Die Bologna-Reform – Von Diplom und Magister zu Bachelor und Master

Gibt es den Bachelor nur an Fachhochschulen und den Master an den Universitäten? Muss ich einen Bachelor machen und was sind Credits? Ist es nicht sinnvoller, im Ausland zu studieren? Diese und viele andere Fragen beschäftigen häufig die Jugendlichen und deren Eltern, wenn sie in unsere Beratung kommen. Das Wissen ist eher rudimentär, das Angebot vielfältig und unübersichtlich, die Vorurteile riesengroß – entnervte Jugendliche und überforderte Eltern sind oftmals die Folge. Daher möchte ich hier ein paar Hintergründe erläutern, mit Vorurteilen aufräumen und mehr Struktur in das neue System bringen.

Hintergründe

Der Begriff Bologna-Prozess bezeichnet die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens bis zum Jahr 2010. Er beruht auf einer 1999 von 29 europäischen Bildungsministern im italienischen Bologna unterzeichneten Erklärung, u.a. mit dem Ziel, ein konsekutives, zweistufiges System mit den Abschlüssen Bachelor und Master einzurichten.

Der Bologna-Prozess verfolgt drei Hauptziele: Die Förderung von Mobilität, von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und von Beschäftigungsfähigkeit. Unterziele sind unter anderem:

  • die Schaffung eines Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse
  • die Schaffung eines zweistufigen Systems von Studienabschlüssen (Bachelor und Master – konsekutiv und nicht-konsekutiv)
  • die Einführung eines Leistungspunktesystems, des European Credit Transfer System (ECTS)
  • die Förderung der Mobilität – nicht nur räumlich, sondern auch kulturell und zwischen Hochschulen und Bildungsgängen
  • Förderung der europäischen Zusammenarbeit bei der Qualitätsentwicklung
  • Förderung der Attraktivität des europäischen Hochschulraumes

 Bachelor-Abschluss in Europa – Grundkonzept

Zum Wintersemester 2012/2013 waren laut Bundesministerium für Bildung und Forschung rund 87 Prozent aller Studiengänge (13.900 von 16.100 Studiengängen insgesamt) an deutschen Hochschulen auf die gestufte Studienstruktur umgestellt. Ausnahmen sind Jura und Medizin mit dem Staatsexamen, Kunst, Musik und einige Lehramtsstudiengänge. Ganz einheitlich ist das deutsche Hochschulsystem also bis heute noch nicht. Da jedoch der Bologna-Vertrag europaweit bis 2020 verlängert wurde, ist damit zu rechnen, dass bis dahin die Studiengänge weitgehend einheitlich, vergleichbar und transparenter sein werden.

Die dafür im Rahmen des Bologna-Prozesses von den Ländern entwickelten, detaillierten Vorgaben sollen (in Deutschland) insbesondere durch die Akkreditierung gewährleistet werden, die spezielle Agenturen vornehmen. Diese externe Prüfung der Studiengänge soll sowohl die formale Kompatibilität zum Bachelor-System, als auch die Qualität der Lehre, des Lehrkörpers und der Studieninhalte sicherstellen. Bei den Akkreditierungsagenturen handelt es sich um Vereine, die wiederum vom zentralen Akkreditierungsrat/Wissenschaftsrat zugelassen werden. Da die Akkreditierungen immer erst NACH dem Start eines neuen Studiengangs stattfinden, empfehlen wir Studiengänge in der Regel erst dann, wenn dieses Verfahren abgeschlossen ist und „Kinderkrankheiten“ beseitigt sind.

Mit dem Bachelor erwirbt der Student einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss. Der Bachelor-Abschluss ist aber auch Voraussetzung für ein anschließendes Masterstudium. Durch ein Masterstudium kann entweder das Studienfach fortgeführt und vertieft bzw. im fachlichen Zusammenhang  erweitert werden (konsekutiv), oder es kann eine fachliche Umorientierung mit dem Wechsel in einen Masterstudiengang erfolgen, der nicht auf das bisherige Studium aufbaut (nicht-konsekutiv).

Der Bachelor-Grad darf nicht um einen fachlichen Zusatz oder einen Hinweis auf die Art der Bildungseinrichtung ergänzt werden, die den Bachelor-Grad verliehen hat (z.B. Bachelor (FH) oder (Univ.)). Grund dafür ist, dass es keine für die Hochschulart spezifisch unterschiedlichen Vorgaben (z. B. Dauer des Studiums) gibt und alle Hochschulen denselben Akkreditierungsanforderungen unterliegen. Detaillierte Information zum jeweiligen Studiengang gehen aus der Bachelor-Urkunde, dem Bachelor-Zeugnis und dem Diploma Supplement (Anhang zum Prüfungszeugnis) hervor.

In Deutschland kann der Bachelor-Abschluss auch an Berufsakademien erworben werden. Die Absolventen erhalten eine staatliche Abschlussbezeichnung anstelle eines akademischen Grades. Bei einem Weiterstudium entscheidet die jeweilige Hochschule anhand zusätzlicher Prüfungskriterien, ob der Berufsakademie-Absolvent zu einem Masterstudiengang zugelassen werden kann. Mit einem Bachelor-Abschluss an einer Hochschule (Uni oder FH) kann dagegen ein Master-Studium angeschlossen werden, sofern die Zulassungsvoraussetzungen der jeweiligen Hochschule hierfür erfüllt werden.

Bachelor-Abschlüsse verleihen grundsätzlich dieselben Berechtigungen wie Diplom-Abschlüsse an Fachhochschulen. Während generell der Bachelor als erster berufsqualifizierender Anschluss gelten soll, reicht er in Studiengängen, an deren Ende bislang das Staatsexamen stand, nicht aus. Mit dem notwendigen anschließenden Master zusammen ergibt sich dann eine ähnliche Studiendauer wie bisher.

Ein-Fach oder Zwei-Fach?

Einen Bachelor-Abschluss kann man als Ein-Fach-Bachelor oder als Zwei-Fach-Bachelor erlangen: Im Ein-Fach-Bachelor studiert man in einem fachlich spezifizierten Bereich, im Zwei-Fach-Bachelor sind entweder zwei Fächer gleichwertig oder ein Haupt- und ein Nebenfach zu belegen, ähnlich den alten Magisterstudiengängen. Welcher Abschluss sinnvoll ist, hängt von den eigenen Ansprüchen, den Studienangeboten und anderen Faktoren ab.

Die Regelstudienzeit im Bachelor beträgt meistens sechs Semester, es gibt aber auch zunehmend Studiengänge, die sieben oder sogar acht Semester als Regelstudienzeit vorgeben. Je nach Studiengang benötigt man insgesamt 180 – 240 Creditpoints, und es existieren mittlerweile vier verschiedene Bachelor-Grade: der B.A. (Bachelor of Arts für die Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften), der B.Sc. (Bachelor of Science für die Natur-, aber auch für einige Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften), der B.Eng. (Bachelor of Engineering für die Ingenieurswissenschaften) und der LL.B. (Bachelor of Laws für Jura).

Die Nachteile des Bachelor-Studiums

Höhere Belastung –  Der schnelle, straffe und praxisnahe Studienplan verlangt den Studenten einiges ab. Der Studienplan lässt wenig Platz für Flexibilität und Freiraum, da die Strukturen der unterschiedlichen Module weitgehend vorgegeben sind. So wird auch das selbstständige Denken und Entscheiden nicht gerade gefördert – daher lautet der Vorwurf häufig „Verschulung“ des Studiums. Es gibt einige wenige Hochschulen, die dem bewusst entgegensteuern, wie z.B. die Leuphana-Universität in Lüneburg oder die Zeppelin-Universität in Friedrichshafen.

Mehr Ellenbogen-Mentalität – Durch den steigenden Druck wird das soziale Klima der Hochschulen kühler. Studenten, die nebenbei jobben oder Kinder haben, geraten aufgrund der Leistungs- und Anwesenheitskontrollen bisweilen in eine Zwickmühle.

Schwierigkeiten beim Master – Der Weg zum Masterstudium wird vor allem durch NC-Beschränkungen verbaut, um die Studenten frühzeitig in die Arbeitswelt zu drängen – Sparmaßnahmen stehen hier im Vordergrund, was zu einem schwachen Angebot an Master-Studiengängen in den Anfangsjahren führte. Darüber hinaus legt jede Hochschule weitere Zulassungsvoraussetzungen fest. Diese sollten daher rechtzeitig vor Abschluss des Bachelors bei der jeweiligen Hochschule erfragt werden. Einige Hochschulen verlangen einen Eignungstest. Auch sind die Hochschulart, Fächer und Profil sowie Abschlussnote des vorigen Studiengangs ausschlaggebend.

Schwierigkeiten beim Auslands-Aufenthalt – Die Erfahrungen zeigen, dass die Anerkennung von Auslandspraktika und  -semestern sowie das Fortführen des Studiums im Ausland sich ebenfalls als schwierig erweisen. Ausnahme bilden die Hochschulen, die bereits integrierte Auslandssemester anbieten, in denen sich die Studenten die dort gesammelten Credit Points, also die zu sammelnden Leistungspunkte in Deutschland anrechnen lassen können.

Die Vorteile des Bachelor Studiums

Große Vielfalt – Die unterschiedlichen Studiengänge werden sehr stark differenziert. Die Lehrpläne vermitteln neben Fachwissen auch berufsfeldbezogene Qualifikationen, die früheren Studenten eher fehlten. Fächerübergreifende Schlüsselqualifikationen werden gezielt vermittelt, und die Betonung liegt vielfach auf praktischen Studienphasen. Allerdings gilt das insbesondere für die Fachhochschulen, während sich die Unis nach wie vor vor allem auf theoretischen Lehrstoff konzentrieren.

Gute internationale Vergleichbarkeit – Der Abschluss kann an einer Universität und an einer Fachhochschule erworben werden, außerdem ist der Abschluss an einer Berufsakademie möglich. Der Bachelor-Grad ist international bekannt und europaweit anerkannt.

Schnellerer Berufseinstieg – Die Studiendauer ist auf sechs bis acht Semester angesetzt, und so können insbesondere die Studenten aus verschiedenen Wirtschaftsstudiengängen mit einem Bachelor-Abschluss von der FH früher ins Berufsleben einsteigen. Durch die stärkere Struktur sollen in Deutschland die hohen Abbruchquoten und die Zahl der Langzeitstudenten gesenkt werden. Außerdem besteht nach dem Bachelor-Abschluss die Möglichkeit, ein zwei- bis viersemestriges Masterstudium anzuknüpfen.

Fazit

Ob die Umstellung bereits gelungen ist, lässt sich schwer sagen. Hohe Studienabbrecherzahlen gab es bereits vor der Reform, aber bedingt durch die Umstellung auf den Bachelor waren die Hochschulen gezwungen, ihre alten Studiengänge anzupassen, mit neuen Inhalten zu füllen und verstärkt neue Studiengänge anzubieten. Ich persönlich begrüße das, weil auf diese Art und Weise Altes, Verstaubtes verschwindet und Neuem, Zukunftsorientiertem Platz gemacht wird. Zusätzlich begrüße ich die große Vielfalt, sowohl was die Inhalte, als auch was das Angebot angeht. Das macht es zwar für die Schulabgänger und deren Eltern immer schwieriger, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden, aber ich als Berufsberaterin weiß einfach, dass es für jeden meiner Kunden auch den passenden Studiengang gibt!

Als schwierig stellt sich immer noch das Studieren im Ausland dar, und von einem Bachelor-Abschluss im Ausland halte ich nur wenig. Die Firmen – oder besser die Geschäftsführer und Personalentscheider – taten sich schon schwer mit der Umstellung auf den Bachelor. Dieser Abschluss hatte in den Anfangsjahren völlig zu Unrecht keine hohe Wertigkeit und man mied die ersten Absolventen dieses neuen Systems. Heute gibt es kaum noch Hochschulabgänger mit Diplom oder Magister, sodass die Entscheider keine andere Wahl mehr haben. Aber mit einem Bachelor aus dem Ausland dürfte es dann doch schwierig werden. Hier kann keiner mehr einschätzen, wieviel der Abschluss wirklich Wert ist, ist doch deutsche Qualität hinreichend bekannt und geschätzt. Da sich unzählige Absolventen auf die Stellen bewerben, ist die Gefahr groß, dass man mit einem im Ausland erworbenen Bachelor eher nicht bevorzugt wird.

Anders sieht das jedoch aus, wenn es sich um einen Bachelor als Doppel-Abschluss handelt, also einen, der an einer deutschen Hochschule und zusätzlich an einer ausländischen Partnerhochschule erworben wurde. Ein solches Studium ist tough und nicht für jeden geeignet, aber für die Ehrgeizigen unter uns eine tolle Sache. Und auch bei den kreativen Studiengängen empfehlen wir aus verschiedenen Gründen eher ein Studium im Ausland, bevorzugt Skandinavien, Dänemark, Holland oder Großbritannien. Das Team von Schaake & Friends ist bei solchen Fragen selbstverständlich ein kompetenter Ansprechpartner. Wenn wir Ihnen einen Studiengang empfehlen, wissen Sie, worauf Sie sich einlassen und werden keine “bösen Überraschungen” erleben.

Bildnachweis: © marcjohn.de – fotolia.com

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