Der Lebenslauf für Berufseinsteiger

Wichtig für den Lebenslauf ist, dass er klar und übersichtlich geordnet und gestaltet sowie angenehm zu lesen ist. Die grafische Gestaltung Ihres Lebenslaufs ist individuell und hängt unmittelbar von dem Unternehmen ab, bei dem Sie sich bewerben. Das kann von einer eher konservativ schlichten über eine etwas farbig kreative Variante bis hin zu einer völlig anderen Form der Bewerbung gehen wie Film oder Fotostrecke. Gerade Berufsanfänger unterschätzen die Wichtigkeit des Lebenslaufs oft.

Der Lebenslauf für Schulabgänger umfasst in der Regel eine Seite und gibt dem Leser Aufschluss über den bisherigen Werdegang. Wenn Sie bereits während der Schulzeit Praktika oder andere Tätigkeiten ausgeübt und damit viel zu bieten haben, werden Sie mit einer Seite für den Lebenslauf nicht hinkommen; dann verwenden Sie einfach zwei… Üblicherweise wird ein tabellarischer Lebenslauf gefordert, nur ganz selten ein handschriftlich verfasster. Für einen handschriftlichen Lebenslauf gibt es zwei Gründe: Einerseits will der Personaler sicher gehen, dass Sie sich Mühe gegeben und den Lebenslauf individuell für ihn verfasst haben, andererseits – und das ist der wichtige der beiden – wird in der Regel Ihre Handschrift auf dem Lebenslauf einer grafologischen Schriftuntersuchung unterzogen, um Aufschluss über Psyche und Persönlichkeit des Bewerbers zu erhalten, was nicht ganz unumstritten ist. Da das heute jedoch nur noch selten gefordert wird, lege ich hier die Konzentration auf die tabellarische Form.

Im Lebenslauf präsentieren Sie dem Leser schnell und übersichtlich die wichtigsten Daten zu Ihrer Person.

Schnell und übersichtlich sind hier die Zauberworte. Gestalten Sie das Papier so, dass der Leser auf den ersten Blick alles Wesentliche sofort erkennen kann. Ich persönlich schätze im Lebenslauf die Aufteilung ein Drittel, zwei Drittel – also eine linke Spalte, die ein Drittel der Seite einnimmt und eine rechte, die zwei Drittel der Seite beansprucht. In der linken Spalte stehen Überschriften wie „Persönliche Daten“, „Schullaufbahn“ und ähnliches und darunter die Monats- und Jahresangaben, also zum Beispiel 09/2010 – 07/2012. In der rechten großen Spalte stehen dann die ausgeübten Tätigkeiten etc.

Beginnen Sie im Lebenslauf mit den Persönlichen Daten. Dazu gehören Ihr Name, Kontaktdaten, auch Telefonnummer und E-Mailadresse, Geburtstag und -ort. Eltern und Geschwister gehören für mein Empfinden nicht in den Lebenslauf. Die Meinungen gehen da ein bisschen auseinander, aber für mich haben die Angaben über die Eltern und insbesondere über die Geschwister keinerlei Wert und sind für mich eher „Füllmaterial“, wenn der Bewerber sonst nicht viel zu bieten hat. Einzige Ausnahme könnte sein, dass die Berufe der Eltern in einem unmittelbaren Zusammenhang mit Ihrer Bewerbung stehen. Die Staatsangehörigkeit ist eine kann-Angabe, die finde ich schon interessanter, und die Religionszugehörigkeit sollte nur dann Erwähnung finden, wenn Sie sich bei einem kirchlichen Träger bewerben. Ein Wort noch zu Ihrer E-Mailadresse: Bitte verwenden Sie eine Adresse mit Klarnamen und keine Spaßangaben wie ed.xm1544855987g@ynn1544855987ub-yn1544855987nuh1544855987 oder ähnliches.

Wenn Sie Sebastian Meier heißen, dann sollte das auch eindeutig aus der E-Mailadresse hervorgehen.

Nach diesen Angaben folgen die beruflichen Tätigkeiten, Praktika, das Studium oder die Ausbildung, dann die Schullaufbahn und schließlich alles, was für den Leser sonst noch wichtig ist. Früher wurde das chronologisch aufgeführt, heute ist die angloamerikanische Variante, in der das Neueste immer zuerst genannt wird, üblich. Ich bevorzuge das aufgrund der schnelleren Lesbarkeit und Übersichtlichkeit ebenfalls. Niemand hat heute noch die Zeit, sich durch Ihre alten Tätigkeiten oder durch ihre Grundschuldaten lesen, um an die Essenz Ihrer jetzigen Tätigkeit zu kommen.

Bei Berufliche Tätigkeiten (auch Praktika) stehen in der linken Spalte also die Monats- und Jahresangaben. Aufgrund der besseren Lesbarkeit empfehle ich, die Monate nicht auszuschreiben wie z. B. Juli oder August, da die Monate unterschiedlich lang sind und es dann in der linken Spalte aussieht wie Kraut und Rüben, sondern die entsprechenden Ziffern zu verwenden. In der rechten Spalte stehen dann das Unternehmen, in dem Sie beschäftigt sind/waren mit dem Sitz der Firma, darunter die Positionsbeschreibung und die Tätigkeiten in Stichworten.

Das klingt zunächst logisch und banal, aber in über 80 Prozent der Lebensläufe, die auf meinem Tisch landen, fehlen bei den jüngeren Leuten die Tätigkeitsbeschreibungen. Wie soll ein Personaler jedoch wissen, was genau Sie gemacht haben? Wenn Sie nur schreiben „Praktikum in der Marketingabteilung“, dann weiß man nicht, ob Sie dort nur für die Belegschaft Kaffee gekocht haben, und am Kopierer standen oder andere unliebsame Aufgaben erledigen mussten, auf die die anderen alle keine Lust hatten und für die Praktikanten gern missbraucht werden, oder ob Sie dort sinnvolle Aufgaben erledigen konnten/durften wie Präsentationen zusammen stellen, Events organisieren oder Telefonate führen. Das muss ein Personaler aber wissen, um zu entscheiden, ob es sich überhaupt lohnt, Sie zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen.

Unterhalb der beruflichen Tätigkeiten oder Praktika steht das Studium bzw. die Ausbildung, je nachdem, was zeitlich aktueller ist. Und wenn Sie Schulabgänger sind, entfallen natürlich die anderen Angaben, dann beginnen Sie mit der Schullaufbahn.

Wenn Sie bereits Ihren Schulabschluss in der Tasche haben, fügen Sie noch den Abschluss in der Zeile unter der Schule hinzu, also z.B. Albert-Einstein-Gymnasium, München und darunter „Abschluss Allgemeine Hochschulreife“. Ob es Sinn macht, die Abschlussnote im Lebenslauf speziell zu erwähnen, würde ich von der Note abhängig machen. Bis Note 2,5 kann man sie erwähnen, alles darunter kann getrost entfallen, und auf jeden Fall sollte man die Noten im Dreier-Bereich weglassen. Wenn der Schulabschluss noch bevorsteht, schreiben Sie über Ihre jetzige Schule in der linken Spalte das zukünftige Datum Ihres Abschlusses und in der rechten Spalte über Ihrer Schule einfach „voraussichtlich Abschluss der Allgemeinen Hochschulreife“. Genauso verfahren natürlich auch die Schüler anderer Schulformen.

Weiteres Engagement kann sich auf Schulisches Engagement und auf Außerschulisches Engagement beziehen. Mit schulischem Engagement sind Extra-Aufgaben gemeint, die Sie im Rahmen der Schule freiwillig übernommen haben, also Klassensprecher, Jahrgangssprecher, Schülervertretung oder die Organisation von Auftritten. Außerschulisches Engagement kann sich auf kirchliche Aufgaben beziehen, Pfadfindertätigkeiten oder sonstige soziale Aktivitäten. Das können auch Fortbildungskurse sein, ehrenamtliche Tätigkeiten oder Jobs, in denen Sie sich etwas Geld dazu verdient haben. Für Schulabgänger und Jobeinsteiger sind das noch wichtige Kriterien, wer schon länger im Berufsleben steht, braucht das nicht mehr zu erwähnen. In diesem Fall interessieren den Personaler eher noch andere Dinge. Das ist auf jeden Fall immer eine individuelle Entscheidung, die bei jedem Bewerber wieder neu getroffen werden muss.

Nun kommen die Besonderen Kenntnisse: Dazu gehören die Sprachkenntnisse, Computerkenntnisse und was Sie sonst noch an Fähigkeiten mitbringen. Sie sollten bei ihren Sprachkenntnissen angeben, wie fit Sie in der jeweiligen Sprache sind. Sie können das in den europäischen Bezeichnungen B1, B2 etc. angeben oder aber Sie verwenden dafür Begriffe wie verhandlungssicher, fließend, sehr gut, ausbaufähig oder gute Grundkenntnisse. Bei den Computerkenntnissen schreiben Sie alles rein, womit Sie schon mal irgendwann gearbeitet haben. MS-Office sollte Standard sein, aber vielleicht sind Sie auch schon mit Photoshop oder Illustrator in Berührung gekommen oder aber mit Spezialprogrammen bei einem Praktikum. Alles angeben! Sie müssen das ja nicht perfekt können. Aber es signalisiert eines: Hier ist jemand, der neugierig ist und sich auch auf neue Dinge einlassen kann und davor keine Berührungsängste hat.

Ein Wort noch zu MS-Office: Über 90 Prozent meiner Kunden verwenden Word wie eine Schreibmaschine. Sie haben von den Funktionsmöglichkeiten dieses Programmes tatsächlich nur rudimentäre Kenntnisse und die meisten wissen nicht einmal ansatzweise, wie man formatiert. Das ist eine Katastrophe, wenn diese Dokumente auch noch online verschickt werden! Hier sieht jeder Personaler gleich, dass der Bewerber keine Ahnung hat und sich kaum Mühe gibt. Selbst eine Umwandlung in ein PDF bringt nicht immer etwas, da es auch Umwandlungsprogramme gibt, die ein PDF in ein Word-Dokument zurückumwandeln können, wobei sich vermutlich viele Personaler diese Mühe aus Zeitgründen gar nicht machen. Dennoch… Ähnliches gilt für PowerPoint und noch schlimmer ist es meist um Excel bestellt. Da viele junge Leute nach Ihrem Schulabschluss ohnehin viel Zeit haben, weil mittlerweile immer weniger gleich nach dem Abi ins Studium gehen – was ich persönlich sehr begrüße – böte sich hier an, entsprechende Kurse entweder an den Volkshochschulen oder bei privaten Instituten zu besuchen, um erstens die Zeit sinnvoll zu nutzen und zweitens die Dinge beherrschen zu lernen, um die wir im Arbeitsleben alle nicht mehr herum kommen.

Hobbys gehören nicht in den Lebenslauf, es sei denn, sie hätten einen wichtigen und unmittelbaren Bezug zum Unternehmen oder zu Ihrer gewünschten Tätigkeit.

Wenn Sie in Ihrem britischen Internat eine große Vorliebe für Rugby entwickelt haben und sich nun in einer Steuerkanzlei bewerben wollen, sollten Sie also auf die Angabe Ihres Hobbys verzichten. Möglicherweise trifft der Begriff „Interessen“ auch eher den Kern. Wenn Sie selber sehr sportlich sind und gern Rennrad oder Mountainbike fahren und sich z.B. bei der Firma Gore im Bereich Sportbekleidung nach Ihrem Schulabschluss für eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation bewerben wollen, kann es durchaus sinnvoll sein, unter Interessen Ihr Hobby auch anzugeben.

Das Bemerkenswerteste, was ich in meiner Zeit als Headhunter auf der Suche nach einem Vertriebsleiter für einen großen Konzern je zu Gesicht bekommen habe, waren unter Interessen die Stichworte Sportwagen, Zigarren, Uhren, Yachten. Daraus schließe ich, dass ich hier jemanden vor mir habe, der vor allem das „schöne“ Leben genießen will und dafür viel Geld benötigt. Das könnte zur Folge haben, dass er sich als Führungskraft nicht in dem Maße einsetzt, wie sich das mein Auftraggeber wünscht, und dass er unter Umständen nicht so lange im Unternehmen verweilt wie gehofft, weil er schnell zum nächsten zieht, der ihm mehr Geld bietet. Ich habe diesen Herrn jedenfalls gar nicht erst zum weiteren Gespräch eingeladen. Die Schlüsse könnten auch allesamt falsch sein und ich könnte ihm Unrecht getan haben, aber jeder sollte damit rechnen, wenn er einem anderen eine Steilvorlage gibt, dass diese auch verwandelt wird…

Ein Wort noch zum Foto: es gibt zwei Möglichkeiten, dieses zu platzieren. Entweder auf dem Lebenslauf, dann befindet es sich üblicherweise oben rechts oder auf einer gesonderten Seite, dem so genannten Deckblatt, auf dem Ihr Konterfei auf einer Größe von ca. 6×8 cm zusammen mit Ihren Kontaktdaten harmonisch platziert wird. Wenn Sie das alles berücksichtigen und umsetzen, dann sind Sie Ihrem Berufseinstieg oder Ihrem Wunschausbildungsplatz schon ein ganzes Stück näher gekommen. Details zum Thema Foto finden Sie auch hier im Blog.

Was aber ist, wenn Sie vor lauter Lernerei – oder aus pubertärer Faulheit heraus – gar keine spannenden Aktivitäten während der Schulzeit zu bieten haben?

Dann überlegen Sie doch mal, ob da nicht doch etwas war, an das Sie vielleicht gar nicht auf Anhieb denken. Haben Sie sich um Ihre alten Großeltern gekümmert? Vielleicht haben Sie Nachhilfe gegeben oder waren Team-Captain in der Sportmannschaft?  Denken Sie nach, ob Sie nicht doch noch etwas finden, mit dem Sie den Lebenslauf füttern können. Vielleicht etwas, was noch in der Zukunft liegt, wenn Sie beispielsweise wissen, dass Sie nach dem Schul-Abschluss noch Sprachreisen machen oder Computerkurse belegen werden. Und wenn wirklich nichts zu holen ist, dann ist das eben so. In diesem Fall sollten Sie dann allerdings in der Zukunft dafür sorgen, dass der Lebenslauf nicht so mager bleibt.

Damit Sie sich besser vorstellen können, wie ein gut gemachter Lebenslauf aussehen kann, haben wir hier zwei Dokumente zum Download hinter legt: den Musterlebenslauf eines Schülers und den einer Studentin.

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