüber getragen werden. Als Schuhwerk machen sich Lederschuhe immer gut, auf Turnschuhe oder Sneakers würde ich eher verzichten. Für die Mädels gilt das ebenfalls; sie können dann eine Bluse statt des Herrenhemdes tragen. Ganz grundsätzlich würde ich Ihnen empfehlen, hier nicht zu dick aufzutragen und zu gut gekleidet zu sein, sonst könnte man den Eindruck gewinnen, Sie können nicht gut „mit anpacken“.

IT und Mathematik
Hier kommt es ganz stark darauf an, in welchem Unternehmen und für welche Abteilung Sie sich bewerben. Haben Sie dort auch Kundenkontakt? Machen Sie sich die Mühe, herauszufinden, wie Ihre potenziellen künftigen Kollegen gekleidet sind, um einen Anhaltspunkt für sich selber zu haben. Auch wenn der Begriff IT nach außen etwas unkonventionell klingt, so darf das Vorstellungsgespräch auch durchaus im Anzug sein, mindestens aber eine gute Hose und ein weißes Hemd sind hier angebracht. Auf die Krawatte dürfen Sie jedoch getrost verzichten. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je mehr Kundenkontakt die Position, auf die Sie sich bewerben, mit sich bringt, um so seriöser sollten Ihr Auftreten und die Kleidung sein.

Banken und Versicherungen
Das sind wohl die konservativsten Bereiche, für die Sie sich bewerben können, und so sollte auch die Kleidung sein. Dominierend sind hier die so „lebensbejahenden“ Farben schwarz, dunkelblau und anthrazit, wobei sich das Erscheinungsbild zumindest bei den Banken im Schalterbereich deutlich gewandelt hat. In dem Maße, wie die Seriosität der Banken in der Öffentlichkeit abnimmt, so schwindet auch zunehmend das konservative Erscheinungsbild der Damen und Herren am Schalter. Dennoch sollten Sie sich bei Ihrer Kleiderwahl für das Vorstellungsgespräch hiervon nicht beeinflussen lassen! Anzug und Krawatte bei den Jungs, Kostüm oder Hosenanzug bei den Mädels.
Achtung bei den Schuhen: Hier passen nur noch Lederschuhe und das Bild ist erst dann stimmig, wenn es sich auch um Schuhe mit Ledersohlen handelt. Gummisohlen machen keinen schönen Schuh und verschandeln ein bisschen den Gesamteindruck. Für die Mädels gilt: Ballerinas sind hier ebenso fehl am Platz wie High Heels. Ein schöner halbhoher Schuh, von der Farbe her passend zum Rest des Outfits ist genau richtig. Und die Schuhe sollten geschlossen sein! Bitte keine Sandalen oder Peeptoes.

Eine warme Empfehlung für das weibliche Geschlecht lautet im Übrigen: Finger weg von Blusen, wenn Sie einen Blazer oder eine Kostümjacke tragen!!

Ziehen Sie ein einfarbiges, eher engeres Shirt darunter, dann sitzt auch der Blazer ausgezeichnet, weil darunter nichts aufträgt oder verkruschtelt. Ich habe wirklich noch nie – selbst bei Top-Managerinnen in der Wirtschaft – einen perfekten optischen Auftritt mit Bluse unter dem Blazer gesehen! Sehr gut gekleidet ist übrigens unsere Kanzlerin Angela Merkel: Ihrer Modeberaterin gehört in diesem Punkt ein Orden verliehen.

Kanzleien
Hier befinden Sie sich in einer Spannbreite von mittlerer bis stark konservativer Kleiderwahl – das hängt ganz davon ab, für welche Position Sie sich bewerben und in welcher Kanzlei. Im Zweifel würde ich hier der stark konservativen Richtung den Vorzug geben. Es kann eine in diesem Punkt entspannte Kanzlei sein, in der auch der oder die Inhaber etwas locker gekleidet sind, es kann aber auch ganz anders laufen. Einer meiner Freunde hatte sich bei einer Groß-Kanzlei in New York für eine hohe Position beworben und trug an seinem ersten Arbeitstag einen perfekt sitzenden Anzug mit teuersten Lederschuhen, eine perfekt geknotete Krawatte und natürlich ein sehr wertiges Manschettenhemd und wurde wenige Stunden später dennoch von einem der Partner der Kanzlei zusammengefaltet. Er hatte es gewagt, ein Hemd zu tragen, das einen kaum wahrnehmbaren Blauschimmer enthielt und nicht rein-weiß war! So kann es auch gehen…

Handel
Auch hier hängt es von der Position und vom Geschäft und Geschäftsumfeld ab, wie Sie sich kleiden sollten. In großen Mode- oder Kaufhäusern eher konservativ mit Anzug und Krawatte bzw. Kostüm und Hosenanzug, wobei die Mädels durchaus ein bisschen Farbe in die Kleiderauswahl packen können, z. B. durch ein pinkes Top unter dem Blazer oder durch eine farbig auffällige Handtasche. Bei kleineren Häusern darf es für beide Seiten auch etwas modischer zugehen, aber niemals bieder oder „aus der Zeit gefallen“.

Wirtschaft, Verwaltung, Büro
Ähnliches gilt für Bewerbungsgespräche in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung. Hier ist die Spannbreite sehr groß, daher möchte ich zwei Beispiele herauspicken. Wer sich in der Verwaltung oder im Öffentlichen Dienst bewirbt, sollte eine eher unauffällige Kleiderwahl treffen, die nicht teuer aussehen muss (es sei denn, man bewirbt sich hier für Top-Positionen). Andernfalls könnte der Personaler den Eindruck gewinnen, dass Sie nicht gut ins Team oder ins Gesamtbild passen und es Unruhe geben könnte.

Bei einem Ausbildungsplatz in der Wirtschaft oder bei der Bewerbung um einen Bürojob sieht die Lage unter Umständen schon anders aus. Hier hängt es von der Größe des Unternehmens und seiner Ausrichtung ab, ob Sie eher konservativer oder doch leicht modischer auflaufen können. Bei einem Schraubenhersteller würde ich die etwas konservative Variante empfehlen, im Bereich Mode und Lifestyle die kreativere oder farbigere.

Kreatives Umfeld
Im kreativen Umfeld wie zum Beispiel in Werbeagenturen ist dagegen ein biederes Outfit verpönt. Allerdings geht in großen Agenturen auf Positionen mit Kundenkontakt ohne Anzug auch fast gar nichts, wobei man auf die Krawatte getrost verzichten kann. Zumindest sollte es für die Männer das typische Werber-Schwarz mit sehr hochwertigen Klamotten sein. Wer sich als Praktikant bewirbt, kann auch unkonventioneller auftreten, und es gehen sogar so rot gefärbte Haare à la Kati Wilhelm. Auch im weiteren Medienumfeld wie Produktionsfirmen darf es unkonventioneller sein, wenn kein Kundenkontakt vorgesehen ist.

Aber egal, ob kreatives oder konservatives Umfeld: Es gibt ein paar ganz allgemeingültige Regeln, die für alle Personen und für alle Bereiche gelten.

Für Männer

  • Tragen Sie immer gut sitzende Hosen, Anzüge und Sakkos! Nichts sieht lächerlicher aus, als wenn Sie irgendetwas anziehen, das nicht wirklich gut sitzt, Hauptsache, es steht Anzug drauf. Die Kleidung sollte weder zu kurz noch zu lang, weder zu weit noch zu eng sitzen. Es ist einfach ein schlechter Auftritt, wenn der Personaler den Eindruck bekommt, dass Sie das gute Stück das letzte Mal bei der Konfirmation oder der Beerdigung Ihrer Großmutter vor sechs Jahren getragen haben. Das hat auch etwas mit Respekt dem anderen gegenüber zu tun.
  • Tragen Sie Socken, die farblich zum Anzug oder zu den Schuhen passen. Weiße Socken gehören auf den Tennisplatz und sonst nirgendwo hin! Die Socken sollten so lang geschnitten sein, dass man Ihre nackten Beine auch im übergeschlagenen Zustand nicht sehen kann. Probieren Sie das vorher aus. Die nackten stacheligen Schienbeine von Männern sind kein schöner Anblick!
  • Wenn Sie Krawatte tragen, legen Sie auch Wert auf einen perfekten Knoten. Im Internet finden Sie verschiedene Arten von Knoten und die entsprechenden Bindevarianten.
  • Schmuck bei Männern ist eher schwierig. Hals- und Armkettchen sollte man auf keinen Fall zu Bewerbungsgesprächen tragen und im Job eher nur dann, wenn man keinen Kundenkontakt hat. Ein Ring, der eine Partnerschaft signalisiert und eine Uhr reichen völlig aus.
  • Achten Sie auf gepflegte Hände! Wenn Sie der Typ sind, der eher mal raue Hände hat, so kann das Sinn machen, sich bereits Tage vorher immer mal wieder die Hände einzuschmieren, damit diese am Tag X einigermaßen weich sind. Eine der besten Handcremes auf dem Markt bietet Aveda an. Wenn man sie ein paar Mal verwendet hat, benötigt man sie eher weniger. Auch eine Maniküre schadet nicht: Nägel kurz feilen, Nagelhaut zurück schieben und Nagelöl verwenden. Ich finde das Nagelöl von Artdeco mit Macadamiaöl mit Abstand am besten. Und wenn Sie das affig oder übertrieben finden mögen: Jede Frau wird es Ihnen danken! Denn wir schauen nach dem Gesicht als erstes auf die Hände! Und wer mag schon von rauen, ungepflegten Händen wirklich gern angefasst werden?

Für Frauen

  • Die gut sitzende Kleidung gilt auch für Sie – sowohl, was das Kostüm als auch den Hosenanzug angeht.
  • Wenn Sie ein Kleid z.B. Etui-Kleid oder einen Rock tragen, achten Sie darauf, dass Ihr Rocksaum knapp unterhalb des Knies endet. Sie werden sonst im Vorstellungsgespräch durch das Sitzen sehr viel mehr Bein zeigen, als gewünscht und unter Umständen permanent damit beschäftigt sein, während des Sitzens den Rocksaum immer wieder hinunter zu ziehen. Das ist nicht nur unschön, sondern lenkt Sie und unter Umständen Ihren Gesprächspartner von dem wichtigeren Thema ab, um das es ja gehen soll. Daher kann der Hosenanzug generell die bessere Wahl darstellen.
  • Tragen Sie auf keinen Fall zu tiefe Ausschnitte und achten Sie penibel darauf, unter keinen Umständen sexy zu wirken. Diese Freiheit hatte lediglich Julia Roberts alias Erin Brockovich, und das war auch nur ein Film.
  • Wenn Sie Blazer tragen, verzichten Sie auf Blusen und wählen Sie stattdessen ein engeres Business-Shirt. Alles andere wirkt schnell unordentlich.
  • Gehen Sie sehr sparsam mit Schmuck um! Ohrstecker sind schön, ein Gehänge schon weniger, Halsketten können leicht „madammig“ wirken, und zu viel anderes „Tüddelüt“ lenkt ebenfalls ab.
  • Gehen Sie auch sparsam mit Makeup um, da Sie sonst zugekleistert wirken können. Wenn Ihre Haut einigermaßen ebenmäßig ist, verwenden Sie einfach nur ein leichtes Puder, damit Sie frischer im Gesicht aussehen, zu viel Lidschatten und knalliger Lippenstift sind ebenfalls nicht schön. Ein Nude-Look ist hier angebrachter.
  • Tragen Sie gutes Schuhwerk, das zu Ihrem restlichen Outfit passt, auch farblich, und in dem Sie bequem gehen können. Falls Sie neue Schuhe haben, „laufen“ Sie die vorher etwas ein. Wenn Ihnen beim Gespräch die Füße wehtun, weil Sie Blasen haben, lenkt Sie das ab und falls Sie anschließend einen Rundgang durchs Gebäude machen, verändert das entweder Ihr Gangbild oder Ihre Mimik…
  • Die Schuhe sollten vor allem vorn geschlossen sein, und wer nicht perfekt in Schuhen mit Fersenriemchen laufen kann, sollte diese nur im privaten Umfeld anziehen.
  • Tragen Sie immer Strumpfhosen oder Strümpfe. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese blickdicht sind, weil das jetzt gerade modisch angesagt ist, oder ob diese hautfarben sind und nur zart Ihre Beine bedecken. Nackte Beine sind eher mal verpönt.
  • Während die Männer mehr Wert auf gepflegte Nägel legen sollten, gilt für die Frauen zwar nicht das Gegenteil, aber doch immerhin der Spruch: „Weniger ist mehr“. Stark lackierte, womöglich auch noch falsche Nägel oder gar mit bunten Glitter und Strasssteinchen verzierte Nägel haben weder im Vorstellungsgespräch noch im Business was zu suchen. Und liebe Damen, lassen Sie es sich gesagt sein: nur ganz, ganz wenige Männer finden das schön… Die allermeisten tolerieren es lediglich und haben keine Lust auf Diskussionen und halten daher lieber den Mund.

Und für beide Geschlechter gilt generell:
Ziehen Sie Ihre Blazer und Sakkos nicht aus und bedecken Sie generell Tattoos, so weit es möglich ist. Wenn Sie sich in Ihrem Outfit nicht wohlfühlen, dann sollten Sie das Tragen dieser Kleidung vorher ausreichend üben, auch um sich schon mal für die Zukunft zu wappnen. Denn nur, wenn Sie sich in Ihrer Kleidung auch wohlfühlen, können Sie einen lockeren und authentischen Eindruck hinterlassen – so weit das natürlich unter der sonstigen Anspannung möglich ist.

Bildnachweis: © Aaron amat – Shutterstock.com

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